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Beispielbilder in der Norm

(Foto: Michael Henke)

Normenreihe Bauwerksabdichtungen, Änderungen
Michael Schmidt-Driedger
Foto: Michael Henke

Die Abbildungen in DIN 18534 sind lediglich als Beispiele zu verstehen. Einzelne Bereiche im Raum können unterschiedlichen Wassereinwirkungsklassen zugeordnet werden.

Michael Schmidt-Driedger: Blickt man auf die Beispielbilder in der Norm, dann sieht man dort bei häuslichen Bädern Badewannen ohne Brause abgebildet und der Wandbereich wird dort als W1-I klassifiziert. Jetzt frage ich mich nur: Hat nicht jede Badewanne einen Schlauch mit einer Handbrause? Läuft man da nicht schon wieder Gefahr, dass, wenn man die Handbrause als Dusche gebraucht, direkt einen anderen Lastfall hat?

Rudolf Voos: Nein, das hat man nicht. Zunächst muss man die Überschrift über diesen Bildern lesen. Die Bilder sind überschrieben mit beispielhaften Anwendungen. Der Text der Norm gibt an, dass die Abdichtung 15 Zentimeter über den Wasserauslass oder über die möglichen genutzten Flächen hochzuziehen ist. Gehe ich als Planer davon aus, dass dort ein Schlauch angeschlossen werden könnte, dann habe ich das mit meinem Bauherrn zu besprechen und mache die Abdichtung so hoch, wie es nötig ist. Das, was dargestellt ist, sind Anwendungsbeispiele. Ich muss nicht immer über jeder Badewanne die Abdichtungen und die Fliesen bis zur Decke hochziehen. Es ist das Schutzziel beschrieben und das ist dann zu definieren und zu klären zwischen Planer und Bauherr oder zwischen Planer und Nutzer und danach ist zu planen. Das regeln die Normen an diesem Punkt ganz genau.

Michael Schmidt-Driedger: Der Planer hat also im häuslichen Bad vollkommen freie Hand, für einzelne Bauteile die Wassereinwirkungsklasse zu definieren?

Rudolf Voos: Ja, was ist das häusliche Bad und wie wird es genutzt? Dem wird die Tabelle gerecht, indem es dort in der rechten Spalte zwei bis fünf Beispiele gibt – die auch wirklich nur als Beispiele zu sehen sind. Durch Mehrfachnennungen in verschiedenen Wassereinwirkungsklassen wird deutlich, dass eine Fläche sowohl in der einen als auch in der anderen Beanspruchungsgruppe sein könnte. Die zusätzliche chemische Belastung ist relativ klar der Wassereinwirkungsklasse 3 zugeordnet, aber gerade zwischen W1 und W2 muss sich der Planer überlegen, was im vorliegenden konkreten Fall vorliegt. Nochmal: Die Angaben in der rechten Spalte sind Beispiele. Was definiert ist, ist die Wasserbeanspruchung in der mittleren Spalte, und daran sollte sich der Planer orientieren. Insofern kann ein häusliches Bad durchaus in der Klasse W1-I, als auch in der Klasse W2-I einzuordnen sein. Das hat der Planer dann zu entscheiden.

Markus Kohl: Aber darüber hinaus ist nicht der ganze Raum eine Klasse, sondern der Planer kann verschiedene Wandbereiche und den Boden aufteilen auf die Klassen, je nach Beanspruchung des einzelnen Bauteils oder Bereichs.

17.01.2018