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FORUM 2015: Eine Welle der Begeisterung

Das FLIESEN & PLATTEN-FORUM in Köln begeisterte wieder einmal mehr als 350 Teilnehmer, die von nutzwertigen Fachvorträgen, einer spannenden Podiumsdiskussion sowie der ausgebuchten Fachschau und jeder Menge Zeit zum Netzwerken profitierten.

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Insgesamt neun Fachvorträge verteilt auf zwei Veranstaltungstage fanden im Maternussaal statt. (Foto: Marina Candel)

Frei nach dem Dichter Friedrich Schiller bot das Maternushaus in Köln auch 2015 wieder die „Bretter, die die Fliesen-Welt bedeuten“: Das 6. FLIESEN & PLATTEN-FORUM zählte am 26. und 27. Februar gut 350 Teilnehmer – Fliesenleger, Aussteller und Preisträger aus Handel und Industrie. Damit war das Maternushaus mit dem gleichnamigen Saal an beiden Veranstaltungstagen voll besetzt.

Das lag vor allem an den insgesamt neun Fachvorträgen sowie der mit Spannung erwarteten Podiumsdiskussion. Den Anfang der Vortragsreihe machte Susanne Ciampa, Fliesenlegermeisterin und Geschäftsführerin in zweiter Generation, mit dem Thema „Kunden zu Fans machen“. Ihr lebhafter Vortrag drückte sich nicht nur in ihrer Lautstärke und Tempo aus, sondern machte deutlich, wie sehr sie bei der Kundenbetreuung ihr Herz nicht nur auf der Zunge sondern auch am rechten Fleck trägt. „Zeigen Sie dem Kunden, dass sie sich wohl fühlen, in dem was sie tun und worüber sie sprechen“ lautete einer ihrer Erfolgsformeln für Kundebegeisterung. Wer sich als Fliesenhändler in seiner Beratung an den Schlagworten „Kontinuität“, „Zufriedenheit“, „Humor“ und „Idee“ orientiere, so Ciampa, „kann die Dinge für den Kunden außergewöhnlich machen“.

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Susanne Ciampa macht Kunden zu „Fans“. (Foto: fl)

Schmale Fugen können Verletzungsrisiko darstellen

Über zementäre Fugen aus Sicht eines Sachverständigen referierte Diplom-Ingenieur Bernd Stahl aus Leingarten. Stahl hat als Vorsitzender des technischen Ausschusses im Landesinnungsverband Fliesen Baden-Württemberg an der Erstellung und Ausarbeitung eines Hinweisblatts zur Ausführung zementärer Fugen mitgewirkt. In seinem Vortrag berichtete er über die Ausgestaltung sowie die Beweggründe für die Erstellung dieser Fachinformation. Beispielsweise ging es um die Frage, wie breit oder schmal Fugen sein müssen und welche Toleranzen es diesbezüglich gibt.

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Bernd Stahl widmete sich in seinem Vortrag unter anderem den zementären Fugen. (Foto: fl)

Die mitunter problematische Koordinierung der Gewerke von Fliesenleger und Installateur war Thema des Vortrags, den Fliesenlegermeister Markus Kohl aus Grünstadt hielt. Dabei machte er mit einem Vergleich zu Beginn auf die Problematik der gemeinsamen Baustelle aufmerksam: „Der Installateur hat das Wasser im Rohr, der Fliesenleger außerhalb des Rohres.“ Zudem beklagte Kohl, dass bei Schadenfällen oft „der Verleger die volle Gewährleistung tragen muss“.

Facebook kann das traditionelle Marketing erfolgreich unterstützen

FLIESEN & PLATTEN Multimedia-Redakteur Felix Lauther verglich zu Beginn seines Vortrags die traditionellen Kommunikationshilfsmittel wie das klassische Adressbuch, Telefon oder Post-its mit den entsprechenden Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter und Skype. „Was früher das Adressbuch mit Kunden, Händlern und der Industrie war, stellt heute die Vernetzung eines Facebook-Profils mit den ‚Freunden´ dar. Auf Post-its hinterlässt man Kurznachrichten im Büro, heute übernimmt das der Kurznachrichtendienst Twitter im Internet“. Die Zahl der Facebook-Nutzer weltweit entspreche, so Lauther weiter, der „Einwohnerzahl Chinas“.

Der zweite Teil seines Vortrags analysierte und bewertete den Facebook-Auftritt des jungen Fliesenlegermeisters Kevin Rost aus Bremerhaven, der aufgrund einer Grippe nicht selbst auf der Bühne stehen konnte. Social-Media-Experte Panagiotis Koukoudis füllte diese Lücke mit Bravour und berichtete aus seinem Vorgespräch mit Rost. Der norddeutsche Fliesenlegermeister habe so Koukoudis „mit seinen über 5.000 Likes eine Fanbase geschaffen, über die er lukrative Aufträge wie zum Beispiel von Ikea erhält und sein betrieblichen Account auch zur Mitarbeiter-/Azubi-Suche nutzt“.

