Trotz einer leichten Markterholung ist der Bundesverband Keramische Fliesen (BKF) für 2025 nicht allzu optimistisch: Die Überkapazitäten führen zu Preisdruck.
Die heimische Fliesenindustrie steht wie der gesamte Sektor der energieintensiven Industrien durch den intensiven internationalen Wettbewerb und die hohen Energiekosten unter enormen Belastungen, wie Patrick Schneider, Vorsitzender des Bundesverbands Keramische Fliesen (BKF) betont: „Wie der energieintensive Industriesektor allgemein, drängen die deutschen Fliesenhersteller, beziehungsweise der BKF seit Jahren auf Kostensenkungen in diesem Bereich, um auch zukünftig wettbewerbsfähig bleiben zu können.“
Baugenehmigungen leicht im Plus
Aktuell sind in der Bauwirtschaft laut BKF erste Erholungstendenzen zu beobachten – trotz eines Umsatzrückgangs von rund -5 Prozent. Denn Auftragseingänge und Baugenehmigungen (+4,1 Prozent im ersten Quartal, bei Einfamilienhäusern +15,3 Prozent) liegen leicht im Plus, was zu einer etwas positiveren Beurteilung der künftigen Bautätigkeit führt.
Große Hoffnungen setzt die Branche in die neue Bundesregierung, die in ihrem Koalitionsprogramm eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Ankurbelung der Bautätigkeit benennt. Allerdings stehen diese unter Finanzierungsvorbehalt und viele davon können sich ohnehin erst mittel- bis langfristig auswirken.
Fliesenmarkt in Deutschland 2024
Während die Corona-Pandemie zu einer Überhitzung des Marktes geführt hatte, war die Bereinigung im vergangenen Jahr umso schmerzhafter, erklärt der Verband. Der Industrieabsatz sank von 132,9 Millionen Quadratmetern auf 93,8 Millionen Quadratmeter (-29,5 Prozent). Diese Entwicklung hat sich nun deutlich verlangsamt. Im Jahr 2024 lag der Fliesenabsatz in Deutschland bei 89,4 Millionen Quadratmetern (-4,6 Prozent).

Die Fliesen-Importe haben sich annähernd stabilisiert (-1,1 Prozent). Dabei gab es nur leichte Verschiebungen innerhalb der Top 10-Importländer. Unverändert führt Italien mit knapp 50 Prozent Importanteil die Riege an, gefolgt von Polen (13 Prozent), Spanien (12 Prozent) und der Türkei (9 Prozent).
Die Exporte keramischer Fliesen aus Deutschland beliefen sich 2024 nach vorläufigen Zahlen auf insgesamt 17,6 Millionen Quadratmeter – und verzeichneten damit einen leichten Zuwachs (1,0 Prozent). Die drei Top-Zielländer für deutsche Fliesenexporte sind die Niederlande mit 4,1 Millionen Quadratmetern (+6,7 Prozent), Österreich mit 2,1 Millionen Quadratmetern (-2,1 Prozent) und die Schweiz mit 1,7 Millionen Quadratmetern (+0,3 Prozent).
Die deutsche Industrie wurde – insbesondere aufgrund der hohen Energiekosten und der rigiden Umsetzung von Beihilfevorschriften in Deutschland – im internationalen Vergleich erheblich belastet. So hat in den Jahren 2023 und 2024 das Produktionsvolumen gelitten und die Absätze sind spürbar gesunken. Diese disruptive Entwicklung ist nun unterbrochen, so dass berechtigte Hoffnung auf Erholung bestehe, meint der BKF.
Entwicklung des Fliesenmarktes in 2025
Das laufende Jahr hat mit einer leichten Erholung des Marktes begonnen. Dennoch ist laut BKF für den Fliesenmarkt in Deutschland am Jahresende mit einer Seitwärtsbewegung zu rechnen. Denn die vorhandenen Überkapazitäten im deutschen Fliesenmarkt führen zu einem erheblichen Preisdruck, der in dieser Intensität in den letzten Jahren nicht dagewesen ist. Sollte die von der Bundesregierung versprochene Absenkung der Stromkosten um 5 Cent pro Kilowattstunde zeitnah realisiert werden, würde diese Maßnahme der Wirtschaft wie auch der Fliesenindustrie zugutekommen.
Forderungen der deutschen Fliesenindustrie
Um den Wohnungsbau zu beleben und den Renovierungsstau abzubauen, benötigt die Bauwirtschaft eine zeitnahe Anpassung der Rahmenbedingungen, so der Verband – sei es bezahlbare Energie oder die Vereinfachung der überbordenden Vorschriften und bürokratischen Hürden.
Auch eine Überarbeitung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) wird seitens der deutschen Fliesenindustrie gefordert. Denn ein weniger starres Korsett in diesem Bereich kann helfen, den Fliesenabsatz spürbar anzukurbeln, wie Schneider ausführt: „Statt des Zwangs, eine Wärmepumpe einzubauen – selbst dort, wo sie wirtschaftlich keinen Sinn macht – sollten effektive Heizsysteme wie die Fußbodenheizung attraktiv gemacht werden. Dies kann durch gezielte Förderung gelingen – aber auch durch günstigen Strom. Der Bauherr entscheidet, wo er sein Geld investieren will. Prinzipiell kann die Fliese von der Wärmepumpe und vom Siegeszug der Fußbodenheizung profitieren. Denn Keramik ist und bleibt der Belag, der das System besonders energieeffizient macht.“