Bei der Arbeit haben nach Ansicht vieler Beschäftigter Zeitdruck und Gereiztheit in den vergangenen zwei Jahren zugenommen. Das ist eines der Ergebnisse des DGUV Barometers Arbeitswelt, einer Umfrage unter über 2.000 Erwerbstätigen, die die forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH im Auftrag der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) durchgeführt hat.
Zwar hat es auch im vergangenen Jahr weniger Arbeitsunfälle gegeben als im Vorjahr. Die Umfrageergebnisse des DGUV Barometer zu aktuellen Trends für Sicherheit und Gesundheit im Beruf belegen aber branchenübergreifend, dass der Stellenwert von Faktoren wie Arbeitsverdichtung, Zeit- und Personalmangel für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz weiter zunimmt. DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Hussy ruft vor diesem Hintergrund Unternehmen dazu auf, der Prävention psychischer Belastung mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Laut vorläufigen Zahlen der gesetzlichen Unfallversicherung ist die Zahl der Arbeitsunfälle im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen registrierten 752.125 meldepflichtige Arbeitsunfälle – 4,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle sank um 30 auf 351. Die Zahl der Wegeunfälle verringerte sich auf 173.488 – ein Rückgang von 5,9 Prozent. 13.358 Versicherte erhielten 2024 erstmals eine Rente aufgrund eines Arbeits- oder Wegeunfalls, 4,3 Prozent weniger als im Vorjahr.
„Die rückläufigen Unfallzahlen sind eine gute Nachricht, aber nur ein Teil der Geschichte“, sagt DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Hussy. Psychische Belastung spiele bereits heute eine wichtige Rolle für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. „Ihre Bedeutung wird aufgrund des demografischen Wandels und seiner Folgen noch weiter zunehmen.“
Unternehmen unter Druck
Laut DGUV Barometer sieht in fast allen Wirtschaftszweigen die Mehrheit der Befragten im Personal- und Fachkräftemangel die größte wirtschaftliche Herausforderung (59 Prozent im Durchschnitt). Eine Ausnahme ist das verarbeitende Gewerbe mit 34 Prozent. Hier bewerten die Befragten vor allem steigende Betriebskosten (59 Prozent) und Nachfrageeinbrüche (49 Prozent) als wichtigste Herausforderungen. Weitere Probleme werden je nach Branche unterschiedlich häufig genannt: Ein Übermaß an Bürokratie zum Beispiel erachten vor allem Beschäftigte in der öffentlichen Verwaltung und in der Finanzbranche als Problem. Steigende Betriebskosten machen insbesondere Unternehmen der Bauwirtschaft sowie aus Handel und Verkehr zu schaffen. Über alle Branchen hinweg bewertet ein Drittel (32 Prozent) die wirtschaftliche Situation ihres Unternehmens derzeit als weniger gut oder schlecht.
Die Herausforderungen bleiben nicht ohne Wirkung. In den vergangenen beiden Jahren haben vier von fünf Befragten negative Veränderungen in ihrem Arbeitsalltag festgestellt:
- 51 Prozent beobachten einen höheren Zeitdruck bei der Erledigung ihrer Aufgaben.
- 43 Prozent berichten von einem gereizteren Klima unter den Kolleginnen und Kollegen.
- 29 Prozent machen eine sinkende Bereitschaft in der Belegschaft aus, über Fehler zu sprechen.
- 22 Prozent meinen, dass Gesundheit und Arbeitssicherheit der Beschäftigten anderen Aspekten häufiger untergeordnet würden.
- Nur 21 Prozent bemerken keine dieser Veränderungen.
Barometer zeigt gemischtes Bild für den Arbeitsschutz
Die große Mehrheit der Erwerbstätigen – 78 Prozent – meint, dass Beschäftigte in ihrem Unternehmen oder ihrer Institution sehr gut oder gut dabei unterstützt werden, sicher und gesund arbeiten zu können. Allerdings gibt eben auch ein Fünftel der Befragten an, von ihrem Arbeitgeber nicht regelmäßig über Risiken am Arbeitsplatz unterwiesen zu werden – je kleiner das Unternehmen, desto häufiger ist dies der Fall. Nur zwei Drittel der Erwerbstätigen können sich grundsätzlich vorstellen, ihre derzeitige Arbeitstätigkeit bis zum Erreichen des Renteneintrittsalters sicher und gesund auszuüben. Weniger als zwei Drittel (61 Prozent) der Befragten mit Führungsrolle geben an, dass in ihrem Unternehmen die gesetzlich vorgegebene Gefährdungsbeurteilung an den Arbeitsplätzen durchgeführt wird.
Risikofaktor Zeitdruck
50 Prozent der Erwerbstätigen glauben, dass hohe Arbeitsbelastung und Zeitdruck das Risiko von Unfällen am Arbeitsplatz erhöhen. 32 Prozent nennen in diesem Zusammenhang Überstunden aufgrund von Personalmangel, 27 Prozent unzureichende Information und Kommunikation, 25 Prozent fehlende Erholungszeit und Pausen und 24 Prozent ein schlechtes Betriebsklima. Andere Faktoren wie Lärm, fehlende Beleuchtung oder Mängel an Maschinen werden von weniger als 20 Prozent der Beschäftigten angeführt.
Insgesamt befragte die forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH vom 28. Februar bis 7. März 2025 2.018 Erwerbstätige, darunter 578 Führungskräfte und Unternehmer, in Unternehmen mit mindestens zwei Mitarbeitern befragt. Die Ergebnisse stehen als „DGUV Barometer Arbeitswelt 2025“ in der Publikationsdatenbank der DGUV zum Download zur Verfügung.
