2010-07-23T00:00:00Z FLIESEN & PLATTEN - Konjunkturbarometer 2010

Erwartet man beim aktuellen Konjunkturbarometer hervorragende Werte, wird man logischerweise enttäuscht werden. Rechnet man mit Katastrophen-Ergebnissen, allerdings auch. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. (Foto: R_K_by_Konstantin-Gastmann_pixelio.de)

Erinnern Sie sich noch an das vergangene Jahr? Als wir vor Jahresfrist an dieser Stelle die Ergebnisse unseres Konjunkturbarometers bewerteten, lautete das Fazit "Normalität statt Weltuntergang" und alle standen noch unter dem positiven Eindruck der BAU in München, wo eine Mischung aus entspannter Zuversicht und einer "Jetzt erst recht!"-Stimmung vorherrschten. Mittlerweile sind wir alle klüger und blicken auf ein Jahr 2009 zurück, das vor allem im ersten Quartal die Branche vor große Herausforderungen stellte. Trotzdem haben die Fliesenfachbetriebe dieses Jahr insgesamt im Rückblick nicht so negativ bewertet.

Index hat leicht nachgegeben

Einen zentralen Wert unserer Befragung bildet der FUx - Fliesen-Unternehmens-Index. Hierbei sollen die teilnehmenden Fliesenfachbetriebe ihre eigene derzeitige Geschäftslage einschätzen und nach Schulnoten bewerten. Der sich hieraus ergebende Mittelwert ist der FUx, der für das abgelaufene Jahr 2,99 beträgt. In Relation zum Vorjahr bedeutet dies eine Verschlechterung um 0,16 Punkte (2008: 2,83). Bezieht man die Ergebnisse der letzten Jahre mit ein, so wird aber auch deutlich, dass es sich letztlich um einen Wert im "normalen Bereich" handelt (2007: 3,17; 2006: 2,73).

Betrachtet man die Mittelwerte in Bezug auf die Betriebsgrößen, wird deutlich, dass die mittelgro-ßen Betriebe mit 5 bis 9 Beschäftigten (2,82) ihre momentane Geschäftslage besser einschätzen als die kleinen (bis 4 Mitarbeiter; 2,94) und großen Firmen (mehr als 9 Mitarbeiter; 3,26).

Wirft man einen Blick auf die Personalauslastung, so lässt sich auch in diesem Bereich ein leichtes Nachgeben der Werte konstatieren. Lag der entsprechende Mittelwert im letzten Jahr noch bei 86,9 Prozent, so sank dieser jetzt um 1,8 Punkte auf 85,1 Prozent. Bemerkenswert ist auch in die-sem Zusammenhang die Verteilung der Ergebnisse auf die jeweiligen Betriebsgrößen: Während die mittelgroßen Unternehmen mit fünf bis neun Beschäftigten ihren Wert vom Vorjahr praktisch halten konnten (2009: 88,3 Prozent; 2008: 88,6 Prozent), sanken die Mittelwerte der kleinen (von 85,2 auf 83,8 Prozent) und großen Betriebe (von 89,9 auf 86,6 Prozent).

Leichte Verbesserungen bei den Handelsumsätzen

Rund 59 Prozent der befragten Unternehmen besitzen neben ihrer Verlegeabteilung einen Fliesenhandel. Danach befragt, wie sie ihren Handelsumsatz im abgelaufenen Jahr nach Schulnoten bewerten, antworteten ähnlich viele wie 2008 - nämlich 14,5 Prozent - mit "sehr gut" oder "gut" (Vorjahr: 14 Prozent). Die Gruppe der sehr unzufriedenen, also diejenigen, die den Umsatz ihrer Handelssparte lediglich mit "mangelhaft" oder gar "ungenügend" bewerten, ist gleichzeitig von 34,7 auf 29,1 von Hundert gesunken. Unter dem Strich führen diese Angaben zu einem leicht ver-besserten Mittelwert von 3,70 gegenüber 3,86 im Vorjahr (2007: 3,62; 2006: 3,20). Hier scheint also, wenn auch kein deutlicher Aufwärtstrend spürbar ist, zumindest der Abwärtstrend der Ver-gangenheit gestoppt.

Bei Umsatzerwartungen setzt sich der Realismus durch

Neben dem Erfassen der aktuellen Marktlage versuchen wir mit unseren Fragen auch einen Eindruck davon zu bekommen, was die Fachbetriebe für die nahe Zukunft erwarten. Entsprechend bezieht sich eine unserer Fragen auf die persönlichen Umsatzerwartungen für das kommende Jahr. Für 2010 kalkulieren 4,7 Prozent der Befragten mit einer Steigerung ihrer gegenwärtigen Umsätze. Dieses Ergebnis bedeutet nicht nur einen Tiefststand, sondern auch gleichzeitig eine Fortschreibung der vergangenen Rückgänge: Vor drei Jahren gaben sich mit 27,3 Prozent noch mehr als ein Viertel optimistisch, im Jahr darauf waren es noch knapp 16 von Hundert und im ver-gangenen Jahr hofften immerhin noch neun Prozent auf eine Besserung.

