Der Umsatzrückgang von 2,85 Prozent wird begleitet von einem Mengen- und Umsatzeinbruch in Italien von fast 20 Prozent im Jahr 2012 und knapp zwölf Prozent im laufenden Jahr 2013. (Fotos: Confindustria Ceramica)
Vittorio Borelli, seit vergangenem Dienstag offiziell Präsident des Industrieverbandes Confindustria Ceramica, beginnt seine Amtszeit in einem schwierigen Moment. Sein Vorgänger Franco Manfredini, charismatischer Chef der Casalgrande Padana, bemerkte während der Pressekonferenz am 11. Juni scherzhaft, seine Amtszeit habe mit der Bankenkrise im Jahr 2009 begonnen, und gehe mit der Krise der italienischen Banken- und Staatsfinanzen zu Ende. Mit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten wird die zweite Krise Manfredinis zu Borellis erster.
Bedingt durch eine schwierige Entwicklung auf den Exportmärkten und dramatischen Rückgängen im Inland erwirtschafteten Italiens Fliesenhersteller im Jahr 2012 einen Umsatz von 4,581 Millarden Euro (- 2,85 Prozent). Hiervon entfallen 3,66 Millarden Euro auf den Export (+ 2,60) und 919 Millionen Euro (- 19,82) auf das Inlandsgeschäft. Die Unternehmen verkauften zu Hause 93,2 Millionen Quadratmeter (- 19,81). Im Ausland setzte man 289 Millionen Quadratmeter (- 3,11) ab.
Die Produktion fiel um 8,31 Prozent auf 367,2 Millionen Quadratmeter Der Absatz gab um 7,48 Prozent. nach und erreichte eine Wert von 382,2 Millionen Euro. In den 159 Fliesenunternehmen (2011: 163) waren im vergangenen Jahr 21.355 Mitarbeiter (- 3,7 Prozent) beschäftigt. Die Investitionen zeigten weiterhin eine positive Dynamik und erreichten einen Wert von 255,5 Millionen Euro (+ 2,83).

Im Ausland hingegen setzte sich die Erfolgsgeschichte der italienischen Produktionsstätten weiter fort. Hierbei handelt es sich um Direktinvestitionen italienischer Hersteller. In den 20 Unternehmen wurden im vergangenen Jahr 7.500 (+ 49) Mitarbeiter beschäftigt. Die Produktionsvolumen belief sich auf 139,6 Millionen Quadratmeter (+14,75), der Absatz verbesserte sich um 11,1 Prozent auf 141,5 Millionen Euro. Die Werke in den Vereinigten Staaten, Europa (Portugal, Spanien, Deutschland, Skandinavien und Frankreich) und Russland setzen ungefähr 82 Prozent ihrer Fertigung im selben Land ab, der Rest geht in den Export. Der Umsatz dieser Unternehmen belief sich auf 1,195 Milliarden Euro (+ 14,3 Prozent).
Laufendes Jahr
Die ersten drei Monate des Jahres 2013 standen im Zeichen der wirtschaftlichen Verschlechterung in Europa, einer weiteren Verschärfung der italienischen Immobilienkrise sowie positiver Impulse aus den außereuropäischen Märkten. Hier verzeichneten die italienischen Fliesen Zuwächse von mehr als neun Prozent; in Russland, den USA, Afrika und Australien sogar zweistellige Zuwachsraten. In Europa verläuft der Absatz insgesamt negativ (circa -6 Prozent), während die Verkäufe auf dem italienischen Markt nach den starken Verlusten im Jahr 2012 noch einmal um 11,55 Prozent nachgaben.
Angaben zum deutschen Markt bzw. anderen „Einzelmärkten“ hat der Verband nicht vorgelegt. Unternehmen berichteten gegenüber CARO jedoch von einem insgesamt guten Jahresstart, der jedoch durch den langen Winter negativ beeinflusst wurde. Die teilweise leichten Mengenrückgänge würden sich bedingt durch einen hochwertigen Produktmix und guten Durchschnittspreise allerdings kaum negativ auf den Umsatz in den ersten drei Monaten auswirken.
Die Confindustria Ceramica berücksichtigt in ihrem Jahresrückblick auch die Hersteller von Sanitärkeramik. Die 41 Mitgliedsunternehmen erwirtschafteten im Jahr 2012 einen Umsatz von 337,7 Millionen Euro. (- 10,71). Starken Einbrüchen in Italien (125 Millionen Euro/- 21,69 Prozent) stand ein leicht rückläufiger Exportumsatz von 212,7 Millionen Euro (- 2,67) entgegen. Der Import von Sanitärkeramik gab um 13,03 Prozent nach. Die italienischen Hersteller beschäftigten 4.041 Mitarbeiter (- 3,69 Prozent). Der Jahresausstoß belief sich auf 4,12 Millionen Stück (- 10,37), der Absatz fiel auf 3,88 Millionen Stück zurück (13,42).
Franco Manfredini schloss seine Ausführungen mit den Worten, dass eine wesentliche Trendänderung nicht absehbar sei, auch wenn man für das Jahr 2014 eine leichte Besserung erwarten könne. Dennoch sei man optimistisch. Die Zuversicht gründe sich auf das weiterhin hohe Investitionsniveau und die zentrale Rolle, die Sassuolo als Fertigungsstandort für aktuelle keramische Verkleidungen einnehme. Auch die Übernahme der Marazzi Gruppe durch die amerikanische Mohawk wird in diesem Zusammenhang als Beleg angeführt, dass die Führungsposition Sassuolos international anerkannt bleibe.