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Beschlossen: die Rückkehr zur Meisterpflicht!

Die Meisterpflicht für zwölf Handwerke, darunter Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, wurde im Deutschen Bundestag wieder eingeführt. (Foto: Henning Granitza)

Wiedereinführung Meisterpflicht, beschlossen
Bei dem Gesetzentwurf, es gehe es laut Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) um Wertschätzung für das Handwerk, aber ebenso „um Qualität, Qualifizierung und um die Zukunft der Betriebe“. (Foto: Henning Granitza)

„Der Bundestag hat sich für einen Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung der Handwerksordnung und anderer handwerksrechtlicher Vorschriften ausgesprochen. Der Entwurf wurde in einer vom Wirtschaftsausschuss geänderten Fassung mit breiter Mehrheit bei Enthaltung von Bündnis 90/Die Grünen angenommen. Der Bundesrat hatte gegen den Gesetzentwurf keine Einwendungen erhoben. Abschließend wurde ein von den Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD vorgelegter wortgleicher Gesetzentwurf für erledigt erklärt“, heißt es offiziell auf der Internetseite des Deutschen Bundestags.

Große Erleichterung

„Für uns geht ein langer Weg zu Ende, den wir direkt nach der Abschaffung der Meisterpflicht im Jahr 2004 begonnen haben zu gehen: Nichts unversucht zu lassen, um den Meister zurückzuholen. Der Fachverband Fliesen und Naturstein mit seinen Fachgruppen, Innungen und Mitgliedern hat unermüdlich auf die Folgen der Abschaffung hingewiesen. Es hat sich gelohnt und es hat gezeigt, dass eine Berufsorganisation wie die unsere etwas Großartiges erreichen kann. Es ist uns aber vor allem gelungen, weil unser organisiertes Handwerk auf allen Ebenen zusammen gekämpft hat. Das ist einfach großartig und verdient meinen großen Dank an alle Beteiligten“, erklärte Karl-Hans Körner, Vorsitzender des Fachverbands Fliesen und Naturstein im Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), unmittelbar nach der Entscheidung. „Nun heißt es für uns, nach vorne zu schauen! Wir freuen uns auf die neuen Meister in unserem Handwerk, die das Qualitätsniveau langfristig auf hohem Niveau sichern. Wir sind schon seit einiger Zeit dran, die Meisterprüfungsverordnung zu aktualisieren, um die aktuellen Entwicklungen in unserem Handwerk einzubinden.

Karl-Hans Körner
Karl-Hans Körner, Vorsitzender des Fachverbandes Fliesen und Naturstein (Foto: msd)

Die wieder eingeführte Meisterpflicht gibt jungen Menschen eine gute Perspektive, ihren Weg in unserem Handwerk zu gehen, denn wir bieten vielfältige und abwechslungsreiche Aufgaben und gute Aufstiegschancen. Aber wir geben auch denen eine Chance, die derzeit ohne Meistertitel in der Handwerksrolle eingetragen sind. Sie sollen sich modular über unser Qualifizierungsprogramm Zert-Fliese dem Niveau der aktualisierten Meisterprüfungsverordnung anpassen können. Letztlich geht es darum, dass sich gute Qualität durchsetzt.“

Auch Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB, begrüßt die Entscheidung: „Mit seinem heutigen Beschluss stärkt der Bundestag Handwerk und Mittelstand in der Bauwirtschaft: Der Meistertitel ist essentiell wichtig, um die Qualität und Sicherheit der Bauausführung sowie der beruflichen Bildung zu erhalten. Daher begrüßen wir ausdrücklich, dass heute ein weiteres Etappenziel auf dem Weg zur Wiedereinführung der Meisterpflicht für einige Gewerke erreicht ist. Nun ist der Bundesrat aufgefordert, dem Gesetzesvorschlag ebenfalls zuzustimmen. Damit kann ein politischer Fehler aus den Jahren 2003/2004 korrigiert werden.“

Zur Verabschiedung der Wiedereinführung der Meisterpflicht äußert sich ebenfalls der Präsident der Dachorganisation des nordrhein-westfälischen Handwerks, Handwerk.NRW, Andreas Ehlert: „Die Entscheidung des Gesetzgebers zur Wiedereinführung einer Meisterpflicht in zwölf Handwerksberufen ist ein ausgewogener Kompromiss und ein starkes Signal für Qualität und Qualifikation im Handwerk – ein großer Erfolg. Richtig ist, dass das Kriterium der Gefahrengeneigtheit im Mittelpunkt steht – das ist das auch europa- und verfassungsrechtlich tragende Argument.

Dem Handwerk ist an Qualitätssicherung, nicht an Marktabschottung gelegen. Qualität der handwerklichen Leistungen und die Bestandsfestigkeit von Unternehmen sind wichtig für einen funktionierenden Leistungswettbewerb und damit für den Verbraucherschutz. Verschiedene Berufe haben sich in den vergangenen 15 Jahren stark verändert. Von daher ist es absolut richtig, dass der Gesetzgeber nun entschieden hat, den Verbraucherschutz und das Qualifikationserfordernis neu zu gewichten und zu stärken.

Unser Wirtschaftsbereich ist jetzt auch selbst gefordert, Meisterfortbildungsgänge neu zu entwickeln und Prüfungsinfrastruktur bereitzustellen. Wir gehen davon aus, dass wir möglicherweise weniger, dafür aber qualitativ bessere und nachhaltigere Gründungen haben werden. Für die derzeit am Markt tätigen Unternehmen ändert sich nichts. Sie genießen Bestandsschutz.“

Das sind die zwölf Gewerke mit wiedereingeführter Meisterpflicht: Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer, Parkettleger, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Glasveredler, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Raumausstatter sowie Orgel- und Harmoniumbauer.

Alle Infos zu dem Beschluss finden Sie hier.

www.bundestag.de

www.zdb.de

12.12.2019

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