Die Deutsche Bauchemie hat zu ihrem ersten Branchentreff in den restaurierten Lichthof im Hauptgebäude der Technischen Universität Berlin (TUB) geladen: Rund 100 Gäste aus Ministerien, Institutionen, Behörden und Mitgliedsunternehmen waren der Einladung des Vorstands zum Fachdialog und Meinungsaustausch gefolgt. (Fotos: Deutsche Bauchemie)
Johann J. Köster, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bauchemie, betonte in seiner Begrüßung die besondere Bedeutung Berlins für den Industrieverband und verwies dabei vor allem auf die über fünf Jahre geförderte Stiftungsprofessur Bauchemie an der TUB. Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Dietmar Stephan habe es verstanden, die Bauchemie als Studienfach mit Perspektive an der Hochschule nachhaltig zu etablieren und das Unterstützungsprogramm des Verbands optimal zu nutzen. Köster sicherte die Fortsetzung der Förderung zu und kündigte zugleich die Einrichtung einer weiteren Stiftungsprofessur für Betonzusatzmittel bei der ebenfalls in Berlin sitzenden Bundesanstalt für Materialentwicklung und -prüfung (BAM) an.
Bezugnehmend auf die Flüchtlingsthematik sprach sich der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bauchemie klar gegen eine von mancher Seite geforderte Billigbauweise bei Modernisierungs- und Neubauten für die Zuwanderer aus. Der Druck der aktuellen Situation dürfe nicht dazu führen, die in der Branche erreichten Qualitätsstandards abzusenken. Weniger Bürokratie dürfe nicht gleichgesetzt werden mit weniger Sicherheit: „So errichtete Gebäude fallen uns rasch auf die Füße – im wahrsten Sinne des Wortes“, so Köster.
Den Qualitätsgedanken bezog TUB-Präsident Prof. Dr. Christian Thomsen in seinem Grußwort auf die Universität und die Integration wissenschaftlich vorgebildeter Zuwanderer. Die TUB werde die Zugangsberechtigungen weniger bürokratisch handhaben und für eventuell fehlende Dokumente oder Zertifikate entsprechende Eignungsprüfungen ansetzen, um qualifizierten Flüchtlingen Einstieg oder Fortsetzung ihrer Hochschullaufbahn zu ermöglichen.
Auch mal unpopuläre Entscheidungen treffen
Im ersten zweier Hauptvorträge des Branchentreffs skizzierte der frühere Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und Vorstandsvorsitzende der Hochtief AG, Prof. Dr.-Ing. Hans Peter Keitel, die schwierigen Begleitumstände heutiger Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur in fünf Phänomenen:
• Die Nettoinvestitionen in diesen Bereich sind seit 20 Jahren kontinuierlich rückläufig.
• Deutschland leistet sich einen irrationalen Umgang mit Großprojekten.
• Viele Baubehörden sind qualitativ und quantitativ ausgeblutet, zu wenig Projekte werden baureif gestellt.
• In Deutschland gibt es eine unstillbare Sehnsucht nach dem Staat und zugleich ungerechtfertigte Vorurteile gegen Public Private Partnership-Projekte (PPP).
• Die Systemführung komplexer Bauvorhaben durch Generalunternehmer spielt kaum noch eine Rolle – mit nachteiligen Folgen für Großprojekte.
Keitel forderte von den Verantwortlichen, auch mal unpopuläre Entscheidungen zu treffen und diese dann in der Öffentlichkeit konsequent zu vertreten. Die öffentliche Hand solle mehr Partnerschaften mit privaten Investoren eingehen. Dass dies gut funktionieren könne, zeige der gerade fertiggestellte Ausbau der A8 München – Stuttgart.

Zeitreise durch die Geschichte
Richard Stock, Generaldirektor des Centre Européen Robert Schuman, nahm das Auditorium anschließend mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte des europäischen Gedankens von 1871 bis heute. Er beschrieb die historische Verbindung zwischen Deutschland und Frankreich unter dem Einfluss Robert Schumans als wegweisend für das heutige Europa. Das europäische Wertesystem und seine Anwendung in den Ländern, die gestaltenden Phänomene Kooperation (Europäischer Rat) und Integration (Europäische Union) sowie das Solidaritätsprinzip waren weitere Eckpunkte seines Vortrages. Er appellierte, wachsam zu sein angesichts der zahlreichen um Zentraleuropa herum existierenden Konfliktfelder.
Laudatio für Dipl.-Ing. Norbert Schröter
Den Abschluss des Branchentreffs bildete eine kurze Laudatio von Prof. Dr.-Ing. Bernd Hillemeier (Freunde der Gesellschaft der TUB) über Dipl.-Ing. Norbert Schröter, der für seine 25-jährige Tätigkeit als Hauptgeschäftsführer der Deutschen Bauchemie geehrt wurde. Hillemeier zeichnete ein Porträt des gebürtigen Berliners. Norbert Schröter, der im Sommer zudem seinen 60. Geburtstag feierte, dankte den Vortragenden und allen Premierengästen in seinem Schlusswort und kündigte eine Neuauflage des Branchentreffs 2017 in Berlin an.