Das diesjährige Konjunkturbarometer ist so ganz anders, als man das von ihm in der Vergangenheit gewohnt war: Weder gibt es Katastrophenmeldungen noch indifferente Werte zu vermelden. Die aktuellen Ergebnisse sind schlichtweg positiv und lassen auf ein entsprechend gutes Jahr 2011 hoffen. Michael Schmidt-Driedger (Foto: Konstantin Gastmann / pixelio.de)
Mitunter sagt man den Deutschen gerne einen ausgesprochenen Hang zur Schwarzmalerei nach. Sollte dieses Vorurteil wirklich zutreffen, so dürfte dieser Beitrag für einigen Verdruss sorgen, denn die Ergebnisse, die unsere aktuelle Marktbefragung zutage förderte, sind alles andere als beklagenswert: Die ermittelten Werte sind so positiv wie schon lange nicht mehr.
Index mit bestem Wert der letzten fünf Jahre
Betrachtet man die Auswertung, so richtet sich der Blick zunächst immer auf unseren FUx den Fliesen-Unternehmens-Index. Bei diesem Wert werden die an der Befragung teilnehmenden Fliesenfachbetriebe aufgefordert, ihre derzeitige persönliche Geschäftslage einzuschätzen und nach Schulnoten zu bewerten. Hieraus ergibt sich der FUx, der im aktuellen Konjunkturbarometer bei 2,54 landet. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das eine deutliche Verbesserung um 0,45 Punkte (2009: 2,99), und auch der Blick auf die gesamte jüngere Vergangenheit macht deutlich, dass es sich hierbei um einen sehr guten Wert handelt, denn in den letzten fünf Jahren wurde noch nie solch ein Ergebnis erzielt (2008: 2,83; 2007: 3,17; 2006: 2,73). Hauptverantwortlich für dieses Rekordergebnis sind die kleineren Betriebe mit maximal vier Beschäftigten: Ihr Wert landet bei 2,37 (Vorjahr: 2,94). Doch auch die großen Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitern (2,56, Vorjahr 3,26) und die mittelgroßen mit fünf bis neun Angestellten und Arbeitern (2,89, Vorjahr 2,82) tragen zu dem erfreulichen Resultat ihr Scherflein bei.
Bei der Frage nach der Personalauslastung ergibt sich ein anderes Bild: Lag der Wert im vergangenen Jahr bei 85,1 von Hundert, so zeigt er sich 2010 mit 85,0 Prozent praktisch unverändert. Betrachtet man die Mittelwerte unter Berücksichtigung der Betriebsgrößen, erkennt man unterschiedliche Tendenzen, denn während die Zahl bei den Kleinbetrieben stabil bleibt (83 Prozent nach vormals 83,8), zeigen sich die größeren Unternehmen mit 90 von Hundert (Vorjahr 86,6) besser ausgelastet als die mittelgroßen Firmen, bei denen der Durchschnittswert von 88,6 auf 84 Prozent gesackt ist.
Handelsumsätze deutlich verbessert
Dass die positiven Ergebnisse auch mit besseren Handelsgeschäften einhergehen, belegen die weiteren Zahlen unserer Umfrage: Fast zwei Drittel nämlich
63,5 Prozent der befragten Unternehmen verfügen neben ihrer Verlegeabteilung über einen Fliesenhandel. Auf die Frage, wie sie ihren Handelsumsatz im abgelaufenen Jahr beurteilen, anworteten über 34 Prozent mit "sehr gut" oder "gut", was eine beachtliche Verbesserung bezogen auf die 14,5 Prozent des Vergleichszeitraums darstellt. Gleichzeitig ist die Zahl derjenigen, die den Umsatz ihrer Handelssparte mit "mangelhaft" oder "ungenügend" bewerteten, deutlich zurückgegangen (2010: 25,5 Prozent; 2009: 29,1; 2008: 34,7). In der Summe zeigt sich auch der Mittelwert dementsprechend verbessert und landet für 2010 bei 3,26 (Vorjahr: 3,70; 2008: 3,86; 2007: 3,62).
