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Von alten Fliesen und neuem Bauvertragsrecht

Beim diesjährigen Herbstseminar des Euro-FEN drehte sich vieles um Zementmosaikfliesen und die Tücken des neuen Bauvertragsrechts. Daneben wurden aber auch Themen wie Schimmel, Rutschhemmung oder die Schnittstellenkoordination im Bad behandelt. (Foto: msd)

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Beim Seminar am 6. und 7. Dezember 2019 folgten die Teilnehmer aufmerksam den Ausführungen der Referenten. (Foto: msd)

Wer die Sachverständigentreffen des Euro-FEN in Raesfeld kennt, weiß, dass einiges dazugehört, sich dort als Industrievertreter den kritischen Fragen der Teilnehmer auszusetzen. Als besondere Erschwernis kommt noch hinzu, wenn es sich dabei um ein Produkt handelt, das in der Fachwelt polarisiert. Beide Bürden hatte Oliver Grimm von Via Platten aus Bacharach zu tragen, stellte er doch am ersten Dezember-Wochenende die Verlegung von Zementmosaik- und Terrazzoplatten in den Mittelpunkt seines Vortrags. Jene Platten, die für den einen künstlerische Unikate und Reminiszenzen an das 19. und frühe 20. Jahrhundert sind, für andere ein problematisches, schadensträchtiges Baumaterial darstellen.

Um es vorweg zu nehmen: Grimm, Fliesenlegermeister und Anwendungtechniker, zog sich mehr als achtbar aus der Affäre. Er konnte die überwiegende Anzahl der bohrenden Fragen beantworten und den Sachverständigen vermitteln, dass es sich bei Zementmosaikplatten eben nicht um Massenprodukte handelt, sondern um einen besonderen Baustoff mit Eigenheiten, die – wenn diese beachtet werden – nicht zwingend zu Mängeln führen müssen. Oliver Grimm rief den Anwesenden ins Gedächtnis, dass es sich um Platten handle, die keine CE-Kennzeichnung besitzen und keiner Norm unterliegen. Deshalb ist den Herstellerangaben unbedingt Folge zu leisten, will man nicht den Verlust der Herstellergarantie riskieren. Dazu zählt beispielsweise die ausschließliche Verwendung des Via-Klebers. Auch sind Zementmosaikplatten nicht für den Dauernassbereich geeignet.

Für eine schadensfreie Verlegung empfahl Grimm den Besuch eines firmeneigenen Workshops oder zumindest das Anschauen der Verlegevideos, die auf der Via-Seite im Internet zu finden sind.

Neues Bauvertragsrecht mit Tücken

Auf die Tücken des neuen Bauvertragsrechts wies der Rechtsanwalt Götz Michaelis aus Werne hin. So machte er die Seminarteilnehmer darauf aufmerksam, dass sich nicht nur die Lieferantenhaftung verschärft hat – seit dem 1. Januar 2018 muss der Lieferant nicht nur schadhafte Materialien ersetzen, sondern er haftet auch für Aus- und Einbau- sowie mögliche Folgekosten. Auf der anderen Seite wurde nach § 377 HGB die Rügepflicht verschärft: Reichte es bislang aus, angelieferte, mangelhafte Ware innerhalb von drei bis fünf Tagen zu reklamieren, bleiben dem Handwerker heute nur noch zwei Tage Frist. Ein weiterer Hinweis betraf § 362 HGB und das darin formulierte kaufmännische Bestätigungsschreiben. Bei falschen Angaben in der Auftragsbestäitgung gilt demnach das Schweigen des beauftragenden Unternehmers als Bestätigung!

Weitere Informationen zum Seminar erhalten Sie in Ausgabe 2/2020 von F+P, die am 22. Januar 2020 erscheinen wird.

11.12.2019

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