Unseres jährliches Konjunkturbarometer bestätigt die Eindrücke, die man auf der BAU in München gewinnen konnte: In der Fliesenbranche herrscht statt sonst allgemein üblicher Weltuntergangsstimmung ein Stück weit Normalität. (Foto: R_K_by_Konstantin-Gastmann_pixelio.de)
Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Rezession … derzeit beherrschen fast ausschließlich Negativschlagzeilen die Wirtschaftsnachrichten. Doch hat die Krise bereits die Fliesenbranche erfasst? Eine Frage, für deren Beantwortung unser Konjunkturbarometer zumindest Hinweise liefert. Mit dem vorliegenden Beitrag präsentieren wir Ihnen unsere Umfrage schon zum zweiten Mal in neuer Form, denn bereits im vergangenen Jahr konnten Sie sich hier über aktuelle Marktdaten als Jahresauswertung und nicht wie früher als vierteljährliche Datenerhebung informieren.
Ordentliches Gesamtergebnis
Kernpunkt unserer Befragung ist nach wie vor die Einschätzung der eigenen derzeitigen Geschäftslage. Dabei geben die teilnehmenden Fliesenfachbetriebe ihre Wertung nach Schulnoten ab; der sich daraus ergebende Mittelwert fließt als FUx Fliesen-Unternehmens-Index in die Auswertung ein. Aktuell landet der Index für das abgelaufene Jahr 2008 bei 2,83, was einer leichten Verbesserung gegenüber dem Vorjahresergebnis von 3,17 entspricht. Ein ordentliches Ergebnis, dass gerade in Zeiten sich überschlagender Negativmeldungen heraussticht und eher auf ein "business as usual" denn auf Weltuntergang hindeutet. Ein Blick auf den FUx von 2006 damals lag der Index bei 2,73 verdeutlicht diese Einschätzung. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass das gute Ergebnis auch von den Kleinbetrieben mit maximal vier Beschäftigten mitgetragen wird (Index 2,76), die damit am besten in dieser Kategorie abschneiden konnten.
Diese Einschätzung deckt sich auch mit anderen Werten. Beispielsweise gaben die Unternehmen an, dass die Personalauslastung ihres Betriebs im abgelaufenen Jahr durchschnittlich bei 86,9 Prozent lag. Der entsprechende Mittelwert des Vorjahres lag um 0,6 Prozentpunkte darunter. Auch hier konnten die Kleinbetriebe einen entsprechenden leichten Aufwärtstrend verzeichnen von 84,9 auf 85,2 Prozent , allerdings liegt diese Gruppe bei der Personalauslastung aktuell doch leicht hinter den *-Betrieben mittlerer Größe (88,6 Prozent) und hinter den größeren Firmen mit mindestens 20 Beschäftigten (89,1 Prozent).
Unbefriedigende Ergebnisse beim Handelsumsatz
62 Prozent der Betriebe, die sich an unserer Erhebung beteiligt haben, besitzen neben ihrer Verlegeabteilung auch einen Fliesenhandel. Auf die Frage, wie sie den eigenen Handelsumsatz des abgelaufenen Jahres nach Schulnoten einordnen, antworteten lediglich 14 Prozent mit "gut" oder "sehr gut". Mehr als ein Drittel nämlich 34,7 von Hundert beurteilten den eigenen Handelsumsatz mit "mangelhaft" oder gar "ungenügend", was insgesamt zu einem Mittelwert von 3,86 führt. Betrachtet man die Vorjahreswerte (2007: 3,62; 2006: 3,20) wird klar, dass das aktuelle Ergebnis schlecht ist.
Und blickt man auf die nach Betriebsgrößen differenzierte Auswertung, so wird hier eine weitere Veränderung zum Vorjahr deutlich: Während beim letzten Mal die Kleinbetriebe am besten in dieser Kategorie abschnitten, gibt es dieses Mal keine großen Unterschiede zwischen den einzelnen Klassen: Kleinbetriebe 3,83; mittlere Betriebe 3,81; größere Betriebe 3,93.
