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Das Forstamt in Bad Goisern ist mit historischen Kalksteinen gestaltet. (Foto: Unika Natursteinwerke / Lengau / Österreich)

Naturstein 2013-01-07T00:00:00Z Exklusiv: Historische Steine unter technischen Gesichtspunkten

Gesteine, die an historischen Gebäuden verbaut wurden, zeigen eindrucksvoll ihre Visitenkarten. Hier nagt der Zahn der Zeit, hier lässt sich nichts vertuschen. Historische Referenzobjekte bieten Einblicke, die weit über Prüfungen nach EN-Normen hinausgehen. (Foto: Unika Natursteinwerke / Lengau / Österreich)

Naturstein hat eine lange Tradition in der europäischen Baukultur. Immer dann, wenn andere Baustoffe versagten, musste Naturstein ran. Seien es die Sockelzonen von Fachwerkhäusern, die Radabweiser an Toreinfahrten oder die Brandschutzmauern zwischen Gebäuden.

Durch die Globalisierung gelangten Natursteine aus aller Welt auf den europäischen Markt. Die Hauptauswahlkriterien vieler Händler waren das Dekor und natürlich der Preis. Doch es ist auch wichtig, die gebrauchstechnischen Eigenschaften eines Steins zu kennen. Allein die Farbe sagt noch nichts über die Gebrauchsfähigkeit aus.

Keine falschen Rückschlüsse ziehen

Nimmt man beispielsweise einen roten Sandstein, so kann aus der Farbe keinerlei Rückschlüsse auf sein Verwitterungsverhalten gezogen werden. Hier ist es wichtig, dass man die Bindung des Steins kennt. So verhalten sich beispielsweise quarzitisch oder tonig gebundene Sandsteine vollkommen unterschiedlich, selbst wenn sie optisch zum Verwechseln ähnlich aussehen.

Man sollte auch nicht zu Normengläubig sein. Selbst wenn Natursteine über eine Prüfung gemäß EN-Normen verfügen, so sagt dies nur etwas über das Verhalten einiger entnommener Prüflinge nach vorgegebenen Verschleißzyklen aus. Es liegt in der Natur der Sache, dass derartige Prüfungen zeitlich und mengenmäßig begrenzt sein müssen und das Verhalten des Werkstoffs unter Laborbedingungen kein reales, baukonstruktives Umfeld wiedergibt. Bei Natursteinen, die an historischen Gebäuden verbaut wurden verhält sich dies völlig anders. Hier wurden die Steine oft über Jahrhunderte mechanischen und chemischen Angriffen ausgesetzt und man kann die Abnutzungen, Gefügeschwächungen oder Alterationen des Mineralbestandes klar an den jeweiligen Bauteilen erkennen.

Globalisierter Natursteinhandel

Auch Zusagen von Lieferanten in weit entfernten Ursprungsländern entsprechend der Materialeigenschaften sollte man mit Vorsicht genießen. Man braucht den jeweiligen Personen dabei keine bösen Absichten zu unterstellen. Es liegt einfach in der Natur der Sache, dass andere klimatische Bedingungen und auch andere Konstruktionsweisen bei der Gebäudeerstellung zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. So kann beispielsweise ein Stein, der in einem ariden Wüstengebiet an einer religiösen Kultstätte jahrhunderte überdauerte an einem Gebäude im humiden, mitteleuropäischen Raum ein vollständig anderes Verhalten an den Tag legen.

Leider sind viele historische Steinbrüche in Deutschland geschlossen, da hohe Umweltauflagen, hohe Lohnkosten und Verpflichtung zur späteren Renaturierung einem globalen Wettbewerb ohne gemeinsame Spielregeln nicht standhalten. Es wäre wünschenswert, wenn die Nachfrage nach diesen historischen Steinen über rein denkmalpflegerische Belange hinausginge, um einen weiteren Fortbestand der noch existierenden Brüche zu gewährleisten. In Österreich hat ein Anbieter eine Produktlinie "Die Steine der Donaumonarchie" ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei um Natursteine, die gleichermaßen im Innen- wie im Außenbereich eingesetzt werden können und über eine Vielzahl historischer Referenzobjekte verfügen. Sicherlich ein Weg in die richtige Richtung.

Datenbank Naturstein

zuletzt editiert am 11. März 2021
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