Pressekonferenz bei Confindustria Ceramica
Elisabetta Gualmini (2. v. r.) wurde von Giovanni Savorani (2. v. li.) und Armando Cafiero (re.) den Journalisten vorgestellt. (Quelle: Confindustria Ceramica)

Industrie

14. February 2022 | Teilen auf:

Europaparlamentarierin erläutert Klimapläne bei Confindustria Ceramica

Die Europarlamentarierin und neugewählte Vorsitzende des „European Parliament Ceramics Forum“ (EPCF)  Elisabetta Gualmini besuchte am 2. Februar 2022 den Sitz der Confindustria Ceramica in Sassuolo. Im Rahmen einer Pressekonferenz erläuterte Gualmini die anstehenden Klimainitiativen der Europäischen Union und deren Bedeutung für die kontinentale Fliesenindustrie.

Das „European Parliament Ceramics Forum“ ist eine parteiübergreifende Plattform aus Mitgliedern des Europäischen Parlaments. Aufgabe und Ziel des Forums ist der Dialog der europäischen Fliesenindustrien mit den Institutionen der Europäischen Union. Während der einmal im Jahr stattfindenden „Ceramic Days“ treffen sich Parlamentarier, die Verbände der Fliesenindustrien und die Gewerkschaften zu einem Meinungsaustausch, an dem auch die Europäische Kommission teilnimmt. Die „Ceramic Days“ werden vom Verband der Europäischen Keramikindustrie ausgerichtet.

„Fit for 55“: die Keramik und das Klima

Durch die seit gut einem Jahr anhaltenden Preiserhöhungen für Energie und Methangas sowie die anstehenden Umsetzungen der europäischen Klimaziele erlangte der Besuch von Elisabetta Gualmini eine besondere Aktualität. Die Parlamentarierin beschrieb die Auswirkungen der Maßnahmen „Fit for 55“, durch die die europäischen Klimaziele für das Jahr 2030 erreicht werden sollen. Diese sehen unter anderem vor, bis 2030 die Nettoemissionen verpflichtend um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 zu verringern. Dies soll nach den Vorstellungen der Kommission auch über eine Ausweitung des Emissionshandels auf die Luftfahrtbranche und  ab 2026  auf den Straßenverkehr sowie den Gebäudesektor möglich werden. Für eine Anwendung in den beiden letztgenannten Bereichen wäre ein „separates System“ notwendig – so das 19-seitige Kommissionspapier –, das auf die „vorgelagerten Brennstoffanbieter“ und „Erzeuger“ Anwendung fände und nicht „einzelne Haushalte oder Verkehrsnutzer zu einer direkten Teilnahme“ verpflichte. Für verschiedene energieintensive Industriezweige, so auch die Fliesenindustrie, befürwortet die Kommission sogar eine Reduzierung der Emissionen von 61 Prozent gegenüber dem Stand 2005. 

Die Kommission und das Klima: „Finanzmittel in beispielloser Höhe“

Bei „Fit for 55“ handelt es sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt um ein Paket von Vorschlägen vom 14. Juli 2021, die die Europäische Kommission unter anderem an das Europäische Parlament, den Europäischen Rat und Ausschuss der Regionen übermittelt hat. Konzeptionelle Grundlage für das Kommissionspapier ist der europäische „Grüne Deal“ für den ökologischen Umbau von Wirtschaft, Gesellschaft und Mobilität. In der Anlaufphase und zur Unterstützung des Übergangs kündigt die Kommission „Finanzmittel in beispielloser Höhe“ an, die zum Teil aus dem EU-Aufbauplan „NextGenerationEU“ kommen werden.

Kompensationen gefordert

Elisabetta Gualmini, seit Anfang Februar Vorsitzende des EPCF, wurde im Rahmen der Pressekonferenz vom Präsidenten der Confindustria Ceramica, Giovanni Savorani, und dem Generaldirektor Armando Cafiero vorgestellt. Die Befürchtungen der italienischen Verbandsspitzen scheinen dahin zu gehen, dass die Unternehmen in einer andauernden Situation „unhaltbarer“ Energiepreise Investitionen und Technologiesprünge leisten müssen, ohne Zugang zu den Kompensationsmechanismen der EU-Klimapolitik haben zu können. Gualmini erläuterte, dass das Europäische Parlament in diesen Monaten an mehreren Themen arbeite, die für die italienische und die kontinentale Fliesenindustrie von besonderer Bedeutung seien. Um die Investitionen für den ökologischen Umbau und die Dekarbonarisierung bereitstellen zu könne, müsse die Keramikindustrie an den bestehenden Kompensationen, wie etwa die Rückerstattung der indirekten Kosten des Emissionshandels, teilhaben können. Andernfalls würde das „grüne Paket“ der EU-Kommission tausende Unternehmen und ihre Mitarbeiter „bestrafen“.

zuletzt editiert am 10.02.2022