Baustelle mit Kränen und Vögeln (Quelle: Pixabay)
Die Tarifverhandlungen haben fünf Verhandlungs- und zwei Schlichtungsrunden gebraucht. (Quelle: Pixabay)

Aktuell

15. October 2021 | Teilen auf:

Bauwirtschaft: Tarifverhandlung beendet

Bei den Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Bauwirtschaft haben sich die Tarifvertragsparteien auf Lohnerhöhungen, Ost-West-Angleichung und Wegestreckenentschädigung geeinigt.

Nach fünf Verhandlungs- und zwei Schlichtungsrunden haben sich die Tarifvertragsparteien unter der Moderation des Schlichters, Prof. Rainer Schlegel, auf ein Tarifpaket mit einer Laufzeit von 33 Monaten verständigt.

Die Beschäftigten im Westen erhalten demnach Lohnerhöhungen in drei Schritten, und zwar 2 Prozent zum 1. November, 2,2 Prozent zum 1. April 2022 und noch einmal 2 Prozent zum 1. April 2023. Für die Monate Juli bis Oktober 2021 wird eine Coronazahlung in Höhe von 500 Euro gewährt.

Die Beschäftigten im Osten erhalten ab dem 1. November 2021 3,0 Prozent mehr Lohn sowie eine Coronazahlung in Höhe von 220 Euro. Ab dem 1. April 2022 erhöhen sich ihre Löhne um 2,8 Prozent und ab dem 1. April 2023 um 2,7 Prozent.

Zusätzlich erhalten die Beschäftigten im Westen Einmalzahlungen in Höhe von 400 Euro zum 1. April 2022 und 450 Euro zum 1. April 2023.

Darüber hinaus wurde eine stufenweise Erhöhung der Ausbildungsvergütungen vereinbart.

Der neue Vertrag regelt außerdem, dass im Jahr 2026 eine hundertprozentige Angleichung der West- und Ost-Einkommen sowie der Ausbildungsvergütungen erreicht sein muss. Jeder Betrieb im Tarifgebiet Ost kann aber per Haustarifvertrag auch früher einen Ost-West-Angleich für seine Beschäftigten festlegen.

Wegstreckenentschädigung ab sechs Euro

Auch für die von der IG BAU geforderte Wegestreckenentschädigung wurden pauschale nach Kilometern gestaffelte Beträge vorgesehen. Damit sollen die häufig langen Anfahrtswege der Beschäftigten zur Baustelle entschädigt werden. Danach soll es für bis zu 50 Kilometer vom 1. Januar 2023 an 6 Euro geben, ein Jahr später 7 Euro. Bei 51 bis 75 Kilometer gibt es 8 Euro (2024: 9 Euro) und über 75 Kilometer 11 respektive 9 Euro am Tag. Für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die nicht täglich von ihrem Arbeitsplatz nach Hause fahren, gibt es ebenfalls einen Ausgleich ab dem Jahr 2023: Bei einer Entfernung von 75 bis 200 pro Fahrt – hin und zurück also das Doppelte - 9 Euro, bis zu 300 Kilometer 18 Euro, bis 400 Kilometer 27 Euro und jede Anfahrt über 400 Kilometer wird mit 39 Euro ausgeglichen. Diese Regelungen werden in den Bundesrahmentarifvertrag mit einem Sonderkündigungsrecht - erstmals möglich Anfang 2026 - aufgenommen

Schwierige Verhandlungen mit neuen Themen

Uwe Nostitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, erklärte zu dem Tarifpaket: „Wir hatten langwierige und schwierige Verhandlungen mit einer komplizierten und zum Teil auch neuen Materie. Wir haben uns bewusst für einen Tarifvorschlag in freien Verhandlungen entschieden, damit die Entscheidung über Annahme oder Ablehnung bei den Mitgliedsverbänden liegt.“

„Mit diesem Kompromiss können wir leben.“

Robert Feiger, Vorsitzender der IG BAU

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Robert Feiger sagt: „Unsere Vorstellungen für eine gerechtere Entlohnung der Beschäftigten lagen durchaus höher, aber mit diesem Kompromiss können wir leben. Die Einkommenssteigerung liegt insgesamt über der Inflationsrate, sie ist im Osten durchweg höher als im Westen und kommt somit der angestrebten Gleichstellung erheblich näher und wir haben die Angleichung von Ost- und Westlöhnen endgültig festgeschrieben. Damit ist ein Ende der jetzt über dreißigjährigen Ungleichbehandlung festgelegt. Das war uns wichtig.“ Somit sei mit Hilfe des Schlichters Professor Rainer Schlegel, Präsident des Bundessozialgerichts, „in letzter Minute ein Streik“ vorerst abgewendet worden.

Die Tarifvertragsparteien haben nun 14 Tage Zeit, dem Tarifvorschlag zuzustimmen.

zuletzt editiert am 15.10.2021