Umsatzerwartung pessimistisch, Investitionen nahezu unverändert
Neben dem Erfassen der momentanen Marktlage spielen auch die Erwartungen für die nahe Zukunft eine Rolle. Entsprechend fragen wir die Teilnehmer auch nach ihren Umsatzerwartungen für das kommende Jahr. Für 2009 rechnen rund 45 von Hundert mit unveränderten Umsätzen, was ein Minus von rund zehn Prozent zum Vorjahreswert bedeutet. Betrachtet man nun diejenigen Betriebe, die eine Umsatzverbesserung erhoffen, wird ebenfalls eine klare Tendenz deutlich: Wurden vor zwei Jahren hier noch 27,3 Prozent registriert und im letzten Jahr knapp 16 Prozent, finden sich bei der jetzigen Erhebung nur noch neun Prozent Optimisten. Entsprechenden Zuwachs können die Pessimisten vermelden: Befürchteten 2006 noch rund 15 Prozent und 2007 etwas mehr als 27 Prozent schlechtere Umsätze in der nahen Zukunft, so meldeten dieses Mal über 46 von Hundert ihre Bedenken an.
Deutliche Hinweise auf die wirkliche Einschätzung der Zukunft bietet die Frage nach den Investitionsplänen für das kommende Jahr. Wer in diesem Bereich jetzt mit totaler Zurückhaltung rechnet, wird positiv überrascht, denn erstaunliche 94 Prozent der Betriebe, die sich am Konjunkturbarometer beteiligt haben, planen für 2009 Investitionen. Diese Zahl bedeutet nur einen deutlichen Zuwachs von 16 Prozent in Relation zum Vorjahr und lässt vermuten, dass die Unternehmer die Aussichten in Wirklichkeit weniger skeptisch einordnen, als es die reine Umsatzerwartung befürchten lässt. Der Blick auf die "Hitliste" der Bereiche, in denen die jeweiligen Investitionen getätigt werden sollen, verrät Vertrautes: Nach wie vor steht der Fuhrpark mit 27 Prozent an der Spitze, auch wenn er im Vergleich zu den Jahren zuvor (2007: 33 Prozent) an Vorsprung eingebüßt hat. Auf den weiteren Plätzen folgen Werkzeuge und Maschinen mit 25,7 Prozent, gefolgt von Geschäftsräumen wie Büro, Lager und so weiter mit 24 von Hundert und schließlich Büroausstattung/EDV mit 23 Prozentpunkten.
Eine unserer Fragen, die wir neu aufgenommen haben, beschäftigt sich mit der Ausbildungsquote. 35,4 Prozent der Teilnehmer gaben an, derzeit mindestens einen Auszubildenden in ihrem Betrieb zu beschäftigen, knapp 17 Prozent sogar mehr als einen. Diese Resultate entsprechen im Großen und Ganzen den Ergebnissen des Vorjahres. Bei der Zahl der ausbildenden Betriebe ist ein leichtes Minus (Vorjahr: 36,4 Prozent) zu verzeichnen. Aufhorchen lässt allerdings die Aussage, das lediglich knappe acht Prozent der teilnehmenden Betriebe planen, 2009 einen Auszubildenden einzustellen. Hier lässt sich eine deutliche Abwärtstendenz feststellen, nachdem 2007 noch rund 22 Prozent und 2006 gut 24 Prozent der Befragten die Absicht geäußert hatten, in den kommenden zwölf Monaten einen Lehrling einzustellen.
Datenbasis
Gut 43 Prozent der Unternehmen, die sich an unserer aktuellen Konjunkturbefragung beteiligt haben, gehören der Gruppe mit 1 bis 4 Beschäftigten an. Fast 36 Prozent unserer Teilnehmer rekrutiert sich aus den mittelgroßen Betrieben mit 5 bis 9 Mitarbeitern und rund 21 von Hundert der teilnehmenden Fachfirmen beschäftigen 10 Mitarbeiter und mehr.
Fazit
Keine Frage: Die Fliesenbranche ist sich bewusst, dass die für 2009 prognostizierten konjunkturellen Verwerfungen auch an ihr nicht spurlos vorübergehen werden. Dennoch und das beweisen nicht zuletzt die geplanten Investitionen setzt man trotz unbefriedigendem Handelsumsatz und starken Rückgängen bei der Ausbildungsbereitschaft lieber auf das Pferd "Zuversicht" als auf die lahme Mähre "Depression".
Wollen auch Sie sich an unserer Umfrage beteiligen? Dann rufen Sie einfach an oder melden sich per E-Mail in der Redaktion:
0221-5497-255 oder