Bauverbände Entsorgungsnotstand
Die Umfrage zeigt: Der Entsorgungsaufwand ist um 70 Prozent gestiegen. (Bild: ZDB)

2015-07-08T00:00:00Z Deutsche Bauwirtschaft: Warnung vor Entsorgungsnotstand

Die Entsorgung mineralischer Bauabfälle wird immer teurer und bürokratischer – das ergab eine Umfrage unter Mitgliedsunternehmen des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB) und des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB). Jährlich werden von der deutschen Bauwirtschaft im Auftrag der Bauherren über 190 Millionen Tonnen mineralischer Abfälle zur Wiederverwendung aufbereitet, transportiert, wiederverwertet oder entsorgt. (Bild: ZDB)

Bei knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen hat der betriebliche Aufwand für das Abfallmanagement seit 2009 zugenommen, und zwar im Mittel um circa 70 Prozent. 

Ein erhebliches Problem ist nach Verbandsangaben die zunehmende Tendenz von privaten und öffentlichen Bauherren, ihre Verantwortung für die mineralischen Bau- und Abbruchabfälle, die bei ihren Baumaßnahmen anfallen, auf die ausführenden Unternehmen abzuwälzen. Die Bauunternehmen sind hierdurch verpflichtet, die Abfälle zu untersuchen. Das Warten auf die Untersuchungsergebnisse führt oftmals zu Verzögerung bis hin zu einem völligen Stillstand der Baumaßnahme. Auch die aufwendige Baustellenlogistik, die Zwischenlagerung der Abfälle, das Finden eines geeigneten Entsorgungswegs und das elektronische Nachweisverfahren verursachen steigende Kosten bzw. Verzögerungen im Bauablauf. 

Keine bundesweit einheitliche Regelung

Auch der öffentliche Rechtsrahmen erschwere die Entsorgung mineralischer Bauabfälle erheblich. Der Umgang mit mineralischen Bau- und Abbruchabfällen ist derzeit durch 16 voneinander abweichende Landesvorschriften geregelt. Die einseitige Orientierung am Besorgnisgrundsatz des Grundwasser- und Bodenschutzes führe zu im europäischen Vergleich einzigartig rigiden Grenzwerten, so die Verbände. Häufig werden deshalb auch lediglich natürlich „belastete“ Böden nicht wieder in technischen Bauwerken verwendet, sondern stattdessen deponiert – mit der Folge, dass Deponieraum zunehmend knapp wird und die Transportentfernungen zunehmen. 

Klaus Pöllath, Vizepräsident Technik des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, erklärte anlässlich der Veröffentlichung der gemeinsamen Umfrage der Verbände: „Die Verlagerung von Risiken und Kosten des Umgangs mit mineralischen Bau- und Abbruchabfällen auf die Bauwirtschaft entspricht nicht dem Verursacherprinzip. Insbesondere öffentliche Bauherren müssen sich zu ihrer Verantwortung bekennen. Für den Umgang mit Bauabfällen und beim Einsatz von Recyclingbaustoffen sind Bauherren, Bauwirtschaft, Architekten und Ingenieure, Abbruchunternehmen und Baustoffaufbereiter gleichsam Adressaten. Nur wenn sich diese in einem Gesamtregelwerk wiederfinden, kann das gesetzte Ziel, die Akzeptanz des Einsatzes von Recyclingbaustoffen zu steigern, auch gelingen.“

Alle Ergebnisse der Umfrage finden sich hier .

www.zdb.de

zuletzt editiert am 11. März 2021
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