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Köbig-Inhaber Stefan Thurn verstorben

Mit dem frühen Tod von Stefan Thurn verliert die Unternehmenslandschaft in Mainz und bundesweit eine markante Persönlichkeit. Der 57-jährige geschäftsführende Gesellschafter des Mainzer Baubedarfsspezialisten verstarb am 26. August nach „kurzer, sehr schwerer Krankheit“, wie sein Bruder und Köbig-Mitinhaber Markus Thurn (56) mitteilte. (Foto: Köbig/BDB)

Stefan Thurn, Köbig-Gesellschafter (Foto: Köbig/BDB)
Stefan Thurn war sozial sehr engagiert und hat zuletzt in der Corona-Krise Mittagessen für seine Mitarbeiter organisiert. (Foto: Köbig/BDB)

Mit Stefan Thurn hat der auf den Großhandel mit Baustoffen, Produkte des Garten- und Landschaftsbaus, Fliesen und Haustechnik (Sanitär/Heizung) spezialisierte Vollsortimenter nicht nur eine treibende Kraft verloren. Mit seinem Ableben steht auch die fünfte Inhabergeneration, für die er und sein Bruder stehen, vor einer schwierigen Zukunftsaufgabe. Markus Thurn wird das Familienunternehmen nach eigenem Bekunden auf jeden Fall weiterführen.

Erfolgsgeschichte geschrieben

Seit der Geschäftsübernahme 1996 haben die Brüder eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Köbig – so betonte der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling zum 125-jährigen Jubiläum – sei „eine hoch angesehene Mainzer Traditionsfirma, die erfolgreiche Wirtschaftsgeschichte in dieser Stadt geschrieben“ habe.

Als Großhändler wurde Köbig schon immer wahrgenommen, aber Stefan und Markus Thurn modernisierten das Unternehmen von Grund auf und gaben ihm in vielerlei Hinsicht ein neues Gesicht. Mehr oder weniger an allen 13 Standorten in Rheinland-Pfalz, Hessen und Sachsen. Mit Investitionen im hohen zweistelligen Millionen-Bereich. Für einen Handelsbetrieb mit ihren traditionell geringen Gewinnmargen keine Selbstverständlichkeit.

„Helden des Mittelstands“

2019 verzeichnete Köbig einen Gruppenumsatz von rund 165 Millionen Euro. Die Corona-Krise hat auch bei Köbig laut Markus Thurn Spuren hinterlassen. Jedoch sei das Unternehmen mit einer beruhigenden Eigenkapitalquote von annähernd 50 Prozent ausgestattet. Auf Kurzarbeit und Entlassungen wegen der Corona-Krise verzichtete Köbig. Damit nicht genug: Mit ungewöhnlichen Maßnahmen (etwa Essen für Mitarbeiter und Auslandsspediteure) sorgte Köbig für Aufsehen, sodass die Firma vom Magazin „Wirtschaftswoche“ kurzerhand zum „Helden des Mittelstands“ erkoren wurde. Insbesondere Stefan Thurn, der die Essen persönlich bei einer Mainzer Metzgerei abholte, waren diese Hilfestellungen eine Herzensangelegenheit.

Als Fastnachtsprinz Menschen geholfen

Bereits rund 25 Jahre zuvor hatte der gebürtige Mainzer seine soziale Ader offenbart. Als Fastnachtsprinz der Mainzer Prinzengarde besuchte er mit seiner närrischen Gemahlin Inez Krämmer soziale Brennpunkte in der Stadt. Er machte somit auf Probleme aufmerksam. In der Folge gab es Spenden in sechsstelliger Höhe für mehrere soziale Projekte.

Sozial auf der einen Seite, aber auch durch und durch Unternehmer sowie Lobbyist andererseits. Im Herbst 2008 wählten die Mitglieder des seinerzeit neu gegründeten Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhändler (BDB) Stefan Thurn zum Präsidenten; er blieb es bis zu seinem Tod. Weil der BDB dem Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e. V. (BGA) angeschlossen ist, setzte er sich auch dort für die Interessen der eher mittelständisch aufgestellten aktuell rund 840 BDB-Mitglieder ein. Viele Themen waren für die Öffentlichkeit eher unspektakulär, aber für die Baustoffbranche teils von existenzieller Bedeutung.

Köbig-Zukunftsausrichtung sein letztes großes Projekt

Das Baustoffgeschäft, stets mit rund 50 Prozent Umsatzträger bei Köbig, war sein Metier. Hier reiste Stefan Thurn mit Mitarbeitern in die entlegendsten Regionen weltweit, um neue und qualitative Baustoffe zu kaufen. In den letzten Jahren forcierten er und sein Bruder nicht zuletzt die Anstrengungen zur Zukunftsausrichtung des Unternehmens. Stellvertretend dafür stehen Schlagworte wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit (wie etwa Baustoffe für eine bessere Wohngesundheit).

„Was Du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen“: Dieses Goethe-Wort benutzten die beiden Thurn-Brüder sehr oft. Auch deshalb wagten sie vor einem Vierteljahrhundert den mutigen Schritt in die unternehmerische Verantwortung. Ihr Vater (Hans-Jürgen Thurn), so erzählen sie, habe nur noch einmal in eine Geschäftsführungssitzung hereingeschaut, dann sei er dort nie mehr präsent gewesen. Jetzt hat auch Stefan Thurn die Tür zum Unternehmen und zum Leben für immer geschlossen.

www.koebig.de

01.09.2020

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