Wer allerdings daraus schließt, dass dieser Wert Ausdruck einer katastrophalen Wirtschaftslage ist, springt zu kurz. Der Blick auf diejenigen, die mit einer Verschlechterung ihrer Situation rechnen, relativiert den Eindruck: Waren es im vergangenen Jahr noch mehr als 46 Prozent, die für ihr Unternehmen Umsatzrückgänge befürchteten, sind es in der aktuellen Befragung nur noch knapp 19 Prozent. Folgerichtig ist die Zahl derer, die unveränderte Umsätze erwarten, von rund 45 auf über 76 Prozent geschnellt. Ein deutlicher Hinweis, dass die Unternehmer nach dem schwierigen ersten Quartal 2009 und der vorangegangenen fast schon euphorischen Stimmung ihre Situation nun realistischer einschätzen.

Werkzeughersteller können sich freuen

Bei der Frage, in welchen Bereichen die Unternehmer für das kommende Jahr Investitionen planen, werden leichte Verschiebungen zum Vorjahr deutlich: Während nach wie vor rund 24 Prozent der Investitionswilligen ihr Geld in die Geschäftsräume wie Büro, Lager und so weiter stecken wol-len, beabsichtigen gut 25 Prozent (-1,7 Prozent) Anschaffungen, die den Fuhrpark betreffen. Auch bei der Büro- und der Computerausstattung ist der Investitionswille um rund zwei Prozent auf 23 von Hundert zurückgegangen. Sieger ist in diesem Bereich der Sektor Werkzeuge und Maschinen, denn hier stieg der Wert von 26 auf 29,5 Prozentpunkte.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Investitionspräferenz je nach Betriebsgröße wechselt: Während bei den größeren Firmen die Geschäftsräume deutlich vor dem Fuhrpark ran-gieren, bildet bei den mittelgroßen Betrieben der Fuhrpark den Spitzenreiter. Die kleineren Firmen mit maximal vier Beschäftigten wiederum planen für das kommende Jahr, vor allen Dingen in Werkzeuge und Maschinen zu investieren.

Ein Drittel der Betriebe bildet aus

Als wir vor zwei Jahren unser Konjunkturbarometer vom vormals üblichen Quartalsrhythmus auf die jährliche Befragung umstellten, haben wir auch einige Aspekte neu in unseren Katalog aufge-nommen. Unter anderem zählt auch die Frage nach der Ausbildungsquote dazu. 34,9 Prozent der befragten Firmen gaben an, derzeit mindestens einen Auszubildenden zu beschäftigen, 14,2 Pro-zent sogar mehr als einen. Beide Werte bedeuten einen Rückgang zum Vorjahr (35,4 Prozent bil-den aus; 17 Prozent mehr als einen Auszubildenden). Positiv ist in diesem Umfeld allerdings das Ergebnis bei der Frage, ob für das kommende Jahr geplant ist, einen Auszubildenden einzustellen: 19 Prozent beantworteten diese Frage mit "Ja", was zwar an sich keinen überragenden Wert darstellt, aber eine deutliche Verbesserung im Hinblick auf das Vorjahr bedeutet, als lediglich knappe acht Prozent vorhatten, einen Ausbildungsplatz einzurichten. Damit bewegt man sich schon wieder fast auf dem Niveau der Vorjahre (2007: 22 Prozent; 2006: gut 24 Prozent).

Datenbasis

Insgesamt haben sich an unserem aktuellen Konjunkturbarometer 106 Fliesenfachbetriebe beteiligt. Knapp 58 Prozent und damit das Gros der Unternehmen, die sich an unserer alljährlichen Umfrage beteiligt haben, zählen zu der Gruppe mit 1 bis 4 Beschäftigten. Fast ein Viertel - nämlich 23,6 Prozent - der Teilnehmer beschäftigen zwischen 5 und 9 Mitarbeiter, und rund 19 Pro-zent der Fachfirmen haben 10 und mehr Mitarbeiter angestellt.

Fazit

Die Branche hat sich auf die nach wie vor nicht einfache Situation eingestellt und erwartet auch für das laufende Kalenderjahr keine Wunderdinge in Sachen Umsatz. Dennoch gibt es keine kopflo-sen Reaktionen oder Schwarzmalerei. Vielmehr ist die Bereitschaft zu Investitionen und der Wille, wieder mehr Ausbildungsplätze anzubieten, feststellbar.

Wollen auch Sie sich an unserer Umfrage beteiligen? Dann rufen Sie einfach an oder melden sich per E-Mail in der Redaktion:

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zuletzt editiert am 11. März 2021
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