Die Maßnahmen sollen einem Abfließen der chinesischen Überkapazitäten nach Europa vorgreifen. Faire Marktregeln seien ein grundlegender Faktor für die eigene Wettbewerbsfähigkeit, so die italienische Confindustria Ceramica.
Die Europäische Kommission hat die Maßnahmen gegen China-Fliesen bis Februar 2029 verlängert. Die Zollaufschläge für Keramikfliesen aus der Volksrepublik China bewegen sich weiterhin in einer Spanne von 30,6 bis 69,7 Prozent, so die italienische Confindustria Ceramica in einer Pressemitteilung vom 14. Februar 2024.
Neues Dumping zum Schaden europäischer Industrien
Auf Antrag des Verbands der Europäischen Hersteller von Keramikfliesen CET hatte die Europäische Kommission am 30. Juni 2022 ein Verfahren zur Untersuchung der Preisgestaltung chinesischer Fliesenhersteller eröffnet. Dabei werden die Preise von chinesischen Exporteuren und europäischen Herstellern stichprobenartig analysiert. Aus den Ergebnissen schloss die Kommission, dass bei einem Aussetzen der Zollmaßnahmen mit einem Wiederaufleben der Dumping-Praktiken zu rechnen sei. Diese hätten die Europäischen Industrien schädigen können. Die Antidumping-Aufschläge wurden erstmals 2011 erhoben und im Jahr 2017 verlängert.
Zölle sichern Wettbewerb
Die Kommission unterstrich in ihrer Schlussbewertung, dass die hohen, ungenutzten Überkapazitäten der chinesischen Keramikindustrie – inmitten einer landesweiten, schweren Immobilienkrise – verbunden mit der großen Attraktivität des europäischen Binnenmarkts zu einer Schwemme mit Produkten führen könnten, die qualitativ und unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsstandards als minderwertig einzustufen sind. Die Zölle dienten somit der Sicherstellung eines fairen Wettbewerbs. Die große Spanne der anzuwendenden Aufschläge berücksichtigt, dass manche chinesische Hersteller durch Mitteilung ihrer Preispraktiken konstruktiv an dem Verfahren teilgenommen hatten, während andere dies nicht getan hatten. Erstere werden mit dem niedrigeren Satz von 30,6 Prozent belastet, die anderen mit 69,7 Prozent.

Europa: Fliesenindustrien sichern Beschäftigung
Die europäischen Keramikindustrien mit Produktionsstätten in 25 Mitgliedsstaaten erwirtschaften einen Jahresumsatz von 13,6 Milliarden Euro, so die Confindustria Ceramica in ihrer Pressemitteilung. Die Branche setzt sich zu 80 Prozent aus kleineren bis mittleren Unternehmen mit 55.000 direkt beschäftigten Mitarbeitern zusammen, die auf den regionalen und lokalen Arbeitsmärkten eine Schlüsselrolle erfüllen. Die europäischen Fliesenindustrien seien weltweit für die Qualität ihrer Produkte, ihre fortgeschrittenen Fertigungstechnologien sowie ihre Innovation und ihr Design bekannt und geschätzt.
„Für die italienische Fliesenindustrie, die 85 Prozent ihrer Jahresproduktion in die ganze Welt exportiert, ist der Respekt der Wettbewerbsregeln in den Märkten ein grundlegender Faktor zur Sicherung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit“, so der Chef der Kommission für Handelsbeziehungen der Confindustria Ceramica Filippo Manuzzi.