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Fliesenleger äußern sich zur Corona-Krise (Teil 4)

Optimismus, Solidarität, gegenseitige Unterstützung – und ein virtueller Fliesenstammtisch. Andre Effing von Fliesen Effing und Tino Klug von Klug Fliesen sind weiter positiv gestimmt. (Fotos: Effing/Klug)

Corona, Fliesenleger, Zuversicht
Fliesenlegermeister Andre Effing (Foto: Effing)

„Arbeitstechnisch läuft es bei uns gut. Wir haben genug Material und Aufträge, sodass wir bis Ende Mai ausgelastet sind“, beschreibt Andre Effing von Fliesen Effing aus Ahaus die Situation in seinem Unternehmen. „Wir haben den Vorteil, dass wir hauptsächlich GU-Aufträge haben und wenig Privatkunden. So können wir auf den Baustellen den Kontakt zu anderen vermeiden. Wir haben bereits vor über drei Wochen auf Zweitteams umgestellt, die permanent zusammen arbeiten, und unser Büro wurde für Außenstehende und Mitarbeiter geschlossen. Wir kommunizieren ausschließlich über Telefon oder Tablet. Vor fünf Jahren habe ich damit gestartet, die Digitalisierung meines Betriebs voranzutreiben. Seit 2019 hat jeder meiner Mitarbeiter – vom Lehrling bis zum Lagerarbeiter – ein Tablet, über das beispielsweise die digitalen Baumappen abgerufen werden können. Dass wir darauf zurückgreifen und damit arbeiten können, ist in dieser speziellen Situation ein unschlagbarer Vorteil und gewährleistet, dass wir das Risiko so niedrig wie möglich halten.

Auch wenn wir momentan ausgelastet sind, ist es in Bezug auf neue Aufträge sehr ruhig geworden. Wenn die Situation sich bis Mai nicht ändert, würden die nächsten Schritte einen zehntägigen Urlaub und im Anschluss Kurzarbeit vorsehen. Diese Maßnahmen haben wir gemeinsam mit dem Team besprochen, wir sind in allen Belangen sehr transparent in unserem Unternehmen. Alle stehen hinter diesen Entscheidungen.

Die Kontaktsperre, die wir im Moment haben, ist richtig und scheint derzeit auch auszureichen. Wenn sich die Lage verschlechtern sollte, bin ich aber durchaus ein Befürworter für striktere Maßnahmen. In meinem Empfinden reagiert unser Land bisher gut, es wird informiert und besonnen gehandelt. Soforthilfe oder Kredite werden wir vorerst nicht beantragen müssen, natürlich werden wir die Lage Ende April und je nachdem Ende Mai noch einmal neu evaluieren.

Ich bin der Auffassung, dass wir gestärkt aus dieser Phase hervorgehen werden. Sicherlich ist es nachvollziehbar, dass viele Ängste haben, aber ich versuche, optimistisch und positiv zu bleiben. Mit Jan Kempf und rund 20 weiteren Unternehmern haben wir einen Fliesenstammtisch eingerichtet, mit dem wir uns virtuell einmal die Woche treffen – da sind wir auch bemüht, eine positive Haltung zu vertreten.“

Corona, Fliesenleger, Zuversicht
Fliesenlegermeister Tino Klug (Foto: Klug)

„Vorarbeit zahlte sich im Nachhinein aus“

„Wir haben schon relativ früh die Auswirkungen des Coronavirus zu spüren bekommen. Durch unseren Onlinehandel der Steinmine-Designmanufaktur haben wir auch Materiallieferanten aus China und Indien. Die zuständigen Mitarbeiter dieser Firmen schilderten mir ihre persönliche und firmeninterne Lage in China“, berichtet Tino Klug, Geschäftsführer von Klug Fliesen – Meisterbetrieb aus dem bayrischen Partenstein. „Deshalb war ich schon im Vorfeld sensibilisiert und machte mir meine Gedanken, wie wir reagieren, falls der Virus bei uns in Deutschland ankommen würde.

Nachdem die Ausgangssperre beschlossen wurde, wussten wir nicht, inwieweit unsere beiden gut laufenden Betriebe – der Fliesenlegerbetrieb, den wir seit sieben Jahren haben, und der seit zwei Jahren bestehende Steinmine-Onlineshop – darunter leiden werden. Selbstverständlich möchte niemand krank werden oder andere anstecken.

Wir haben die Baustellen im Außenbereich vorgezogen – da wir ein eigenes Gerüst haben und diese Arbeiten außen stattfinden, bringen wir weder unsere Kunden noch uns in Gefahr. Durch die Außenaufträge ist eine Auslastung für drei Wochen gewährleistet. Baustellen im Innenbereich haben wir nach Absprache mit unseren Kunden verschoben. Ich bin froh, dass alle Verständnis für die Lage hatten und die Umplanung akzeptierten.

Da ich im Februar schon aus China mit dramatischen Nachrichten konfrontiert wurde, habe ich mich in Bezug auf unseren Onlineshop bereits früh bemüht, Lösungen zu finden, um den Onlineverkauf aufrechtzuerhalten. Ich habe versucht, für die Steinmine eine spezielle Strategie im Onlinemarketing zu erstellen, um den Onlinevertrieb verstärkt nach vorne zu bringen.

Diese Vorarbeit zahlte sich im Nachhinein aus. Nach einem zweitägigen Kompletteinbruch Mitte März, in der Zeit, wo die Isolationsmaßnahmen in Deutschland verkündet wurden, entwickelte sich der Onlinevertrieb danach zunehmend positiv. Bisher läuft unsere Steinmine weiter und die Kosten sind vorerst gedeckt.

Grundsätzlich finde ich die Maßnahmen der Regierung einer Ausgangssperre und Kontaktverbot richtig, um das Virus einzudämmen. Ich bin dankbar, dass wir gesund sind und dass wir bisher fast keine wirtschaftlichen Einbußen verzeichnen. Ich finde es gut, wie sich in dieser Zeit auch die Fliesenlegerbetriebe – beispielsweise in Facebookgruppen – solidarisieren und sich gegenseitig unterstützen. Leider sind meiner Meinung nach die Hilfspakete der Regierung zu bürokratisch oder an Kredite angelehnt, als dass diese schnelle Hilfe verschaffen können. Deswegen hoffe ich, dass wir diese Krise bald überstanden haben und die Wirtschaft mit einem blauen Auge davonkommt.“

Sie haben Teil 1, Teil 2 und/oder Teil 3 noch nicht gelesen? Dann los, mit einem Klick auf den jeweiligen Teil finden Sie weitere Statements.

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02.04.2020