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Prof. Jürgen Ulrich gab wertvolle Rechtstipps für die Abnahme der Baustelle. (Foto: Marina Candel)

Eine Abnahme ohne Vorbehalt ist eine Abnahme

Professor Jürgen Ulrich befasste sich als Bau-Rechtler in seinem Vortrag „Ohne Abnahme keine Kohle“ mit dem aktuellen Rechtsstand in diesem Bereich. Nach der Definition der Abnahme mit der Abnahmepflicht, den Wirkungen der Abnahme, den verschiedenen Abnahmeformen, der Teilabnahme und der unter Vorbehalt. „Die Abnahme ist als Hauptpflicht einklagbar“, erklärte Ulrich und wies weiter darauf hin, dass diese „nicht wegen unwesentlicher Mängel oder Fehlens unwesentlicher Restarbeiten verweigert werden“ könne.

Auch am zweiten Veranstaltungstag trat Bernd Stahl als Referent in Aktion. Diesmal berichtete er in seinem Vortrag über seine Erfahrungen als Sachverständiger bei Ortsterminen und vor Gericht. Er machte den Anwesenden deutlich, welche Auswirkungen das eigene Verhalten als betroffener Handwerksunternehmer im Verfahren haben kann. Ungeschicklichkeiten führten dazu, dass Verfahren verloren gingen oder sich daraus zumindest Nachteile für den Handwerker ergäben.

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Karl-Hans Körner erläuterte die Vorteile des Qualifizierungsprogramms „Zert-Fliese“. (Foto: Marina Candel)

Qalifizierung, Soka-Bau und ein Blick über den Fliesenrand

FFN-Vorsitzender Karl-Hans Körner ging mit seinen Ausführungen zur Zert-Fliese auf die Qualifikation im Fliesengewerbe ein. Zunächst fasste er die Entwicklung seit Abschaffung der Meisterpflicht kurz zusammen. Die negativen Folgen für das Fliesenlegerhandwerk zeigen sich bei Bauherren und Kunden durch mehr Schadensfälle und höhere Schadenssummen. „48 Prozent aller zwischen 2005 und 2009 erstellten Gutachten von Sachverständigen basierten auf Schäden aufgrund mangelnder Qualifikation der Verleger“, so der Landesinnungsmeister und Vorsitzende des LIV Baden-Württemberg.

Die Konsequenz heißt Zert-Fliese, das Qualifizierungsprogramm von Verlegern, Industrie, Handel und den Zulieferfirmen der Branche. – FLIESEN & PLATTEN berichtet laufend. Mit Zert-Fliese zeigen die Betriebe auf, dass sie qualitativ hochwertige Arbeiten leisten und Betriebsinhaber und/oder Mitarbeiter sich regelmäßig fortbilden. Die Wort-Bild-Marke können Teilnehmer, die auch FFN-Mitglied sind, als Marketinginstrument einsetzen, um ihre stetige Wissenserweiterung nach außen zu dokumentieren. – Zusätzlichen Applaus bekam Körner als er auf die Einführung einer Beitragspflicht von Einmannbetrieben zur Soka-Bau hinwies. Ab 1. April 2015 muss damit jeder Betrieb einen Mindestbeitrag von 900 Euro pro Jahr (unter Anrechnung des prozentualen Beitrags) in das Berufsbildungsverfahren einzahlen.

Zu einem Blick über den Fliesenrand lud Innenarchitektin Birgit Hansen ein. Sie stellte Materialvielfalt für Fliesenleger vor und machte deutlich, dass es neben Keramik und Naturstein auch ganz andere Beläge gibt, die man seinen Kunden zusätzlich anbieten kann. Von Leder über Edelstahloberflächen bis hin zu Lavagestein vom Fuße des Vulkans Ätna auf Sizilien, von Quarzwerkstoffen über Hölzer bis zu Kokosnussmosaik oder Resopal: Eines gilt für alle Materialien, sie gehören in Profihände!

Praxisbericht zum Komplettbad und das nächste FORUM fest gebucht

Den Schlusspunkt zu der facettenreichen Vortragsreihe auf dem FORUM setzte Innenarchitekt Andreas Schröder. Sein Beitrag trug den Titel „Komplettbad – aber richtig“. Eingeleitet wurde sein Praxisbericht von einem knapp fünfminütigen Film, den FLIESEN & PLATTEN gemeinsam mit ihm und der Firma Scholtes über mehrere Monate realisiert hatte. Das Video zeigt eine Badsanierung von der Planung über die Umsetzung bis zum fertigen Objekt.

Ingo Beyer, Fliesenleger und Inhaber von Fliesentechnik & Bauservice Ingo Beyer im hessischen Laubach, fasste den positiven Eindruck den das FORUM beim Gros seiner Teilnehmer hinterließ, so zusammen: „Die Veranstaltung ist professionell, informativ und besticht durch ihre interessanten Vorträge.“ Für den begeisterten Fliesenleger, der es am Abend des ersten Veranstaltungstages beim spannenden Kicker-Turnier bis auf den 3. Platz schaffte, ist das nächste FLIESEN & PLATTEN-FORUM am 18. und 19. Februar 2016 im Kölner Maternushaus wieder dick und fett im Terminkalender angestrichen: „Neben dem Informationsvorsprung, den mir die Veranstaltung hier bietet, freue ich mich auch auf den Austausch mit meinen Kollegen, die ich hier überregional treffen kann.“

Den Filmtrailer zur spannenden Podiumsdiskussion sehen Sie hier...

04.03.2015

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