Treppenhäuser erwecken oftmals einen kalten, unpersönlichen Eindruck. Dies liegt sicherlich daran, dass sie als Fluchtwege dienen und deshalb besonderen Anforderungen an den Brandschutz unterliegen. Neue Oberflächenbearbeitungen auf Kalksteinen vermitteln nun auch in diesen Funktionsbereichen einen wohnlichen Eindruck. (Foto: Stiegler/Solnhofen)
Wer ein mehrgeschossiges Gebäude betritt, der kommt sehr schnell mit dem Treppenhaus in Berührung. Es bildet zusammen mit dem Eingangsbereich die Visitenkarte des Hauses. Leider fällt diese Visitenkarte aus funktionalen Gründen häufig sehr spartanisch und unpersönlich aus. Für den Besucher entsteht dabei ein ungutes Gefühl, wenn das Treppenhaus nicht als einladend empfunden wird. In der Regel sind die Wandflächen weiß oder zumindest in einem hellen Farbton verputzt. Dies erweckt eine gewisse Sterilität.
Es ist jedoch notwendig Treppenhäuser in einem hellen Farbton zu halten, denn dadurch entstehen lichtdurchflutete Räume. Diese Helligkeit bringt eine bessere Ausleuchtung mit sich, was sich positiv auf die Begehbarkeit einer Treppe auswirkt. Die funktionalen Notwendigkeiten einer ausreichenden Beleuchtung und des Brandschutzes lassen für den Planer kaum Spielraum für gestalterische Elemente übrig. Die einzigen Flächen, die letztlich für einen Gestaltungsspielraum zur Verfügung stehen, sind Stufenbeläge, Podestflächen und Flure. Hier bieten Kalksteine auf Grund ihrer erdwarmen Farbtöne optimale farbliche Kombinationsmöglichkeiten. Die optische Schwere des Raums wird auf den Bereich des Boden und des Treppenbelags verlagert und der meist enge Raum gewinnt durch die Helligkeit der Wandflächen an Weite.
Das Einzige was Kunden an dieser Kombination gegebenenfalls stören könnte, ist eine gewisse Härte, die der Stein mit einer polierten oder feingeschliffenen Oberfläche ausstrahlt. Naturstein wird eben nicht nur in seiner Farbe, sondern auch in der haptischen Beschaffenheit seiner Oberfläche wahrgenommen.
Gebürstete Oberflächen
Mittlerweile gibt es neue Bearbeitungsmöglichkeiten von Naturstein, die unter der Bezeichnung „gebürstete Oberflächen“ erhältlich sind. Es handelt sich dabei um Verfahren, bei denen die Steinoberfläche in einem ersten Arbeitsschritt homogenisiert wird, um ein gleichmäßiges Erscheinungsbild zu erzielen. In einem zweiten Arbeitsschritt erfolgt eine Bearbeitung der Oberfläche mit speziellen Bürsten. Dies nimmt dem Stein die Härte, so dass eine sich weich anfühlende Oberfläche entsteht. Weichere Gesteinspartien werden hierbei ausgebürstet, sodass der Stein seine natürliche Charakteristik offen darlegt.
Da diese Oberflächenbearbeitung großflächig auf die Rohtafeln zur Herstellung von Werkstücken aufgebracht wird, besteht die Möglichkeit, alle nur erdenklichen Werkstücke mit einer einheitlichen Oberfläche zu versehen. Somit ist eine durchgängige Oberfläche auf Bodenbelägen, Treppenstufen, Sockelleisten und auf den begrenzenden Randstücken zum Treppenauge hin möglich. Selbst Fensterbänke können mit den neuen Oberflächen gefertigt werden, sodass sich ein harmonisches Gesamtbild ergibt. Da es sich bei Naturstein um einen mineralischen Baustoff und bei den Bearbeitungen um rein mechanische Verfahren handelt, ist bei dem abgebildeten Belag der Brandschutz nach wie vor gegeben.
