sachverstaendigentage_2010_1.JPG
Wegen der Rekordzahl von 230 Teilnehmern mussten die Kasseler Sachverständigentage in diesem Jahr im Hotel Esperanto in Fulda in einen größeren Saal umziehen. (Fotos: FLIESEN & PLATTEN)

2010-11-10T00:00:00Z Auf Kasseler Sachverständigentagen wurde engagiert debattiert

Die Bewertung der Rutschhemmung unter Betriebsbedingungen, Schadensmechanismen im Außenbereich und die Belegreife von Zementestrichen waren drei von vielen Themen auf den diesjährigen Kasseler Sachverständigentagen in Fulda, über die engagiert debattiert wurde. (Fotos: FLIESEN & PLATTEN)

Ein wichtiges Thema war unter anderem die neue DGUV-I 8687 "Bewertung der Rutschgefahr unter Betriebsbedingungen". Sie wird die bisherige BGR 181 ergänzen und soll einzuschätzen helfen, ob sich die Rutschhemmung zum Beispiel durch Abnutzung oder Reinigung verringert hat.

Da die R-Klassen, die auf der "Schiefen Ebene" ermittelt werden, nicht mit den µ-Werten der Gleitreibungsmessung in Beziehung gesetzt werden können, ist in Zukunft die Durchführung einer zusätzlichen Gleitreibungsmessung als sogenannter Null-Messung sinnvoll. Denn es gibt rutschsichere Bodenbeläge mit einer R-Einstufung, die nur einen µ-Wert < 0,30 erreichen. Ohne Nullmessung müsste der Belag als unsicher eingestuft werden. Wenn diese aber vorliegt und sich der Wert der Kontroll-Messung nicht mehr als zehn Prozent gegenüber dem Ausgangswert verringert hat, gilt der Belag weiterhin als betriebstauglich. Eventuell sind weitere Maßnahmen wie Warnhinweise oder eine Unterrichtung der Mitarbeiter notwendig.

Nach einer ersten Einschätzung in Fulda wäre es sinnvoll, wenn bereits die Hersteller eine Null-Messung durchführen und den Wert in den Verkaufsunterlagen wie die R-Einstufung angeben.

Mit Mikrorissen fängt es an

Für Aufsehen sorgte auch der Vortrag von Dr. Roger Zurbriggen (Elotex AG), der veranschaulichte, wie bei Außenbelägen eindringendes Wasser einen fortschreitenden Schadensmechanismus in Gang setzt. In der Regel sickert Wasser durch (Haar-)Risse in den Fugen in den Belag ein. Findet es offene Hohlräume, dringt es dort weiter ein und lässt den Mörtel aufquellen. Vorhandene Risse werden so forciert. Bei trockenem Wetter trocknet der Mörtel wieder ab und schwindet erneut. Beim nächsten Regen kann das Wasser entlang der Risse weiter eindringen. Die Schädigung schreitet so kontinuierlich voran. "Wenn man einen Hohlraum hören kann, ist der Schaden schon eingetreten", sagte Zurbriggen.

Er empfiehlt als Gegenmaßnahmen schwundarme Dünnbettmörtel mit langer klebeoffener Zeit und hoher Frühfestigkeit einzusetzen und außerdem für eine Entwässerung im Konstruktionsaufbau zu sorgen (vergleiche auch den Artikel "Mit Mikrorissen fängt es an", in FLIESEN & PLATTEN 10/09, Seite 2631).

Grenzwerte zur Belegreife-Bestimmung haben sich bewährt

sachverstaendigentage_2010_2.JPG
Weitgehend einig waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion darüber, wann ein Zementestrich belegreif ist. Lediglich Dr. Oliver Schippel (3. von rechts) vertrat die Auffassung, er könne unabhängig von der Restfeuchte nach 28 Tagen mit Fliesen oder Platten belegt werden.

Über das Thema CM-Messung und die Einschätzung der Belegreife bei Zementestrichen wurde in einer Podiumsdiskussion engagiert debattiert. Teilnehmer waren Bernd Stahl und Hans-Willibert Ramrath für den Technischen Ausschuss des Fachverbandes, Oliver Erning vom ibf in Troisdorf, und Werner Hagemann, Mario Sommer, Walter Mauer und Dr. Oliver Schippel als Vertreter der Bauchemie. Dabei war die Auffassung Konsens, dass sich der Wert von 2,0 CM-% bewährt habe und beibehalten werden solle. Mit einer Ausnahme: Dr. Oliver Schippel von der PCI befand, ein Zementestrich sei nach 28 Tagen belegreif, und zwar unabhängig von seiner Restfeuchte.

Die anderen Vertreter der Bauchemie waren sich dagegen darin einig, dass das Schadensrisiko umso geringer ist, je trockener der Estrich ist. Ein Abweichen vom derzeit gültigen CM-Grenzwert sei nur genau definierten und kontrollierten Bedingungen zulässig. Hagemann nannte zum Beispiel eine genaue Kenntnis des Estrichs, seine Vorbereitung, eine abgestimmte Grundierung, Planung der und Ausführung der Dehnfugen, Schließen der Scheinfugen, Einsatz verformungsfähiger Dünnbettmörtel und Entkopplungssysteme. So soll das höhere Risiko durch die zu erwartende Verformung des noch nicht belegreifen Estrichs ausgeglichen werden. "Sonderlösungen funktionieren, wenn die genau zu definierenden Randbedingungen eingehalten werden", sagte Hagemann.

Über diese und weitere Themen werden wir in der kommenden Ausgabe von FLIESEN & PLATTEN ausführlich berichten.

zuletzt editiert am 11. März 2021
Newsletter