Flach war gestern, heute sind die Fliesen und Profile dreidimensional und haptisch. Die Programme sind hochwertig, viele Keramik-Hersteller imitieren zudem Holzoptiken. Diese und weitere Trends der Cersaie 2011 können Sie im folgenden Bericht aus Bologna lesen und sich in unserer Bildergalerie selbst ansehen. (Foto: Burkhard Beintken (bb) / FLIESEN & PLATTEN)
Auf der Leitmesse wollen sie alle glänzen und tun das in Bologna im wahrsten Sinne des Wortes: Viele Hersteller präsentieren während der Cersaie 2011 Fliesen mit Oberflächen, die durch unterschiedlich geneigte Elemente für Licht- und Glanz-Effekte sorgen. Das reicht vom Mosaik im Format 1x1 Zentimeter bei Jasba über talergroße Pailletten bei Bärwolf bis hin zu den Großformaten diverser Hersteller. Stilistisch setzt der „New Barock“ (Neuer Barock) Akzente, Jasba bringt Colour-Blocking an die Wand und setzt so mit starken Kontrastfarben Akzente.

Glänzen wollen und können die Aussteller auch mit ihren Programmen: Was sie in den Bologneser Messehallen zeigen ist zum größten Teil äußerst hochwertig. Viele Produkte werden zudem mit Licht-Effekten, Anwendungsbeispielen und Accessoires kunstvoll in Szene gesetzt. Für Aufsehen sorgt dabei einmal mehr der italienische Platzhirsch Antolini, der wie schon während der Nürnberger Natursteinmesse „Stone + tec“ leicht bekleidete Damen mit Bodypainting im Design der gezeigten Naturstein-Platten vor den Ausstellungsstücken tanzen lässt.
Fliesen zum Anfassen

Während bei den Antolini-Models das bekannte Werbemotto „nur gucken, nicht anfassen“ gilt, laden an zahlreichen anderen Ständen dreidimensionale Fliesen zum Fühlen ein. In allen Formen und Formaten ragt die einst flache Keramik heutzutage ein paar Millimeter oder gar Zentimeter in den Raum. Ob ungeordnet in Anlehnung an zerknülltes Papier, klar strukturiert als geometrische Figuren oder in Form der bereits erwähnten glänzenden Pailletten: Dreidimensional gemusterte Oberflächen sind einer der großen Trends dieser Cersaie.

Ebenfalls starken Einfluss auf die Optik der Fliesen haben mittlerweile die schier unendlichen Möglichkeiten der digitalen Glasuer-Technik. Angesagt sind den Ausstellungen in Bologna nach zu urteilen zudem immer noch die Fliesen in Holzoptik, häufig im langen Dielenformat und oft selbst haptisch kaum noch vom Original zu unterscheiden, wäre da nicht der Temperaturunterschied zwischen Holz und Keramik.
Zielgruppe „50+“

Weiterhin und offenbar sogar noch verstärkt nehmen Keramikproduzenten wie Zulieferer die zahlungskräftige und stark wachsende Generation „50+“ in den Blick: Mit flachen Abläufen für bodengleiche Duschen in ansprechenden Designs oder rutschfesten Fliesen und Profilen mit schönen Oberflächen etwa. Proline präsentiert für seine Linienentwässerung „Prochannel“ zum Beispiel nicht nur neue Roste und Inlays aus Keramik oder Holz, sondern sogar die Möglichkeit, auf Anfrage eigene Fotos unter Glas laminieren zu lassen.

Die Deutsche Steinzeug versucht das Thema Trittsicherheit zu emotionalisieren, indem sie die verschiedenen Stufen der Rutschhemmung an eine Bergwanderung anlehnt und in der entsprechenden Ausstellungs-Koje ihrer Marke Agrob Buchtal mit entsprechenden Wanderschuhen symbolisiert.
Ebenfalls emotionalisieren will Blanke seine Belagsträgermatte „Permat“: Mit Internetvideos im Stile der „Sendung mit der Maus“ und den Protagonisten Klaus und Klara machen die Iserlohner Werbung für ihre bereits bekannte Entkopplungsmatte. Nach sechs reklamationsfreien Jahren im Markt könne man so selbstbewusst und überzeugt auf die Vorteile hinweisen, heißt es am Blanke-Stand.
Flacher Unterbau

Flacher und flacher wird es im Unterbau. So zeigt wedi mit „Fundo Plano“ beispielsweise ein flaches Komplettsystem für bodengleiche Duschen: Mitsamt dem integrierten Ablauf misst das Hartschaum-Bodenelement nur noch 65 Millimeter. Von knapp 100 Millimeter auf nun noch 80 Millimeter Aufbauhöhe hat Schlüter-Systems seine Linienentwässerung „Kerdi-Line“ verkleinert. Neu im Programm der Iserlohner ist dazu der rahmenlose Belagträger „Kerdi-Line-D“: Der ist besonders für Naturstein, aber auch für Fliesen geeignet und in acht Längen erhältlich.

Während die Fliesen in den Raum ragen, setzen die Software-Hersteller auf flache Bildschirme für die Tasche: Touchscreens wie iPad und Co. erobern den Markt und werden mehr und mehr als Möglichkeiten für hochwertige Präsentationen genutzt. So präsentiert Palette seine App „PaletteMove“, mit der die fertige Planung auf Apples Touchscreen sogar im Raum bewegt werden kann. Wenige Schritte weiter zeigt ViSoft fertige Panoramen auf dem Touchscreen. Auch Innova kann Bilder aus seiner Badplanungs-Software „inno+“ bereits auf die tragbaren Flachbildschirme bringen und will sie dort demnächst auch bewegen.
Mehr zur Cersaie 2011
Mehr zur Cersaie 2011 finden Sie auf den Internetseiten unserer Schwesterzeitschrift CARO sowie demnächst in den Printausgaben von CARO und FLIESEN & PLATTEN.