Bei Konglomeraten werden lang andauernde Prozesse, die sich in geologischen Zeiträumen abspielen, für den Betrachter sichtbar - vorausgesetzt, er kennt die Zusammenhänge. (Fotos: Abraxas / Hasede)
Wo es Gebirge gibt, da gibt es Erosion. So auch in den Alpen. Bereits nach der Faltung der Alpen hat, in erdgeschichtlichen Zeiträumen gedacht, ihr Abtrag begonnen. Hochgebirge sind extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt. Durch Frost-Tauwechsel kommt es zu hohen Beanspruchungen und Gefügelockerungen in den oberflächennahen Bereichen der Gesteinskomplexe.
Wasser gefriert in den natürlichen Klüften des Gesteins. Dies führt durch den Kristallisationsdruck des Eises (Wasser dehnt sich beim Gefrieren um neun Prozent) zu einer Aufweitung bestehender feiner Risse im Gestein, bis es letztendlich zum Abbröckeln einzelner Gesteinspartien kommt, die sich als Geröll vom festen Gesteinskomplex lösen. Dies ist die Geburtsstunde der Konglomerate.
Von weit her
Der Schwerkraft folgend, lagern sich die Gerölle in unmittelbarer Nähe ihres Entstehungsortes ab, bis Sie schließlich durch die Kraft reißender Gebirgsbäche an andere Orte transportiert werden. Bei diesem Transport kommt es zu einer Abrundung der anfangs noch recht eckigen Gesteinsfragmente. Die Bruchkanten werden durch den Wassertransport angeschliffen und geglättet. Lässt die Kraft der Gebirgsbäche nach, so folgen die jetzt abgerundeten Bruchstücke wieder der Schwerkraft. Sie lagern sich ab.
Je nach Bildungsbedingung kann es dabei zu unterschiedlichen Kornselektionen kommen. So wird beispielsweise das Ternitzer Konglomerat in Selektion als Mittel- und Grobkorn angeboten. Es ist auch denkbar, dass an der Bildungsstätte der neuen Konglomerate von mehreren Gebirgsbächen „Rohmaterial“ angeliefert wird.
Die abgelagerten Gesteinsfragmente können also aus verschiedenen Gesteinskomplexen stammen. Somit kann sich ein buntes Allerlei aus verschiedenfarbigen und unterschiedlich großen Gesteinsbruchstücken ergeben. Dies ist eine der Voraussetzungen zur Bildung eines Sedimentgesteins, das sich Konglomerat nennt.

Der Druck macht’s
Was nun noch zur erneuten Gesteinswerdung (Diagenese) fehlt, ist ein Bindemittel und ein auflastender Druck. Mit diesem Hintergrundwissen kann man an den einzelnen Natursteinplatten ganz deutlich ihre Entstehung nachvollziehen. Man erlebt die Erdgeschichte sozusagen im Zeitraffer. Wenn man diese Zusammenhänge kennt, dann kann man auch nachvollziehen, warum diese Steine aus dem Alpenvorland von Natur aus offene Gesteinsporen unterschiedlicher Größe aufweisen.
Dies ist kein Mangel. Das Gefüge ist auf den geringen auflastenden Druck während der Gesteinsentstehung zurückzuführen. Beim Einsatz als Bodenbelag oder Treppe können die größeren Poren mit einem eingefärbten, zementären Mörtel werkseitig geschlossen werden. Ansonsten sollte man die Gesteinsporen, ähnlich wie beim Travertin, offen lassen, da sie dem natürlichen Charakter dieser Gesteinsfamilie entsprechen.