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Abdichtung angrenzender feuchteunempfindlicher Bauteile

(Foto: Codex)

Normenreihe Bauwerksabdichtungen, Änderungen
Foto: Codex

Die Abdichtung feuchteunempfindlicher Untergründe im Duschbereich ist nicht verpflichtend. Trotzdem gibt es Stimmen, die dafür plädieren.

Michael Schmidt-Driedger: Herr Schmidt sie sind ja auch Fliesenleger. Wenn Sie einen Duschbereich zu fliesen hätten und dort wäre jetzt kein feuchteempfindlicher Untergrund, beispielsweise ein Zementputz, würden Sie auf die Abdichtung verzichten?

Thomas Schmidt: Keinesfalls. Ich würde auch in dem Bereich immer eine Abdichtung vorsehen, zumal wir ja daran denken müssen: Selbst wenn wir feuchtigkeitsunempfindliche Bauteile im Wandbereich haben und feuchtigkeitsempfindliche Bauteilschichten unter dem Estrich, muss sowieso ein Dichtband installiert werden. Bei der W2-I-bodenebenen Dusche haben wir zwar keine Wasseranstauung in dem Sinne, aber trotzdem muss ich damit rechnen, dass zeitweise doch das Wasser auf dem Belag auftritt und Kapillarprozesse nicht auszuschließen sind. Das heißt also, dass über die Fugen Wasser in den Untergrund hinein transportiert werden kann.

Michael Schmidt-Driedger: Sie sprachen jetzt gerade von W2-I, also einer bodengleichen Dusche …

Thomas Schmidt: … mit W1-I im Wandbereich. Bei feuchtigkeitsunempfindlichen Untergründen brauche ich keine Abdichtung, aber ich muss trotzdem, wenn Dämmschichten drunter sind, ein Dichtband installieren, und hätte im Übergangsbereich, wenn ich jetzt über fünf Zentimeter rede, immer die Gefahr, dass ein Kapillartransport stattfindet und Feuchtigkeit in den Untergrund somit eindringen kann. Demzufolge würde ich niemals auf eine Abdichtung verzichten, auch im Wandbereich.

Michael Schmidt-Driedger: Aber es ist eine Kann-Bestimmung, wenn ich das richtig verstanden habe.

Thomas Schmidt: Ja. Aber, wie Herr Voos bereits sagte, man muss sich vorab über die  Wassereinwirkung im Klaren sein. Beispielsweise wird eine Dusche im häuslichen Bad bei einer Familie mit drei Töchtern möglicherweise stärker frequentiert als in einem Tennisclub. Die Verantwortung liegt bei jedem Planenden selbst, und der muss sich dessen bewusst sein. Bei den Verarbeitern reden wir zwar immer von Fachbetrieben, die im Fachverband organisiert sind. Dabei handelt es sich aber um eine relativ überschaubare Menge und die Dunkelziffer derer, die sich der Tragweite dessen, was hier drinsteht, nicht bewusst ist, ist entsprechend hoch. Auch die gilt es zu erreichen und zu sensibilisieren.

Rudolf Voos: Wir haben für diesen angrenzenden Bereich W1-I, der als Ausnahme zu sehen ist, auch festgelegt, dass nichts in die Unterkonstruktion eindringen darf. Entsprechend ist in jedem Fall im Wand-Boden-Bereich, wenn die Wand belastet ist, ein Dichtband einzuarbeiten, sodass dort in wasserempfindliche Schichten oder  Dämmschichten nichts eindringen kann. Die Regelung, dass eine wasserunempfindliche Wand in einem gering belasteten Bereich nicht unbedingt abgedichtet werden muss, geht auf eine Untersuchung zurück, die Professor Oswald in den 80er Jahren durchgeführt hat und die meines Wissens die einzige Untersuchung ist, die überhaupt im Innenraum bezüglich der Abdichtungen gemacht wurde. Dabei wurden 7.000 oder 8.000 Bäder untersucht, die nicht abgedichtet worden waren, ohne dass bei diesen Badezimmern Schäden festgestellt worden wären.

17.01.2018