Ein handgezeichnetes Diagramm mit einem abwärts zeigenden Pfeil, das einen Rückgang darstellt.
Während der Nichtwohnungsbau langsam wächst, gibt es im Wohnungsbausektor keine Erholung. (Quelle: Pixabay)

2024-11-21T23:00:00Z Der Wohnungsbau bleibt das Sorgenkind

Während das Tiefbausegment seine Expansion fortsetzt und der Nichtwohnungshochbau langsam wieder wächst, erholt sich der Wohnungsbau nicht. Das meldet die BAU, Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme.

Im Rahmen der BAU-Infogespräche hat Ludwig Dorffmeister, ifo-Branchenexperte für Bau und Immobilien, Anfang November die aktuellen Zahlen zur Baukonjunktur vorgestellt. 

Nach der Corona-Krise verhindern die Folgen des Ukraine-Kriegs mittelfristig weiteres Wachstum. 2026 dürfte das Bauvolumen den Wert von 2022 knapp verfehlen. Zu den Gründen zählen unter anderem die allgemeine Konjunkturabkühlung, der zwischenzeitliche Zinssprung, die erheblichen Kaufkraftverluste und die kräftigen Baukostenzuwächse. Daneben existieren vielfältige länderspezifische Faktoren, die die Einzelmärkte zusätzlich beeinflussen, wie zum Beispiel die staatliche Bauförderung. 

Die Bautätigkeit in Europa wird laut der Sommer-Prognose 2024 im Zeitraum 2023/2024 um 4 Prozent zurückgehen, um dann bis 2026 um 3 Prozent zuzulegen. Für das Tiefbausegment geht die Vorhersage von einem Wachstum von 7,8 Prozent aus. Aus Sicht des Branchenexperten Ludwig Dorffmeister liegt dies unter anderem daran, „dass für die umfangreichen Investitionsbedarfe der Verkehrs- und Energieinfrastruktur weiter genügend öffentliche und private Gelder mobilisiert werden können.” 

Nichtwohnungsbau legt langsam zu 

Für den Nichtwohnhochbau sagt er ein moderates Wachstum von 2,7 Prozent voraus. Dafür dürften die Kaufkraftgewinne, die normalisierte Inflation, die wieder günstigere Fremdfinanzierung und ein gewisser Nachholbedarf sorgen. Gemäß der Sommer-Prognose 2024 wird die Bautätigkeit in diesem Segment 2026 zwar in etwa auf dem Niveau des Jahres 2023 liegen – aber 6 Prozent unter dem Wert von 2020. 

Keine Erholung im Wohnungsbau  

Der Wohnungsbau, auf den fast die Hälfte aller Baumaßnahmen in Europa entfällt, ist in den Jahren 2023 und 2024 um insgesamt ein Zehntel geschrumpft (Neubau: -18 Prozent). Die Chancen auf eine deutliche Erholung in den kommenden Jahren werden als gering eingeschätzt (-4,3 Prozent). Entsprechend zurückhaltend fällt die Genehmigungsprognose aus. Der Wohnungsneubau bleibt das Sorgenkind: Die Zahl genehmigter Wohneinheiten in Ein- und Zweifamilienhäusern wird sich zwischen 2022 und 2024 mehr als halbieren. Die durch eine Vielzahl an staatlichen Vorgaben bedingte, immense Kostenbelastung bleibt allerdings das große Thema und spricht gegen eine kurzfristige Trendumkehr. 2026 dürfte das Wohnungsbauvolumen um 14 Prozent niedriger ausfallen als 2021 (Neubau: 41 Prozent).  

Baugenehmigungen seit 28 Monaten rückläufig 

Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes weisen in die gleiche Richtung: Im September wurden 23 Prozent weniger Wohnungsbaugenehmigungen erteilt als im Vorjahresmonat. „Das große Problem ist: Die Lage ist nicht erst seit gestern schlecht, sondern schon seit 28 Monaten gehen die Baugenehmigungen zurück. 2022 wurden bis September noch gut 272.000 Wohnungen genehmigt. 2024 waren es bis September gerade einmal 157.178 Genehmigungen. Wir haben also 42 Prozent weniger Baugenehmigungen als vor zwei Jahren. In Zahlen fehlen uns circa 115.000 genehmigte Wohneinheiten gegenüber diesem Ausgangsniveau. Keiner in der Branche glaubt, dass sich das bald ändert“, kommentiert Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Die Situation werde durch die bevorstehenden „haushaltslosen Monate“ verschärft, der ZDB geht zudem von einem Scheitern des Haushalts 2025 aus. „Würde im kommenden Jahr die Neubauförderung komplett wegfallen, wirft uns das im Wohnungsbau um weitere Jahre zurück.“

zuletzt editiert am 27. November 2024
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