Harald Lüdtke, Geschäftsführer Soudal Deutschland. Quelle: Soudal
„Wir sind mit einer besorgniserregenden Situation konfrontiert", sagt Harald Lüdtke, Geschäftsführer Soudal Deutschland. Quelle: Soudal

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14. October 2021 | Teilen auf:

Drastischer Engpass bei Silikon

Auf den internationalen Märkten ist der Rohstoff für die Herstellung von Silikonprodukten kaum noch erhältlich. Für Silikone sind daher Preisanstiege und Lieferausfälle zu erwarten, wie der Bauchemiehersteller Soudal mitteilt. Das Unternehmen empfiehlt, auf alternative Produkte auszuweichen, und rät von Hamsterkäufen ab.

Der aktuelle Mangel an Siliziummetall, dem wichtigsten Rohstoff für Silikonpolymer und Silikonöl, sei alarmierend. Die Anzahl an Force-Majeure-Meldungen zu Siliziummetall steigt. Mit diesen Meldungen zeigen Rohstoffproduzenten an, dass sie aufgrund höherer Gewalt nicht oder nur eingeschränkt liefern können. Sie sind auf den derzeit stark limitierten chinesischen Markt zurückzuführen (siehe Infokasten) – mit der Coronakrise hat der Engpass nichts zu tun. Das hat drastische Folgen für die Produktion und die Lieferfähigkeit von Silikonprodukten für bauchemische Anwendungen.

Gründe für den weltweiten Rohstoffmangel für Silikone

Verschiedene Ursachen führen zu der angespannten Situation für Silikone. Derzeit ist in China die Produktion von Siliziummetall, dem wichtigsten Rohstoff für Silikonpolymer und Silikonöl, stark eingeschränkt. Silizium ist als zweithäufigstes Element auf der Erde zwar ausreichend vorhanden, jedoch mangelt es derzeit an Energie für die Rohstoffgewinnung. Das liegt vor allem daran, dass die chinesische Regierung vielerorts die Energiezufuhr um bis zu 90 Prozent reduziert hat. Der Grund ist in den strengen Vorgaben der chinesischen Führung zur Emissionsreduzierung zu sehen. In der Folge müssen sich Hersteller von chemischen Grundstoffen auf höhere Gewalt berufen (Force-Majeure-Meldungen). Zusätzlich sind Lieferketten durch eingeschränkte See- und Landfrachtwege unterbrochen.

Bauchemiehersteller sind bisher lieferfähig

Die Bauchemiebranche kann aktuell die Nachfrage noch bedienen, bereitet sich aber auf Engpässe vor. Von Alferpro heißt es: „Selbstverständlich spüren auch wir, dass es auf dem Rohstoffmarkt zu Veränderungen gekommen ist. Wir haben allerdings frühzeitig auf die Ereignisse reagiert und können zum aktuellen Zeitpunkt sagen, dass wir in allen Bereichen lieferfähig sind.“

Soudal ist besorgt und will nötigenfalls Alternativen bieten: „Wir sind mit einer besorgniserregenden Situation konfrontiert, wie es sie auf dem Silikon-Markt bisher noch nie gab. Wir tun alles dafür, um lieferfähig zu bleiben und diese Krise mit verschiedenen Mitteln zu überbrücken. Dazu zählt neben dem Ausweichen auf Alternativen eine Preiserhöhung bei Silikonen. Sie ist leider unvermeidbar, da die Rohstoffpreise täglich drastisch steigen“, erklärt Harald Lüdtke, Geschäftsführer Soudal Deutschland.

­„In der aktuellen Silikonkrise kommt es darauf an, gemeinsam mit den Anwendern die richtige Alternativ-Technologie zu ermitteln und die entsprechenden Produkte verfügbar zu haben.“­­

Harald Lüdtke, Geschäftsführer Soudal Deutschland

Alternativen zu Silikon

Je nach Einsatzzweck könne ein hochwertiges Acryl oder ein Hybridpolymer wie Silikon ersetzen. Hybridpolymere kleben bauübliche Materialien auf nahezu allen Untergründen und können aufgrund ihrer Flexibilität auch zum Abdichten und Verfugen verwendet werden. Polyurethan kann ebenfalls eine Alternative für Silikon sein. Soudal arbeitet an weiteren Alternativ-Technologien, die unabhängiger von Rohstoff-Engpässen machen und sich zugleich als nachhaltig und zukunftsfähig erweisen sollen.

Angesichts der Rohstoffknappheit appelliert das Unternehmen, Silikon sparsam einzusetzen und – wo möglich – auf die angebotenen Alternativen auszuweichen. Soudal rät auch dringend von Hamsterkäufen ab.