Gestaltungswerkstatt – Ein Raum, der mehr als dreimal so lang wie breit ist, bedarf mehrerer architektonischer Tricks, um Wohlgefühl zu erzeugen. Gepaart mit ausdrucksstarken Farben und Einrichtungselementen kann aber auch hier ein stimmungsgeladener Raum entstehen, der eine eigene Aussage entwickelt. (Foto: Andrea Stark)
Ein Gäste-WC in einem traditionellen Stadthaus weist neben der „Breite“ von 113 Zentimetern eine extreme Länge von 385 Zentimetern auf. Eine Verkürzung des Raums hätte eine ungewollte Zerklüftung im davor liegenden Eingangsbereich nach sich gezogen und wurde schnell wieder verworfen. An der Kopfseite des Raums sitzt das Fenster und hat damit eine zusätzliche Problematik aufgeworfen.
Um die Langstreckung zu unterbrechen, sollte die Kopfseite des Raums akzentuiert werden. Mit Form und Farbe kann und sollte man überschwänglich arbeiten, um diese Wand optisch auf den Betrachter vorrücken zu lassen. Im Bereich Gäste-WC bot sich dazu die Waschtischanlage an. Durch die Fensterposition wurde die herkömmliche Position des Spiegels über der Waschgelegenheit zunichte gemacht. Da man bereit war, auf die gewohnte Kombination zu verzichten, konnte die Idee der Inszenierung des Waschplatzes weitergesponnen werden.
Eine ungewöhnlich hohe Waschschale, die durch ihre Formgebung sowie die Farbgestaltung die Blicke auf sich zieht, begeistert(e) die Bauherrin. Die Schale wird im asiatischen Spa-Bereich gerne angewendet, da dort das Waschritual mit einer großen Wassermenge gepaart ist. In diesem Gäste-WC hat das weniger Bedeutung. Die Außengestaltung der Schale allerdings macht sie zum Star des Raums. Innen matt Weiß gestaltet, wirkt die Außenfläche haptisch aufgeraut und in goldener Oberfläche umso mehr. Um beides in Szene zu setzen, wird sie von zwei keinen LED-Spots seitlich angestrahlt.
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