Neue Unterweisungspläne, die gestreckte Gesellenprüfung und die Herausforderungen der praktischen Umsetzung standen im Mittelpunkt der vierten Auflage von „Fachverband trifft Ausbilder“ des FFN in Iserlohn. Neben fachlichen Informationen bot das Treffen vor allem die Möglichkeit für Fragen, Anregungen und den Erfahrungsaustausch.
Wie lassen sich die neuen Ausbildungsinhalte in den überbetrieblichen Bildungsstätten umsetzen? Welche Veränderungen bringt die gestreckte Gesellenprüfung mit sich? Und wie kann sichergestellt werden, dass Auszubildende auch künftig ausreichend im Umgang mit Maschinen geschult werden? Diese und viele weitere Fragen beschäftigten die rund dreißig Teilnehmer der vierten Auflage von „Fachverband trifft Ausbilder“. Auf Einladung des Fachverbandes Fliesen und Naturstein im Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) kamen Ausbilder und Vertreter überbetrieblicher Ausbildungsstätten aus ganz Deutschland in der Schlüter-WorkBox in Iserlohn zusammen.
Neue Unterweisungspläne für das zweite Ausbildungsjahr
Henrike Sachse vom Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik (HPI) informierte über den aktuellen Stand der Neuordnung der überbetrieblichen Ausbildung. Nachdem die Unterweisungspläne für das erste Ausbildungsjahr bereits veröffentlicht wurden, sind auch die Inhalte für das zweite Ausbildungsjahr weitgehend ausgearbeitet. „Wir arbeiten jetzt mit Hochdruck am zweiten Ausbildungsjahr und haben die Inhalte auch für die Fliesenleger bereits fertiggestellt“, berichtete Sachse. Für das zweite Ausbildungsjahr sind insgesamt elf verpflichtende Ausbildungswochen vorgesehen. Die Lehrgänge umfassen unter anderem Trockenbau, Abdichtungen, Estricharbeiten, die Herstellung von Gefälleflächen sowie unterschiedliche Wand-, Boden- und Außenbeläge. Ergänzend können Auszubildende bis zu zwei Wahlwochen absolvieren, über deren Teilnahme die jeweiligen Ausbildungsbetriebe entscheiden. Diese bieten die Möglichkeit, spezielle Verlegetechniken, Materialien und anspruchsvolle Konstruktionen vertiefend zu behandeln. Sachse erläuterte anhand der einzelnen Lehrgangspläne, wie die Vorgaben der Ausbildungsordnung in konkrete praktische Übungen übertragen wurden. Dabei wurde darauf geachtet, den Bildungsstätten Gestaltungsspielräume einzuräumen. So können beispielsweise Materialien, Verlegeverfahren und Übungsaufgaben entsprechend den regionalen Anforderungen und den Bedürfnissen der Ausbildungsbetriebe ausgewählt werden. Entscheidend sei, dass die verbindlichen Lernziele erreicht werden.

Maschinenlehrgänge sorgen für Diskussionen
Besonders intensiv diskutierten die Teilnehmer über die zukünftige Gestaltung der Maschinenlehrgänge. Mehrere Ausbilder äußerten Bedenken, dass die freiwillige Teilnahme an entsprechenden Kursen nicht ausreiche, um allen Auszubildenden eine fundierte und sichere Maschinenbedienung zu vermitteln. Als mögliche Lösungen wurden die stärkere Einbindung von Maschinenunterweisungen in bestehende Pflichtlehrgänge sowie die Entwicklung zusätzlicher berufsspezifischer Wahlangebote angesprochen. Auch die mögliche finanzielle Förderung durch die Berufsgenossenschaft und die damit verbundenen Anforderungen an die Teilnehmerzahlen waren Gegenstand der Diskussion. Sachse zeigte sich offen für Anregungen aus der Praxis. Bei entsprechendem Bedarf sei es durchaus möglich, weitere Maschinenlehrgänge zu entwickeln. Gleichzeitig verwies sie auf die Grenzen, die durch die geltende Ausbildungsordnung vorgegeben sind. Die Vorschläge sollen deshalb in den zuständigen Arbeitskreisen weiter beraten werden.
