Dr. Boris Tasche (Quelle: IVK)
„Mit einer schnellen Rückkehr zur Normalität ist kurzfristig nicht zu rechnen“, sagt Dr. Boris Tasche, Vorstandsvorsitzender des IVK und Corporate Vice President im Unternehmensbereich Klebstoffe bei der Henkel AG & Co. KGaA (Quelle: IVK)

Aktuell

22. October 2021 | Teilen auf:

Deutsche Klebstoffindustrie: Wachstum trotz Rohstoffknappheit erwartet

Erholung und Wachstum trotz Coronakrise und Rohstoffengpässen: Die deutsche Klebstoffindustrie erwartet für 2021 ein Umsatzwachstum.

Das vergangene Jahr hatte die Branche mit rückläufigen Umsätzen abgeschlossen, wie der Industrieverbands Klebstoffe (IVK) berichtet. Die verschiedenen Schlüsselmarktsektoren waren dabei unterschiedlich stark betroffen. Zum Jahresende hin erholten sich die Märkte zwar deutlich, über alle Schlüsselmärkte betrachtet musste die deutsche Klebstoffindustrie 2020 jedoch einen Umsatzrückgang von 4,5 Prozent verzeichnen. „Unsere Branche ist – verglichen mit anderen Industriebereichen – im Corona-Jahr 2020 mit einem blauen Auge davongekommen“, so Dr. Boris Tasche, Vorstandsvorsitzender des IVK. „Wir sind zuversichtlich, dass uns die derzeit sehr positive Wirtschaftsentwicklung und die gute Auftragslage Rückenwind verleihen werden.“

Klebstoffproduktion 2020 in Zahlen

Allein mit Klebstoffen konnte die deutsche Klebstoffindustrie 2020 einen Inlandsumsatz von knapp zwei Milliarden Euro erzielen. Zusammen mit Dichtstoffen, zementären Bauklebstoffen und Klebebändern beläuft sich der Umsatz auf knapp vier Milliarden Euro. Darüber hinaus wird von Auslandsgesellschaften deutscher Klebstoffunternehmen ein Umsatzwert von neun Milliarden Euro erzielt. In Deutschland sind knapp 17.000 Beschäftigte für die Klebstoffindustrie tätig, weltweit circa 52.000.

Folgen der Engpässe halten an

Auf ihrem Wachstumspfad kämpft die Klebstoffindustrie seit dem Frühjahr mit erheblichen Herausforderungen auf der Beschaffungsseite. „Wir befinden uns inmitten einer historischen, nie da gewesenen Rohstoffsituation“, erklärt Dr. Christoph Riemer, Vorsitzender des Arbeitskreises Rohstoffe des IVK.

Wie die Engpässe entstehen

Aufgrund einer Verkettung verschiedener unvorhersehbarer Ereignisse sind die Lieferketten in eine schwere Überlastungssituation geraten. Das wird sich in den nächsten Monaten nicht fundamental verbessern, obwohl einige der Probleme mittlerweile gelöst sind:

  • Massive Produktionsausfälle durch Anlagestillstände Anfang 2021 durch langgeplante Wartungsarbeiten und „Force majeur“-Meldungen europäischer und US-amerikanischer Chemiehersteller.
  • Starker Wintereinbruch in Texas Mitte Februar: Ausfall eines großen Teils der dortigen Raffinerie-, Petrochemie- und Chemieproduktion.
  • Probleme in der Transportlogistik: Im März blockierte der Frachter „Ever Given“ den Suezkanal.
  • Verringerte Transportkapazitäten und erhöhte Frachtkosten durch weitere Staus und Sperrungen der großen Containerhäfen vor allem in China aufgrund von Corona-Ausbrüchen.
  • Hurricane Ida traf im August auf die Golfküste der USA: Ein Großteil der Öl- und Gasproduktion wurde als Vorsichtsmaßnahme kontrolliert heruntergefahren.
  • In Folge mussten große Häfen im Golf von Mexiko den Betrieb zeitweise einstellen.
  • Viele Unternehmen beanspruchten mit Vorratskäufen die verfügbaren Kapazitäten zusätzlich.

In Folge der Ereignisse sind auch die Lieferketten der deutschen Klebstoffindustrie bei guter Auftragslage in Mitleidenschaft gezogen. „Die Lieferkettenstrukturen sind grundsätzlich intakt. Mit einer schnellen Rückkehr zur Normalität ist aber kurzfristig nicht zu rechnen, da zum Beispiel auch Rohstoffkapazitäten in China wegen stärkerer Kontrolle von Energieaufwand und CO2-Erzeugung zeitweise reduziert werden und diese Reduktionen wiederum in den globalen Märkten fehlen“, erklärt Dr. Christoph Riemer.

Trotzdem bleibt die Klebstoffbranche zuversichtlich. „Das Positive ist: Die Märkte ziehen an und Klebstoffe sind gefragt. Unsere Branche bleibt in der zweiten Jahreshälfte 2021 durch die große Nachfrage unserer Kunden zuversichtlich“, so Dr. Vera Haye, Hauptgeschäftsführerin des IVK.

www.klebstoffe.com

zuletzt editiert am 27.10.2021