Hochkonjunktur im deutschen Handwerk: Eine deutliche Mehrheit der von der Creditreform Wirtschaftsforschung befragten 1.272 Handwerksbetriebe bezeichnete die aktuelle Geschäftslage als „sehr gut“ beziehungsweise „gut“. Konjunkturlokomotive sind das Ausbau- und das Bauhauptgewerbe, wo es überdurchschnittlich viele positive Bewertungen gab. (Bild: Creditreform)
Angeschoben wird diese Entwicklung von anhaltenden Niedrigzinsen und der ungebremsten „Flucht“ der Deutschen in Immobilien und Sachwerte, führt Creditreform an. Entsprechend positiv stellen sich die Umsätze bei den befragten Handwerksbetrieben dar: Drei von zehn Befragten (29,6 Prozent) erzielten ein Umsatzplus (Vorjahr: 29,4 Prozent). Mit 12,7 Prozent waren weniger Betriebe als im Vorjahr (16,1 Prozent) von Umsatzrückgängen betroffen. Die erneut gute Umsatzentwicklung wurde Creditreform zufolge insbesondere von den Bauhandwerkern getragen.
Fortgesetzt hat sich demnach der Beschäftigtenaufbau im Handwerk. Nahezu jeder vierte befragte Betrieb (23,7 Prozent) hat den Personalbestand im Verlaufe des Winterhalbjahres erhöht (Vorjahr: 23,1 Prozent). 13,2 Prozent der Befragten nahmen Stellenstreichungen vor (Vorjahr: 14,0 Prozent). Flexible Minijobs (450 Euro) wurden von den Betrieben stärker nachgefragt als in den Vorjahren.
2016: Gutes Jahr für das Handwerk
Creditreform schätzt, dass das handwerkliche Konjunkturhoch in Deutschland zumindest bis zum kommenden Herbst halten dürfte, weil die befragten Handwerksbetriebe weitgehend positiv in die Zukunft blicken. So rechnet jeder dritte Befragte (32,4 Prozent) mit steigenden Umsätzen (Vorjahr: 31,8 Prozent), während gerade einmal 8,8 Prozent der Betriebe ein Umsatzminus befürchten (Vorjahr: 9,3 Prozent).
Auch die Ertragslage scheint laut Umfrageergebnis intakt zu sein. Ähnlich wie im Vorjahr erwarten 28,8 Prozent der Befragten auch bei den Erträgen einen Zuwachs (Vorjahr: 29,0 Prozent). Dem steht ein gesunkener Anteil an Pessimisten gegenüber, die Ertragseinbußen befürchten (9,8 Prozent; Vorjahr: 12,4 Prozent).
Ausbau der Kapazitäten
Die guten Auftrags- und Umsatzerwartungen werden die Betriebe nur bei entsprechenden Kapazitätserweiterungen realisieren können. So will auch jeder fünfte Befragte (20,5 Prozent) die Belegschaft aufstocken und nur einer von zwanzig Betrieben (4,6 Prozent) hat einen Stellenabbau angekündigt. Zudem kletterte die Investitionsbereitschaft auf einen neuen Rekordwert. 58,8 Prozent der befragten Betriebe haben vor, in den kommenden Monaten zu investieren (Vorjahr: 52,6 Prozent; 10-Jahres-Durchschnitt: 53,3 Prozent). Stärker als im Vorjahr stehen dabei Erweiterungsinvestitionen auf der Agenda, stellt Creditreform fest.
Weiter entspannt zeigt sich der Umfrage zufolge die Liquiditätslage im Handwerk. Weniger Betriebe als im Vorjahr waren offenbar von hohen Forderungsausfällen betroffen. So gab nur jeder zehnte Befragte (10,5 Prozent) Ausfälle von mehr als 1,0 Prozent seines Gesamtumsatzes an (Vorjahr: 13,2 Prozent). Die überwiegende Mehrzahl der befragten Handwerksbetriebe verbucht laut Creditreform den Zahlungseingang für eine erbrachte Leistung nach spätestens 30 Tagen.
