Erstmals veranstaltete das in diesem Jahr neu gegründete Fliesenforum Nord im Hotel Böttcherhof in Hamburg eigene Fliesentage für die Mitgliedsbetriebe der norddeutschen Fliesenfachgruppen und Landesverbände. Mehr als 80 Teilnehmer und neun Aussteller folgten in einer lockeren, kommunikativen Atmosphäre den Vorträgen auf den 1. Fliesentagen Nord. Michael Henke (Fotos: FLIESEN & PLATTEN)
Im Mittelpunkt der Referate stand die Fachtechnik. Doch auch andere Themen kamen nicht zu kurz: So berichtete der Leiter der Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Hauptzollamt Hamburg-Stadt, Lothar Dreves, über die Arbeit seiner Behörde und erläuterte wie schwierig es sei, handfeste Beweise für Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung zu ermitteln.
Fachliche Qualität aufrecht erhalten
Die Gründung des Fliesenforums Nord, dem die Fliesenfachgruppen aus den Landesverbänden Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt angehören, ist auch eine Reaktion auf die Novellierung der Handwerksordnung 2004. Das betonten die Landesfachgruppenleiter Hamburgs, Stefan Bormann, und Niedersachsens, Rolf Dipp, in ihren einführenden Vorträgen. Es gehe darum, die fachliche Qualität im Fliesenlegerhandwerk aufrecht zu erhalten und auszubauen, um sich gegen unqualifizierte Betriebe abzusetzen. Hierzu zähle eine regelmäßige Fortbildung, die Förderung des Meistertitels und die Ausbildung von qualifiziertem Nachwuchs.
Dass das Fliesengewerbe Wissen und Können voraussetzt, wurde in den Fachvorträgen mehr als deutlich. Ausführlich wird FLIESEN & PLATTEN darüber in der November-Ausgabe, die Ende Oktober erscheint, berichten. So erläuterte zum Beispiel der Vorsitzende des Technischen Ausschusses im Fachverband Fliesen und Naturstein, Hans-Willibert Ramrath, die neuesten Änderungen in den technischen Regelwerken und stellte Fälle aus seiner Sachverständigentätigkeit vor. Walter Mauer, Leiter Anwendungstechnik bei Mapei, nahm sich des Themas Großformate an.

Zeugen gesucht
Aber es wurde auch über den Tellerrand hinausgeblickt. Lothar Dreves, Leiter der Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Hauptzollamt Hamburg-Stadt, gab einen Einblick in die Arbeit seiner Behörde, erläuterte ihre Aufgaben, Rechte und Pflichten. Er ging dabei auch auf das Problem ein, dass für Selbstständige nicht der Mindestlohn gilt. Sehr schwer sei es eine Scheinselbstständigkeit nachzuweisen, da der Unternehmer nicht einmal Betriebsräume und so weiter nachweisen müsse. Festzustellen sei eine Scheinselbstständigkeit vom Rentenversicherungsträger.
Dreves ging auch darauf ein, dass es mehr Anzeigen und Hinweise gebe, als seine Behörde mit circa 130 Mitarbeitern bearbeiten könne. Umso wichtiger sei es, qualifizierte Hinweise zu bekommen und die Bereitschaft, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen. Denn ohne verlässliche Zeugen lägen oft keine ausreichenden Beweise für Schwarzarbeit oder illegale Beschäftigung vor.
Bundesweit wurden 2009 insgesamt 104.000 Strafverfahren wegen Schwarzarbeit oder illegaler Beschäftigung abgeschlossen. Bei einer Schadenssumme von 624,6 Millionen Euro beliefen sich die verhängten Strafen summiert auf 1.813 Jahre Freiheitsentzug und 55,3 Millionen Euro Bußgelder.
Fazit
Nach dem verheißungsvollen Start sollen die Fliesentage Nord zukünftig regelmäßig stattfinden, wahrscheinlich im Zweijahresrhythmus. Einen kleinen Wertmutstropfen gab es dennoch: Von den eingeladenen Planern, Architekten, Behördenvertretern und Vertretern der Wohnungswirtschaft war keiner der Einladung gefolgt.