Eine antike Gipsstaue von einem jungen Mann
Gips ist seit tausenden Jahren ein beliebter Werkstoff. Quelle: Pixabay

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30. April 2021 | Teilen auf:

Bauen braucht Gips: Ein Aufruf der Verbände

Ohne Kohle kein Gips – und das ist ein Problem für die Bauwirtschaft. Deswegen haben sich etliche Verbände zusammengeschlossen und fordern Lösungen, wie auch nach dem Kohleausstieg genug Gips zur Verfügung stehen kann.

Deutschlands Ausstieg aus den fossilen Energieträgern ist beschlossene Sache: Damit sollen die CO2-Emissionen verringert werden. Allerdings entstehen damit drängende Fragen für andere Wirtschaftszweige und Wertschöpfungsketten, die beantwortet werden müssen. So wird aufgrund des Kohleausstieges bald kaum noch Gips aus den Rauchgasreinigungsanlagen der Kraftwerke (REA-Gips) zur Verfügung stehen, der bisher für die deutsche Gipsindustrie die wichtigste Rohstoffquelle war, wie der Zentralverband Deutsches Baugewerbe berichtet (ZDB). Mit dem Ausstieg aus der Kohleverstromung wird ein wichtiger Stoffkreislauf unterbrochen, der besonders im Interesse des heimischen Bauens liegt, aber auch andere Wirtschaftszweige tangiert, und nun neu gedacht werden muss.

Hoher Bedarf am unscheinbaren Pulver

Gips ist ein seit Jahrtausenden bewährtes Naturprodukt und an ihm hängt viel: Er bildet die Basis  wichtiger nachgelagerter Wertschöpfungsketten mit unzähligen Arbeitsplätzen. Besonders im Bauwesen wird der Bedarf an Gipsprodukten steigen, denn der Einsatz von Gips als hochwertigem ökologischen Baustoff dient auch wichtigen gesellschaftlichen Zielen – etwa der Förderung nachhaltiger leichter Bauweisen und der sozialverträglichen urbanen Entwicklung und Wohnraumschaffung.

Für Gips gibt es keinen Ersatz

In Deutschland fehlen hunderttausende von bezahlbaren Wohnungen. Moderner Hochbau und Wohnungsbau soll ökologisch, flächensparend, flexibel nutzbar, ressourceneffizient, brandsicher und bezahlbar sein. Für den Klimaschutz steht die Modernisierung jedes zweiten Bestandsgebäudes an, wie die EU-Kommission in ihrer Strategie „Renovierungswelle“ des Green Deal vorschlägt. Klimafreundlicher Trocken- und Leichtbau ist die Antwort auf diese Anforderungen und Bauaufgaben. Der zentrale Baustoff dafür ist Gips, zu dem es keine Alternative mit ähnlich positiven Eigenschaften gibt, so der ZDB. Die Unternehmen der Gipsindustrie seien also Teil der Lösung, um die beschriebenen gesellschaftlich gewünschten Bauvorgaben erfüllen zu können. Daher ist es wichtig, ausreichend Gips aus heimischen Quellen zur Verfügung zu stellen.

Lösungen für den Gips-Bedarf

Zwei besonders zielführende Antworten gibt es dazu aus der Branche: Zum einen die Optimierung der Recyclingquote und zweitens die Nutzung ortsnaher, regionaler Naturgipsvorkommen, wie dies schon seit über 100 Jahren geschieht und auch im Kohleausstiegsgesetz betont ist. Recycelt wird bereits – aber wegen der geringen Mengen und der benötigten  Qualität wird Recycling nur ein Teil der Lösung sein können. Phosphorgipse stellen keine Alternative zu REA-Gipsen dar. Bislang lässt sich die durch den sukzessiven Wegfall von REA-Gips entstehende Bedarfslücke jedoch vor allem durch die zusätzliche Gewinnung von Naturgips schließen. Dieser wird ortsnah  und so umweltschonend wie möglich abgebaut und weiterverarbeitet, auf aktiven und ehemaligen Abbauflächen werden oft wertvolle Biotope für gefährdete Tier- und Pflanzenarten geschaffen. Ungenutzte Lagerstätten des natürlichen Baustoffs gebe es in Deutschland genug, sagen die Verbände. Deshalb setzen sie sich dafür ein, dass diese Gipsvorkommen jetzt vorausschauend gesichert und zu gegebener Zeit zugänglich gemacht werden.

„Daher appellieren wir an die Politik, den Naturschutz und die Gesellschaft, konstruktiv am Dialog und den Lösungen zur Deckung des Gipsbedarfes mitzuwirken, um auch künftigen Generationen natürliche und nachhaltige Lösungen mit Gips zur Verfügung stellen zu können, weiterhin zum bezahlbaren, nachhaltigen Bauen beizutragen und gleichzeitig Arbeitsplätze in heimischen Produktionsstandorten zu sichern“, so der ZDB. Den Aufruf an die Politik unterzeichneten unter anderem der Bundesverband Keramische Fliesen e.V. (BKF), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel e.V. (BDB), der Bundesverband der Gipsindustrie e.V. und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V. (HDB).

www.zdb.de