Der Architekturwettbewerb Grand Prix des Herstellers Casalgrande Padana zeigt alle drei Jahre, wie Bauschaffende die Keramikfliese in Objekten sehen.
Der 13. Grand Prix führte vor Augen, dass die warmen Farben der vergangenen Jahre in den kreativen Köpfen angekommen sind, ohne dass klassische Kombinationen Glas, Sichtbeton und grauer Fliese ihre Bedeutung eingebüßt haben.
War man es von dem italienischen Fliesenhersteller bisher gewohnt, sich für die Verleihung seines Architekturpreises Grand Prix in einer prächtigen Location in einer der bekannten Zentrallagen Italiens einzumieten – sei es Florenz, Mailand oder Rom – lud das Unternehmen zur Feier des 13. Grand Prix Anfang Dezember 2025 an den eigenen Hauptsitz nahe Casalgrande, wo man zeitgleich das neue Auditorium fertiggestellt hatte, das der Zeremonie einen ebenso zweckmäßig wie auch würdigen Rahmen verlieh. Eine echte Bereicherung war in diesem Jahr das Konzert des international bekannten Querflöten-Solisten Andrea Griminelli, der zum Abschluss der Veranstaltung die Teilnehmer mit seiner Musik und seiner Technik beeindruckte und den Abend mit Momenten des Zuhörens und des Nachdenkens zum Abschluss brachte.
Der Architekturpreis Grand Prix wird alle drei Jahre verliehen und kann mit seiner 13. Ausgabe auf eine fast 40-jährige Geschichte zurückblicken. Er gilt als der seit längstem bestehende und umfangreichste Preis dieser Art mit der höchsten Dotierung in der italienischen Fliesenindustrie.
Produkte und Begeisterung
Der Präsident der Casalgrande Padana, Franco Manfredini, bezeichnete in seinem Impulsreferat den Grand Prix als „erfolgreichen Weg“. Dieser würde durch die Produkte und die Begeisterung der Architekten ermöglicht, die Jahr für Jahr ihre Projekte vorstellen. „Sie sind es, die uns die Energie und Inspiration vermitteln, um weiter zu wachsen und unser Engagement für die Innovation von Produkten und Dienstleistungen voranzutreiben.“
Auch in diesem Jahr wurden insgesamt über 100 fertiggestellte Projekte in den Wettbewerb eingereicht. Die Auswahl der Gewinner obliegt einer internationalen Jury bestehend aus Architekten, Kritikern, Dozenten und Vertretern der Fachpresse unter dem Vorsitz von Franco Manfredini.

Beurteilung: Qualität, Konzept und Keramik
Bei der Beurteilung der Projekte legt die Jury im Wesentlichen drei Kriterien zu Grunde: Neben der Qualität der architektonischen Lösung sind dies die Verbindung von planerischem Konzept und der Umsetzung sowie der bewusste Einsatz des keramischen Materials des Herstellers Casalgrande Padana an repräsentativer Stelle. Der Preis wurde in diesem Jahr in den drei Kategorien „Große Oberflächen und Fassadenverkleidungen“, „Bürogebäude, Geschäftsgebäude, öffentliche Gebäude und Dienstleistungsgebäude“ und „Wohngebäude“ verliehen.
Fliesen für mehr Ausdruckskraft
Zusammenfassend lässt sich bei Durchsicht der in diesem Jahr prämierten Objekte sagen, dass die keramischen Produkte nicht nur einen für die Ausdruckskraft der Gebäude entscheidenden Beitrag zu leisten verstehen. An den verwendeten Produkten lassen sich auch die aktuellen Trends der vergangenen Jahre häufig gut erkennen: Die gilt zum Beispiel für die Verwendung von Beige, aber auch Terrakotta sowie Terrazzooptiken.

Fliesen: Museal für Monumente
Der erste Preis in der Kategorie „Große Oberflächen und Fassadenverkleidungen“ ging an die beiden italienischen Architekten Andrea Grimaldi und Filippo Lambertucci für das „Projekt U – Bahnstation Kolosseum Fori Imperiali“. In der Begründung wurde vor allem auf den grauen Fliesenbelag am Boden und an der Wand hingewiesen, der die Größe des Raumes unterstreicht. Für eine bessere Orientierung der Besucher wurde Hinweise und Pläne sandgestrahlt in die Keramik aufgebracht, dies schaffe einen musealen Charakter mit bezaubernder Wirkung, der zugleich auf die historischen Monumente über der Metro-Station verweise.

