Vor einer Aufschwungphase sehen der Präsident der Baugewerblichen Verbände (BGV), Rüdiger Otto, und NRW-Bau- und Verkehrsminister Michael Groschek die Bauwirtschaft. Sie verwiesen beim Neujahrsempfang der BGV auf die Milliarden-Investitionen der öffentlichen Hand in den Wohnungsbau und in die Verkehrsinfrastruktur. Man müsse sich "schon anstrengen, die Gelder tatsächlich verbaut zu bekommen". In Nordrhein-Westfalen sollen 2,5 Milliarden Euro investiert werden. (Foto: BGV)
Rüdiger Otto sagte, gerade für 2016 erfülle ihn sehr große Zuversicht für die gesamte Baubranche. Es stehe sowohl im Hochbau, insbesondere im Wohnungsbau, als auch im Straßen- und Tiefbau eine Phase der Hochkonjunktur bevor. Sie werde die Betriebe kapazitätsmäßig zu Höchstleistungen fordern. Für sehr erfreulich hält der BGV-Präsident, dass die Baubranche endlich auch im politischen Bereich wieder den Stellenwert erlangt habe, der ihr nicht zuletzt wegen ihres wirtschaftlichen Gewichts und wegen ihrer Rolle auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt gebührt. Die Politik in NRW gehe da mit sehr gutem Beispiel voran.
Aufwärtstrend im Wohnungsbau
Im Wohnungsbau sieht Otto nach vielen Jahren mit unzureichenden Neubauzahlen nun endlich eine deutliche Aufwärtsentwicklung. Trotzdem sei eine weitere große Steigerung auf 400.000 neue Wohnungen pro Jahr nötig, um das aufgelaufene Defizit auszugleichen und der steigenden Nachfrage zu entsprechen. Finanzielle Anreize und Erleichterungen bei Vorschriften und Anforderungen hielten die BGV deswegen für dringend nötig.
ÖPP-Projekte: Mittelstand könnte zum Fußvolk werden
Auch wenn die verstärkten Investitionen zu begrüßen seien, müssten die mittelständischen Baubetriebe doch weiterhin skeptisch gegenüber der vom Bund bevorzugten „neuen Generation von ÖPP-Projekten“ sein. Nordrhein-Westfalen habe sich um eine mittelstandsfreundlichere Variante bemüht, sei damit aber nicht durchgedrungen. Deswegen bleibe die Gefahr, dass die von den BGV vertretenen Betriebe zum „Fußvolk werden, das ausgebeutet wird“. Sie könnten sich dann also nicht mehr selbst um Aufträge bewerben, sondern würden in die Rolle des Subunternehmers abgedrängt von einigen wenigen Konzernen.
NRW-Bauminister will Mittelstand stärken
Bau- und Verkehrsminister Michael Groschek bestätigte die konjunkturelle Analyse Ottos: „In NRW sind in 2016 etwa 2,5 Milliarden Euro zu verbauen – im Hochbau und im Tiefbau. Da müssen wir uns schon anstrengen, die Gelder tatsächlich verbaut zu bekommen und sie nicht verfallen zu lassen.“ Insbesondere bei Straßen.NRW seien die Voraussetzungen dafür inzwischen geschaffen. Groschek gab Meinungsunterschiede mit seinem Bundeskollegen Dobrindt in Sachen ÖPP zu. „Aber er hat die Gelder und er bestimmt, wie und wo sie ausgegeben werden“. Für sein Haus sei unabdingbar, den Mittelstand zu stärken, „weil wir nur dann dauerhaft und nachhaltig die Baukonjunktur abfedern und eine lange Perspektive beim Ausbau der Infrastruktur hinbekommen. Dobrindt wird sich dieser Sicht hoffentlich nicht entziehen können.“
