Ein bemerkenswertes Stück Industriegeschichte gibt es derzeit in Sinzig am Rhein zu bewundern: Die Ausstellung "heiß gebrannt und unverwüstlich - 140 Jahre Fliesen aus Sinzig" zeigt die Geschichte eines der ältesten Produktionsstandorte der Deutschen Fliesenindustrie. Heute stellt die Deutsche Steinzeug dort jene Keramikfliesen her, die sie unter dem Markennamen Agrob Buchtal vertreibt. (Foto: Archiv Deutsche Steinzeug)
Zu sehen ist die Ausstellung zur Geschichte der Fliesenproduktion in Sinzig nun im Heimatmuseum, das im örtlichen Schloss untergebracht und während der Öffnungszeiten für die Allgemeinheit zugänglich ist. Zuvor war die Schau bereits zu Gast im Sinziger Werk der Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer (DSCB) AG, zu der die Fabrik heute gehört.
Das Werk Sinzig heute
Als der Teil der DSCB AG, die als Obergesellschaft fungiert, fertigt das Werk Sinzig heute hochwertige Keramikfliesen aus (Fein)Steinzeug, die unter dem Markennamen Agrob Buchtal vertrieben werden. Diese Marke entstand durch den Zusammenschluss der beiden früheren Einzelunternehmen Agrob und Buchtal, die Anfang der 1990er Jahre fusionierten.
Produktschwerpunkte sind Keramikfliesen für Fassaden und Schwimmbäder, modular kombinierbare Farb- und Formatsysteme, trittsichere funktionale Fliesen für Industrie und Gewerbe sowie repräsentative Lösungen sowohl für öffentliche als auch für private Anwendungsgebiete. Sinzig deckt dabei vor allem die beiden letztgenannten Sektoren ab.
Katalog zur Ausstellung
Beim Umzug der Ausstellung in das Sinziger Schloss ist nun erstmals auch die Publikation, die die Ausstellung begleitet, präsentiert worden: Auf rund 100 Seiten dokumentiert das Druckwerk die reichhaltige und wechselhafte Geschichte der Sinziger "Plaatefabrik", wie sie im Volksmund liebevoll genannt wird.

Ähnlich innig beschreibt einer der Beiträge die Verwendung Sinziger Fliesen in der Klosterkirche der Benediktinerabtei in Engelberg/Schweiz. Dabei wird angemerkt, dass die entsprechenden Erzeugnisse "auf der Zollstation als Luxusartikel taxiert wurden" - ein früher Beweis dafür, dass sich Sinziger Fliesen schon damals hoher Wertschätzung erfreuten.
Initialzündung erfolgte 2007
Auslöser für die Sonderschau war die Haushaltsauflösung eines ehemaligen Mitarbeiters. Dabei kamen alte Fliesen, Werkzeuge und Kataloge zu Tage, die 2007 vom Schloss-Museum erworben wurden. Die Schau spiegelt das intensive Engagement des anschließend gebildeten Arbeitskreises Keramik wider, den Museumsleiterin Agnes Menacher mit Kunsthistorikern, Ethnologen, Mitgliedern des Vereins zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseum sowie ehemaligen Mitarbeitern der Fabrik zusammenstellte.
Dank intensiver Recherche und Akribie wurden die Preziosen der Vergangenheit rekonstruiert und gesammelt. Dabei ging es nicht nur um die Produkte, sondern auch um die Menschen, die diese hergestellt haben: 37 Zeitzeugen wurden interviewt und die Ergebnisse in einem Film festgehalten, der auf Wunsch vorgeführt wird.
Die Ausstellung ist noch bis zum 15. April 2012 im Heimatmuseum Schloss Sinzig zu sehen. Der broschierte Katalog "Heiß gebrannt und unverwüstlich 140 Jahre Fliesen aus Sinzig", umfasst 100 Seiten mit vielen zum Teil farbigen Abbildungen und kostet 9,80 Euro.