Balkendiagramm zu den Top-Themen der Branchen Quelle: DGUV
Obwohl der Fachkräftemangel ein Top-Thema der Baubranche ist, hat er laut der Untersuchung keinen Einfluss auf die Sicherheit der Beschäftigten. Quelle: DGUV

Betrieb

13. October 2021 | Teilen auf:

Fachkräftemangel: Risiko für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

Der Fachkräftemangel ist nicht nur für die Wirtschaft ein Problem, sondern auch für den Arbeitsschutz. Das zeigt eine Befragung von mehr als 800 Fachleuten für Prävention, die das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) für sein Risikoobservatorium ausgewertet hat.

Das Fehlen von qualifiziertem Personal ist demnach in 33 von 42 untersuchten Branchen absehbar ein Risiko für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Herausforderungen, die ebenfalls eine Vielzahl von Wirtschaftszweigen betreffen, sind der demografische Wandel, die Arbeitsverdichtung, Muskel-Skelett-Belastungen und interkulturelle Anforderungen.

„Wenn Belegschaften schrumpfen, erhöht das in der Regel den Druck auf die, die bleiben. Stress ist eine mögliche Folge", sagt der Direktor des IFA, Professor Dr. Dietmar Reinert. Um dem zu begegnen, fänden sich in der Arbeitswelt immer mehr Fachfremde oder gar Ungelernte. „Beides – Stress und mangelndes Fachwissen – lässt die Wahrscheinlichkeit für Fehler  und damit für Arbeitsunfälle  steigen." Mehr und passgenaue Qualifikationsangebote durch die Unfallversicherung könnten ein wichtiger Beitrag zur Lösung des Problems sein.

Lärm oder Gefahrstoffe sind nicht mehr die größten Herausforderungen

In der Gesamtschau zeigt sich allerdings auch: Risiken für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit haben zunehmend ihre Ursache in Entwicklungen wie der Alterung der Gesellschaft, Migration und Digitalisierung. Klassische Arbeitsschutzthemen wie Lärm oder Gefahrstoffe spielen zwar weiterhin eine Rolle – über alle Branchen hinweg dominieren jedoch klar Herausforderungen, die Folge von gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen sind. Dietmar Reinert sagt dazu: „Die klassischen Instrumente des Arbeitsschutzes reichen nicht aus, um diesen Herausforderungen zu begegnen.“

Fachkräftemangel hat im Hochbau keinen Einfluss auf Arbeitssicherheit

Für den Hochbau liegen laut der Untersuchung die interkulturellen Anforderungen, die Arbeitsverdichtung und mehr Verantwortung sowie die Beanspruchung des Muskel-Skelett-Systems auf den ersten drei Plätzen der Themen, die Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten beeinflussen. Der Fachkräftemangel erscheint für die Baubranche nicht unter den Top 10, belegt aber in Bereichen wie Pflege und KiTa einen der ersten Plätze in Hinblick auf die Auswirkungen auf den Arbeitsschutz. Zusätzlichen nimmt rund die Hälfte aller von Termin- und Zeitdruck Betroffenen in der Baubranche diesen als psychisch belastend wahr.

Risikoobservatorium: Wie sich technische und soziale Entwicklungen auswirken

Das Risikoobservatorium der gesetzlichen Unfallversicherung untersucht, wie sich technologische und soziale Entwicklungen auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit auswirken. Dabei werden gezielt Entwicklungen in einzelnen Branchen analysiert. Das Risikoobservatorium stützt sich auf eine groß angelegte Befragung von Aufsichtspersonen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen.

Die aktuellen Ergebnisse des Risikoobservatoriums sind in der PDF-Broschüre Broschüre „Arbeitswelten. Menschenwelten – Prioritäten für den Arbeitsschutz von morgen“ verfügbar.

www.dguv.de