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Rechnungen im B2B-Geschäft länger überfällig

In der Corona-Krise zahlen Kunden später: Die Zahlungsverzögerungen haben im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Das kann weitreichende Konsequenzen haben – denn die Kreditgeber und Lieferanten der Unternehmen haben in der Regel ihre Zahlungsziele gekürzt. (Abb.: Creditreform)

Abb.: Creditreform
Die Rechnungen, die das Baugewerbe seinen Lieferanten zu spät begleicht, sind im 1. Halbjahr 2019 um 42,9 Prozent höher als vor vier Jahren. (Abb.: Creditreform)

Wenn Kunden später zahlen, stehen Lieferanten und Kreditgeber vor steigenden Risiken. Eine Analyse auf Basis des Creditreform Debitorenregisters Deutschland (DRD), für die rund 3,5 Millionen Rechnungsbelege ausgewertet wurden, zeigt: Der durchschnittliche Zahlungsverzug im B2B-Geschäft hat sich im 1. Halbjahr 2020 auf 10,82 Tage erhöht (2. Halbjahr 2019: 10,69 Tage). Das gilt vor allem für Geschäftstransaktionen mit der Chemieindustrie und der Grundstoffbranche. Das Baugewerbe geriet durchschnittlich 16,35 Tage in Verzug (im Vorjahreszeitraum 16,16 Tage).

Knapp 43 Tage bis zum Zahlungseingang

Von der Rechnungsstellung bis zur Zahlung vergingen in den ersten sechs Monaten des Jahres rund 42,88 Tage, etwas weniger als im Vorjahreszeitraum (43,11 Tage). Im Schnitt erhält der Leistungserbringer also nach 1,5 Monaten sein Geld. In den zurückliegenden Monaten hat die Kürzung der Zahlungsziele durch die Lieferanten von 32,33 (1. Halbjahr 2019) auf 32,06 Tage (1. Halbjahr 2020) einen Anstieg der Außenstandsdauer verhindert. Debitoren aus industrienahen Bereichen wie Chemie, Grundstoffe und Metall/Elektro, die in der Corona-Krise stark betroffen sind, verursachten gegen den Trend aber längere Forderungslaufzeiten, was die Liquidität ihrer Kreditgeber im Gegenzug belastete.

Der durchschnittliche Betrag verspätet bezahlter Rechnungen erhöhte sich außerdem weiter. Besonders bei Geschäften mit dem Baugewerbe und dem Einzelhandel stiegen die Werte stark: Um 42,9 Prozent oder 348 Euro erhöhte sich der Betrag der Rechnungen, die das Baugewerbe verspätet zahlte, im Vergleich zu 2016 – das bedeutet für die Gläubiger ein erhöhtes Risiko für den Fall, dass diese Zahlungen ausfallen sollten. Gemessen an anderen Wirtschaftbereichen ist das Forderungsvolumen gegenüber dem Baugewerbe aber gering: Es beträgt nur 7,5 Prozent und hat damit sogar um ein Prozent abgenommen.

Kreditgeber reagieren mit Kürzung der Zahlungsziele

Damit droht eine Kettenreaktion bis hin zu vermehrten Insolvenzen. Um den gestiegenen Ausfallrisiken entgegen zu wirken, haben Kreditgeber und Lieferanten ihre Zahlungsziele bereits gekürzt. Dem Baugewerbe wurde im ersten Halbjahr 2020 durchschnittlich ein Zahlungsziel von 27,44 Tagen eingeräumt, etwas kürzer als im Vorjahr (27,91 Tage). Insbesondere kleine Unternehmen mit kürzerem Zahlungsziel gerieten länger in Verzug als mittlere Unternehmen mit längerem Zahlungsziel. Großunternehmen erzeugten durch das deutlich längere Zahlungsziel die längste Forderungslaufzeit von 45,27 Tagen. Das dürfte den Erhalt der Zahlungsfähigkeit beim Leistungserbringer, der in Vorleistung gehen muss, erschweren. Mit 63,5 Prozent stellen Großunternehmen den Löwenanteil am gesamten Forderungsvolumen. Zudem haben Rechnungen, die zu spät gezahlt wurde, einen höheren Wert als in den Vorjahren, was die Liquiditätskosten der Lieferanten erhöht.

www.creditreform.de

10.09.2020

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