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Fließestrichforum: Von 2800 v. Chr. bis ins digitale Zeitalter

Ein Zeitreise-Programm mit den Schwerpunkten Recht, Technik, Marketing und Digitalisierung erlebten mehr als 160 Estrichleger, Planer, Sachverständige und Vertreter der Industrie beim Fließestrichforum am 22. Oktober in Bamberg. (Foto: VDPM)

Teilnehmer beim Fließestrichforum 2019 des VDPM (Foto: VDPM)
Mehr Teilnehmer als bei allen vorigen Veranstaltungen haben dieses Jahr das Fließestrichforum in Bamberg besucht. (Foto: VDPM)

Dr. Markus Pfeuffer, stellvertretender Vorsitzender Verbands für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM), gab zum Einstieg einen Überblick über die Branchenentwicklung. Die aktuelle Statistik des VDPM zeigt, dass Estrichprodukte weiter auf Erfolgskurs sind: Der Estrichmörtelmarkt konnte 2018 ein Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen, 2019 hat er weitere 2 Prozent gewonnen. Dabei wächst der Marktanteil von Calciumsulfat-Fließestrich stärker als der des konventionellen Zementestrichs. Im vorigen Jahr hatte konventioneller Zementestrich mit 1,34 Millionen Quadratmetern einen Marktanteil von 39,4 Prozent, Calciumsulfat-Fließestrich lag mit 0,99 Millionen Quadratmetern bei 29 Prozent.

Der Baujurist Han Christian Jung (Rechtsanwälte Putsche & Jung – Schiche, Mertingen) skizzierte das „Bermuda-Dreieck Bauherr – Architekt – Handwerker“ und die Sichtweise der Gerichte bei Auseinandersetzungen, die oft auf fehlerhafter Kommunikation beruhten. Sein Appell: „Der beste Prozess ist der, den man erst gar nicht führen muss. Deshalb: Redet miteinander!“

Im ersten Technikvortrag stellte Achim Fethke, (Sachverständigenbüro für Estrich- und Fußbodenkonstruktionen, Duderstadt) die Vorteile von Fließestrich gegenüber Zementestrich für die Planung und Ausschreibung in den Mittelpunkt. Er untermauerte dies anhand verschiedener Kriterien wie Zum Beispiel Verformungs- und Trocknungsverhalten und mit Beispielen aus seiner Praxis als Sachverständiger.

Zeitreise mit Estrichen

Bis 2800 v. Chr. zurück reichte der Blick von Markus Huschenbeth (Denkmalpflege Mühlhausen Huschenbeth GmbH & Co. KG, Mühlhausen) bei seinem Vortrag über historische Gipsestriche. Mit Definitionen, Herstellungsverfahren, Technologien und Praxiseinsätzen bei Rekonstruktionen alter Gipsestrichflächen gab der Spezialist einen spannenden Überblick seiner Tätigkeit mit diesem vielfältigen Material.

Ingomar Smrcka (ARGE Estrich, Wien) ließ 20 Jahre Planungs- und Ausführungsrichtlinie Fließestriche in Österreich Revue passieren, schilderte Anfänge, Entwicklung und Status dieses im Nachbarland maßgebenden Regelwerkes und wies auf einige Unterschiede zur Praxis in Deutschland hin, etwa bei den Feuchtebeanspruchungsklassen. Auch in Österreich gilt der Grenzwert von 0,5 CM-% für die Belegreife von beheizten und unbeheizten Calciumsulfat-Fließestrichen.

Zementfließestrich mit Potenzial

Den Part der zementären Variante des Fließestrichs präsentierten Sandra Dörfel (Betotech Baustofflabor GmbH, Erfurt) und Melanie Unangst (HeidelbergCement AG, Leimen) anhand der Entwicklungsgeschichte von „CemFlow“, dem Zementfließ­estrich von HeidelbergCement. Nach der Implementierung eines Schwindreduzierers 2017 erfolgte 2018 der Neustart am Markt mit einem erweiterten Leistungsspektrum und Varianten als Schnell- und Designestrich. Attraktive Objektbeispiele unterstrichen das Fazit der Referentinnen: „Zementfließestrich hat Potenzial!“

Die zentrale Bedeutung funktionierender Baustellenlogistik stand im Mittelpunkt des Vortrags von Günter Fischer (Saint-Gobain Weber GmbH, Merdingen). Optimale Lieferformen und Maschinen für jede Schichtdicke, die wichtigsten organisatorischen und technischen Voraussetzungen der Baustellenlogistik und die konkreten Abläufe beim Fließestricheinbau in sehr großen und anspruchsvollen Objekten verdeutlichten dem Auditorium, auf was es ankommt.

Nachwuchs und digitales Handwerk

Den Abschluss des Fließestrichforums 2019 bildeten zwei Themen aus den Bereichen Nachwuchsgewinnung und Digitalisierung. Ellen Barg (GTF Freese Fußbodentechnik, Berlin) präsentierte die erfolgreiche Ausbildungsinitiative „Das ist Bodenhandwerk“. Die Kampagne spricht außer den Jugendlichen vor allem auch die ausbildenden Fachbetriebe an und bietet ein umfangreiches Unterstützungspaket für Werbung, Messen und Onlineaktionen .

In einfache Botschaften und konkrete Tipps verwandelte Michael Christmann (Stuck-Belz, Bonn) das große Thema Digitalisierung im Handwerk. Der Stuckateurmeister hat mit viel Engagement das digitale Zeitalter für sein Unternehmen und seine Mitarbeiter nutzbar gemacht. Von seinen Erfahrungen können andere Handwerksbetriebe profitieren, seine wichtigsten Empfehlungen lauteten:

  • sich zunächst mal einem digitalen Thema widmen, nicht alles auf einmal wollen,
  • eine in jeder Hinsicht aktuelle und attraktive Webseite einrichten,
  • 2-3 Themen pro Woche aus dem eigenen Unternehmen veröffentlichen,
  • eigene Events organisieren und darüber online und in den sozialen Medien
    berichten,
  • Mitarbeiter einbinden,
  • für kontinuierliche Aktion sorgen („Dranbleiben ist entscheidend!“).

Veranstalter des Fließestrichforums waren auch in der sechsten Auflage der Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM), das Institut für Baustoffprüfung und Fußbodenforschung (IBF) sowie der Bundesverband Estrich und Belag (BEB).

01.11.2019

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