Wer bei Natursteinen hohe Anforderungen an das Dekor stellt, muss Maßnahmen ergreifen, die über das Handelsübliche hinausgehen. Der Käufer muss Zeit für Besprechungen und Geld für eine besondere Auswahl investieren. Dafür wird er jedoch durch eine individuelle Gestaltung belohnt, die ihm ein Leben lang erhalten bleibt. (Foto: Abraxas Stone Experts)
Selbst wenn ein professioneller Verarbeiter einen Natursteinrohblock aussucht, so weiß er nicht mit Bestimmtheit, wie das Dekor dieses Blocks in seinem Inneren aussieht. Eine Möglichkeit ist, den Rohblock mit einer Sprühflasche zu besprühen. Dies hat zwei Vorteile. Zum einen wird der Verlauf von Aderungen und Texturen besser erkennbar. Zum anderen werden beim Rücktrocknen des Wasserfilms so genannte „Stiche“ sichtbar. Hierbei handelt es sich um natürlich entstandene Risse im Gestein, die im Laufe der Jahrmillionen durch Bewegungen der Erdkruste entstanden sind. Diese Risse geben die maximal herstellbaren Größen für einzelne Werkstücke vor.
Das eigentliche Dekor eines Steins wird erst dann erkennbar, wenn aus dem Rohblock so genannte Unmaßtafeln gefertigt werden. Wer bei der Gesteinsauswahl großen Wert auf die Gleichheit zwischen der Bemusterung mit der gelieferten Ware legt, der sollte in jedem Fall die Auswahl der Steine an den Unmaßtafeln treffen, aus denen die Werkstücke geschnitten werden.
Die Bemusterung und Selektion von Naturstein kann je nach Anforderung der Bauherren in folgenden verschiedenen Qualitätsstufen durchgeführt werden:
Optimal
Der verarbeitende Betrieb sucht die Platten, aus denen die Arbeiten geschnitten werden zusammen mit dem Bauherren an den jeweiligen Rohtafeln aus. Alle Bauteile, auch Boden- und Sockelleisten, werden vom Anbieter vor Ort aus Rohtafeln individuell gefertigt. Dies ist im Vergleich zu industriell vorgefertigter Ware teurer, der Kunde erhält jedoch in Bezug auf Farb- und Texturkonstanz die besten Ergebnisse.
Gut
Großformatige Bauteile wie Treppenstufen, Abdeckplatten und Fensterbänke werden vor Ort aus Rohtafeln gefertigt. Beim Boden und beim Sockel handelt es sich um industriell gefertigte Standardware. Sowohl Unmaßtafeln als auch industrielle Standardwaren sind im Lager des Verarbeiters vorhanden. Sie haben vor Ausführung der Arbeit die Möglichkeit, die Farb- und Texturunterschiede zwischen Boden, Sockel und großformatigen Platten zu überprüfen. Bodenplatten und Sockelleisten werden vor die Rohplatte gehalten, um zu sehen, wie groß die Abweichungen sind.
Eine derartige Art der Ausführung ist günstiger als Arbeiten, die vom Verarbeiter vor Ort aus Rohtafeln geschnitten werden. Man muss jedoch Abstriche bezüglich der Farbkonstanz in Kauf nehmen. Sollte der Kunde beim Zusammenlegen feststellen, dass zwar Boden und Rohtafeln ganz gut zueinander passen, die Sockelleisten aber größere Abweichungen aufweisen, so kann er gegen einen geringen Aufpreis die Sockelleisten aus den Bodenplatten fertigen lassen.
Meist befriedigend
Der Anbieter kennt den Stein, hat diesen Stein im Moment aber nicht auf Lager. Der Stein ist jedoch in der Ausstellung als Musterbelag vorhanden. Außerdem kann der Lieferant anhand von Einzelmustern oder geeigneten Abbildungen übliche Abweichungen aufzeigen. Hier muss der Kunde sich gegebenenfalls auf größere Farb- und Texturabweichungen zu den vorliegenden Mustern einstellen, da der Abbau im Bruch zwischenzeitlich fortgeschritten ist. Für relativ homogene Gesteine wie Granite ist das meist befriedigend. Sehr hohe Erwartungen an Farb- und Texturkonstanz dürfen allerdings nicht gestellt werden.
Problematisch
Der Bauherr wünscht einen bestimmten Stein, den der Verarbeiter zwar kennt, mit dem er aber noch keine langjährigen Erfahrungen gesammelt hat. Über seinen Lieferanten hat der Anbieter ein Handmuster erhalten. Weitere Informationen liegen nicht oder nur sehr spärlich vor. Bei preiswerten Lösungen, bei denen kein hoher Wert auf das Dekor gelegt wird, funktioniert das. Es können jedoch Überraschungen beim Vergleich zwischen Handmuster und gelieferter Ware auftreten.
Sehr problematisch
Der Kunde hat einen Stein im Urlaub oder im Internet gesehen. Weder der Verarbeiter noch der Bauherr haben Kenntnisse über den Stein. Sie finden lediglich über den Handelsnamen einen Anbieter im jeweiligen Ursprungsland und die Bestellung erfolgt in fertigen Werkstücken „blind“ über die Preisliste. Hier ist die Gefahr von großen Farb- und Texturabweichungen sehr hoch. Außerdem sollten Sie bedenken, dass der Bruch eines Werkstücks einen sehr hohen Kosten- und gegebenenfalls Zeitaufwand für die Wiederbeschaffung mit sich bringt. Weiterhin wird es meist sehr schwierig, ein ähnliches Stück zu finden, da der Abbau zum Zeitpunkt der Nachlieferung meist fortgeschritten und Ware aus der ursprünglichen Lieferung abverkauft ist.