Gestreckte Gesellenprüfung bringt grundlegende Veränderungen
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Neuordnung der Gesellenprüfung. Olaf Scholz von der Landesinnung Brandenburg, er ist zugleich stellvertretender Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses im Fachverband Fliesen und Naturstein, stellte die neue Prüfungsstruktur vor und erläuterte die Auswirkungen auf Auszubildende, Ausbildungsbetriebe und Prüfungsausschüsse. Ein wesentliches Ziel sei es, bundesweit vergleichbare Prüfungsbedingungen und ein einheitlich hohes Qualitätsniveau sicherzustellen. „Wir wollen eine einheitliche Prüfung haben“, betonte Scholz. Damit solle gewährleistet werden, dass die fachlichen Kompetenzen der angehenden Gesellen unabhängig vom Ausbildungsort nach vergleichbaren Maßstäben bewertet werden. Eine grundlegende Veränderung ist die Einführung der gestreckten Gesellenprüfung. An die Stelle der bisherigen Zwischenprüfung tritt ein erster bewerteter Prüfungsteil im vierten Ausbildungshalbjahr. Dieser fließt mit vierzig Prozent in das Gesamtergebnis ein. Der zweite Prüfungsteil findet am Ende der dreijährigen Ausbildung statt und wird mit sechzig Prozent gewichtet.
Situatives Fachgespräch als neue Prüfungsanforderung
Neu ist außerdem das sogenannte situative Fachgespräch während der praktischen Prüfung. Dabei müssen die Prüflinge ihre Vorgehensweise erläutern und fachliche Entscheidungen begründen. „Das situative Fachgespräch kann aus mehreren Gesprächsphasen bestehen“, erklärte Scholz. Insgesamt darf es höchstens zehn Minuten dauern und ist Bestandteil der praktischen Prüfungsaufgabe. Auch bei der Entwicklung der Prüfungsaufgaben ergeben sich neue Herausforderungen. Bereits im ersten Prüfungsteil abgeprüfte Inhalte dürfen im zweiten Teil nicht nochmals in gleicher Weise Gegenstand der Prüfung sein. „Was in Teil 1 geprüft wird, darf in Teil 2 nicht nochmal geprüft werden“, verdeutlichte Scholz. Die Aufgaben müssen deshalb künftig stärker aufeinander abgestimmt werden und unterschiedliche berufliche Kompetenzen berücksichtigen.
Bundeseinheitliche Prüfungsaufgaben in Vorbereitung
Scholz berichtete zudem über die laufende Erarbeitung bundeseinheitlicher Prüfungsaufgaben. Neben den praktischen Arbeiten müssen die schriftlichen Prüfungen an die neue Ausbildungsordnung und die entsprechenden Lernfelder angepasst werden. Dabei spielen nicht zuletzt die zeitlichen Vorgaben eine wichtige Rolle. „Es muss schon realistisch machbar sein“, betonte Scholz mit Blick auf die Anforderungen an die Prüfungsaufgaben. Die Ausführungen führten zu zahlreichen Nachfragen und einer lebhaften Diskussion über Prüfungszeiten, Bewertungsmaßstäbe und organisatorische Herausforderungen. Dabei wurde deutlich, wie wichtig die frühzeitige Abstimmung zwischen Prüfungsausschüssen, Berufsschulen und überbetrieblichen Ausbildungsstätten für die erfolgreiche Umsetzung der neuen Prüfungsstruktur ist.
Direkter Austausch mit den Ausbildern unverzichtbar
Neben den fachlichen Vorträgen bot „Fachverband trifft Ausbilder“ vor allem Gelegenheit für den direkten Erfahrungsaustausch. Die Teilnehmer konnten Fragen aus ihrem Ausbildungsalltag einbringen, praktische Herausforderungen ansprechen und Anregungen für die weitere Ausgestaltung der Lehrgangs- und Prüfungsinhalte formulieren. Andreas Beyer, Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses im Fachverband Fliesen und Naturstein, unterstrich die Bedeutung dieses Dialogs: „Der direkte Austausch zwischen Institut, Fachverband und Ausbildungsstätten ist für den Erfolg der Neuordnung unerlässlich. Denn nur wenn wir die Erfahrungen und Anregungen aus der Ausbildungspraxis aufnehmen, können wir gemeinsam eine hohe Ausbildungsqualität sicherstellen.“
Fortsetzung der Veranstaltungsreihe im kommenden Jahr
Die Veranstaltungsreihe soll deshalb fortgesetzt werden. „Dieser Austausch ist uns wichtig. Deshalb wollen wir auch im kommenden Jahr wieder zu ‚Fachverband trifft Ausbilder‘ einladen“, kündigte Beyer an. Mit ihrer vierten Auflage hat sich die Veranstaltung als Kommunikationsforum für den bundesweiten Dialog über die Fliesenlegerausbildung etabliert. Die Neuordnung der Ausbildungsinhalte und der Gesellenprüfung wird die Ausbildungsstätten auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Umso wichtiger bleibt der kontinuierliche Austausch zwischen allen Beteiligten, damit die neuen Anforderungen nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Ausbildungspraxis erfolgreich umgesetzt werden.