Grau: klassische Komposition – kompositorische Klarheit
Neben den neuen Farbtrends mit hoher Naturaffinität bilden Planer auch klassische Kompositionen in grauen Farbtönen an repräsentativen Orten weiter ab. Ein Beispiel hierfür ist der Humanitas Campus Pieve Emanuele in Mailand, der, umgeben von einer Glasfassade, eine Sichtbetondecke mit Trägerelementen aus Holz mit einem Boden in Feinsteinzeug in grauen Farbnuancen zu einem Interieur von großer kompositorischer Klarheit zusammenfügt.
Bei den neuen Schulgebäuden in der piemontesischen Gemeinde Busca – 3. Platz dieser Kategorie - würdigte die Jury die Verwendung von dreidimensionalen Keramikfliesen in den beiden Farben Silber und Blau bei der Verkleidung der Fassaden der neuen Schulbauten. Die keramische Fassade verleihe den Gebäuden eine „schillernde“ Ausstrahlung.

Linear plus Vielfalt
In der zweiten Kategorie „Bürogebäude, Geschäftsgebäude, öffentliche Gebäude und Diensleistungsgebäude“ ging der erste Preis an die neue Oberschule im norditalienischen Alpago in der Provinz Belluno. Das Projekt überzeugte die Jury durch die formale und farbliche Kontrastwirkung von Architektur und Fliesen. Der lineare Baukörper, dessen Außenhülle in Ziegelfarbe gestaltet ist, fügt sich in die dahinterliegende Bergkulisse ein. Der im Innern gewählte Terrazzo-Boden nimmt die ihn umgebenden Grau- und Erdtöne spielerisch auf und erzeugt so eine effektvolle Unregelmäßigkeit, welche die Strenge der Gesamtarchitektur als Kontrapunkt ergänzt.
Farben: Ausdruck und Orientierung
Die farbliche Ausdruckskraft der Fliese kam auch bei anderen Projekten zum Tragen: So zum Beispiel bei einem Wohnbau in Caserta, wo die keramische Fassade Abstufungen, Vorsprünge und Vertiefungen farblich unterstreicht, oder auch bei der U-Bahnstation „REM Stations“ im kanadischen Montreal, wo Beige- und Grautöne helfen, Durchgangs- und Wartebereiche zu definieren. Beide Projekte fanden in der Kategorie „Große Flächen und Fassaden“ Erwähnung.

Ebenso unterstrich die Jury die aktuelle Gestaltung des Bodens des Pontifikalen Orient-Instituts in Rom: Beigetöne und Dielenformate in Holzoptiken verleihen der Bodenfläche hier ein modernes Gestaltungspotential.

Große Formate – edle Grafiken
Ein Projektbeispiel mit sehr großen Formaten und edlen Grafiken ist das Wellcenter „Ironmonger Row Bath SPA“ in London, das nach einer radikalen Renovierung ausdrucksstarke und hochwertigste Verkleidungen in Szene setzt, um die verschiedenen Räumlichkeiten und deren Funktion hervorzuheben. Das gelungene Interieur brachte dem Projekt den dritten Platz in der Kategorie „Büro- und Dienstleistungsgebäude“.
Luxuriöses Wohnen: Linear in der Landschaf
In der Kategorie „Wohngebäude“ wurde drei luxuriöse Locations ausgezeichnet, deren Ausstattung mit großformatigen Verkleidungen die Linearität der Bauten und ihre harmonische Einbettung in die jeweilige Landschaft – den Gardasee, die Umgebung um Siena sowie einen urbanen Standort in Stettin – unterstreicht.
Der als „Labor“ für keramische Evolutionen und deren Anwendungen geborene Grand Prix präsentierte sich in seiner 13. Ausgabe als „Heimspiel“ am Standort der Casalgrande Padana. Die ausgezeichneten Projekte verdeutlichten auch in diesem Jahr eindrucksvoll die Anwendungen keramischer Böden und Verkleidungen in öffentlichen Räumen. Die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten und einmal mehr der Reichtum der Keramikfliese, ihre Wandelbarkeit und ihre Kultur unterstrichen einmal mehr den erfolgreichen Weg, den die Fliese in den vergangenen Jahrzehnten dank kontinuierlicher Innovationen und Investitionen zurückgelegt hat.