Kurz vor dem Beginn der Bologneser Cersaie kehrte der Präsident der Confindustria Ceramica in einer Pressemitteilung zu den Themen Energiepreise und Liefersicherheit zurück.
„Die Energiekosten sind außer Kontrolle und bedrohen den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Fliesenhersteller auf den internationalen Märkten“, so Augusto Ciarrocchi. „Mit Gaspreisen von dauerhaft mehr als 70 Euro/kWh besteht das Risiko, dass die Herstellung von Keramikfliesen in Italien unhaltbar wird.“ Nach der Schließung der Straße von Hormus habe sich der Energiepreis für die italienischen Fliesenhersteller und der gesamten italienischen Fertigungsindustrien ungefähr verdoppelt, während ausländische Produzenten mit großen, eigenen Gasvorkommen von den niedrigeren Kosten profitierten.
Streit um Quoten und Benchmarks
Die durch geopolitische Ereignisse ausgelösten Preissteigerungen treffen die Branche in einem Moment, in dem die Anpassungen der sogenannten „Benchmarks“ für den CO2-Ausstoß durch die Europäische Kommission möglicherweise den Ankauf der Emissionsrechte durch die Industrie weiter verteuern. Die „Benchmarks“ legen fest, wie viel Emissionen die Industrie pro Produkteinheit ausstoßen darf. Die europäischen Fliesenindustrien beklagen schon seit Monaten, dass die von der EU-Kommission vorgeschriebenen Normen einen Ausstoß vorschreiben, der technisch nicht zu erreichen ist. Bei höheren als den erlaubten Emissionen verringert die EU die Ausgabe von kostenlosen Emissionsrechten, die dann von den Unternehmen käuflich erworben werden müssen, was die Betriebskosten wiederum nach oben treibt und zu Produktionsverlagerungen ins Ausland führen könnte, so der Verband. „Die Quote der kostenlosen Emissionsrechte muss die technische Realität der keramischen Fertigungsprozesse abbilden und verhindern, dass sich die Dekarbonisierung in eine Auswanderung der industriellen Fertigung übersetzt“, so Ciarrocchi in der Pressemitteilung vom 8. September 2026.
Risiken bei Mengen und Preisen
Der Präsident äußert sich angesichts der derzeitigen, geringeren Füllhöhe der europäischen Gasspeicher auch zu dem Thema Lieferfähigkeit: „Über die allgemeine geopolitischen Lage und die Unsicherheit der Märkte hinaus kommt die niedrige Gas-Bevorratung in Europa hinzu, die sich heute auf 65 Prozent beläuft und damit wesentlich geringer ausfällt als in den vergangenen Jahren“. Zu beachten sei auch das Einfuhrverbot von russischem Flüssiggas (LPG) ab dem 1. Januar 2027, das im 20. Sanktionspaket der Europäischen Kommission beschlossen wurde. Die hiervon betroffene Menge entspricht geschätzten fünf bis acht Prozent des europäischen Bedarfs. „Das könnte bedeuten, dass wir in den kommenden Monaten mit noch größeren Risiken sowohl bei der Verfügbarkeit von Gas als auch an der Preisfront zu tun haben.“
Der Verband schließt seine Stellungnahme mit einem Ruf nach außerordentlichen Maßnahmen, die verhindern, dass sich die Industrien und die Privatverbraucher einer ähnlichen Krise wie nach dem Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine ab Mitte 2022 ausgesetzt sehen.
Energie und Preise werden auf dem Eröffnungskongress der kommenden Cersaie vom 21. bis zum 25. September 2026 das zentrale Thema sein.