Zahl der Optimisten hat sich fast versechsfacht
Bei unseren Fragen fordern wir die Teilnehmer nicht nur auf, das abgelaufene Jahr Revue passieren zu lassen, sondern bitten auch um einen Blick in die nähere Zukunft. Bei der Frage nach der persönlichen Umsatzerwartung für das kommende Jahr kalkulieren knapp 30 Prozent der befragten Unternehmen mit einer Verbesserung ihrer gegenwärtigen Umsätze. Mit diesem Resultat muss man an dieser Stelle nicht nur konstatieren, dass der Abschwung der letzten Jahre gebremst wurde, sondern geradezu ein vehementer Umschwung eingesetzt hat: Denn nachdem 2007 mit 27,3 Prozent noch ein ähnliches Ergebnis wie das jetzige registriert werden konnte, und im Jahr darauf noch knapp 16 von Hundert zu den optimistischen Geschäftsführern und Inhabern gerechnet wurden, gab es beim vergangenen Konjunkturbarometer mit 4,7 Prozent geradezu einen historischen Tiefststand. Gleichzeitig ist die Zahl derer, die künftig Umsatzrückgänge befürchten, von ehemals 19 auf jetzt gut 13,4 Prozent gesunken. Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei über 46 Prozent. Dies alles ist ein deutlicher Fingerzeig, dass der Glaube in eine positive Zukunft eine immer breiter werdende Basis findet.
Ein Punkt innerhalb unserer Befragung gilt den Investitionsplanungen für das kommende Jahr: Bei der Frage, in welchen Bereichen sie 2011 Investitionen vornehmen wollen, gaben rund 28,4 Prozent an, finanzielle Mittel in Geschäftsräume wie Büro, Lager etc. zu stecken, was einem Plus von knapp 4,5 von Hundert entspricht. Auf den weiteren Plätzen folgen Werkzeuge (27 Prozent; 2,5), Fuhrpark (21,6; 3,4) und Büroausstattung/EDV (20,3; 2,7). Auffällig ist bei diesen Zahlen, dass der Investitionsschwerpunkt, wie auch in der Vergangenheit üblich, von der Betriebsgröße abhängig ist: Größere Unternehmen investieren vornehmlich in Geschäftsräume und kleinere Betriebe in erster Linie in Werkzeuge und Maschinen. Während allerdings in der Vergangenheit bei den mittelgroßen Firmen der Fuhrpark Spitzenreiter der Investitionshitliste war, ist er aktuell von Büroausstattung beziehungsweise Geschäftsräumen abgelöst worden.
Ausbildungsquote mit deutlichem Anstieg
Einen weiteren Hinweis auf die Befindlichkeiten der Branche gibt auch die Antwort auf die Frage nach der Ausbildungsquote. Immerhin 39,2 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, momentan mindestens einen Auszubildenden zu beschäftigen. Seit diese Frage Bestandteil unseres Konjunkturbarometers ist, gab es nie einen höheren Wert (Auswertung 2009: 34,9 Prozent; 2008: 35,4). Und auch bei der Frage, ob geplant ist für das kommende Jahr einen Auszubildenden einzustellen, zeichnet sich eine positive Entwicklung ab: 24,3 Prozent anworteten mit "Ja", entsprechend einem Plus von 5,3 Prozent (2009: 19 Prozent; 2008: 8 Prozent).
Datenbasis
Insgesamt haben sich an unserem aktuellen Konjunkturbarometer 74 Fliesenfachbetriebe beteiligt. Rund die Hälfte mit gut 51 Prozent zählt zur Gruppe der kleineren Betriebe mit 1 bis 4 Beschäftigten. Jeweils knapp ein Viertel entfallen auf die großen Fachbetriebe mit mindestens 10 Mitarbeitern und die mittelgroßen Unternehmen mit 5 bis 9 Beschäftigten.
Fazit
Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage, die Erwartungen für die nahe Zukunft, Handelsumsätze, Investitionswille und Ausbildungsquote: Wollte man sich auf die Pirsch nach schlechten Ergebnissen machen, man müsste beim jetzigen Konjunkturbarometer frustriert die Suche abbrechen, zu gut sind nämlich die Werte und zwar quer durch die Bank. Es scheint, dass ein gutes Jahr 2011 vor der Branche liegt. Und irgendwie haben sich das ja auch alle nach den mageren Jahren der jüngeren Vergangenheit verdient.
