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Fliesenleger äußern sich zur Corona-Krise (Teil 5)

Nicht ganz nachvollziehbare Situationen auf Baustellen, abgesagter Tag der offenen Tür im Bildungszentrum Butzweilerhof in Köln – Fliesenlegermeister Manfred Lehnert (links, Foto: Lehnert) und Ausbilder Andre Schmitz (Foto: Henning Granitza) berichten aus ihrer Sicht.

Corona, Fliesenleger
Fliesenlegermeister Manfred Lehnert (Foto: Lehnert)

„Ich bin seit rund zehn Jahren Einzelunternehmer und habe für mich entschieden, nur noch auf Baustellen zu arbeiten, auf denen ich alleine bin“, so Fliesenlegermeister Manfred Lehnert von Fliesen Lehnert aus Hanau-Steinheim. „Die Situationen auf den Baustellen sind teilweise erschreckend. Da finden sich 50 Leute auf 100 Quadratmetern ein, da ist an einen Sicherheitsabstand von zwei Metern nicht zu denken.

Ich befürchte, dass da auf viele Angestellte auch Druck ausgeübt wird, in Richtung: Was der Chef sagt, muss gemacht werden. Als Einzelperson kann ich da natürlich anders agieren. Die Aufträge, bei denen ich das Risiko einschätzen kann, werde ich abarbeiten. Derzeit habe ich noch genügend Arbeit, sodass ich wahrscheinlich bis August ausgelastet bin.

Neben den teilweise desaströsen Zuständen auf den Baustellen gibt es natürlich auch Kollegen, beispielsweise aus anderen Handwerken, die es vergleichbar handhaben und nur alleine auf Baustellen arbeiten. Problematisch wird es sicherlich, wenn man vertraglich an Fertigstellungsfristen gebunden ist. Hier wäre es wichtig, dass es da eine klare Stellungnahme vom Gesetzgeber gibt.

Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass wir diese Krise überstehen werden. Auch die Wirtschaft wird sich wieder erholen. Es bleibt zu hoffen, dass aus dieser Situation auch etwas gelernt wird. Zum Beispiel, dass wir unser Leben insgesamt etwas entschleunigen und verstehen, dass auch andere Dinge wichtig sind, nicht nur die Arbeit.“

Corona, Fliesenleger
Ausbilder Andre Schmitz (Foto: Henning Granitza)

„Planungen erst mal auf Eis“

Die Einladung von Andre Schmitz, Ausbilder Fachbereich Bau im Bildungszentrum Butzweilerhof der Handwerkskammer zu Köln, zum Tag der offenen Tür Fliesen/Stuck bei der HWK Köln klang vielversprechend. „Die Ideen gehen uns nie aus! Somit wird es auch in diesem Jahr wieder etwas verrückter und wir hoffen, das Projekt von letztem Jahr noch mal zu übertreffen.“ Geplant war der Tag für den 27. Mai 2020. „Aber der fällt entweder ganz aus oder wir holen ihn vielleicht noch im Winter nach“, erzählte uns Andre Schmitz etwas zerknirscht am Telefon. „Wir haben viele tolle Ideen gehabt, aber jetzt liegen die Planungen erst mal auf Eis.“

Verständlich, denn derzeit passiert im Bildungszentrum erst mal bis zum Ende der Osterferien nichts. Und auch danach ist ja noch nicht abzusehen, wie es weitergeht. Die ausgefallenen Zwischenprüfungen im Frühjahr 2020 entfallen bei der IHK NRW ersatzlos. Die Zwischenprüfung gilt somit als abgelegt beziehungsweise teilgenommen und die Zulassungsvoraussetzung zur Abschlussprüfung als erfüllt. „Die Gesellenprüfungen im Juni werden aber hoffentlich stattfinden“, hofft Schmitz. Denn: „Man weiß nicht, ob man den entstehenden Schaden aufarbeiten kann.“ Und auch die Neuorganisation der Prüfungen, vor allem der praktischen Teile, wird nicht einfach sein. Daher rückt Schmitz den Tag der offenen Tür erst mal in den Hintergrund: „Wir müssen, wenn wir endlich wieder loslegen können, erst mal die prüfungsrelevanten Inhalte abarbeiten. Harren wir der Dinge, die da noch kommen…“

Für Fragen der Auszubildenden und zu Fortbildungen, zur Meisterschule und zu Weiterbildungsprüfungen hat die HWK Köln Infoseiten und Hotlines eingerichtet.

Sie haben Teil 1, Teil 2, Teil 3 und/oder Teil 4 noch nicht gelesen? Dann los, mit einem Klick auf den jeweiligen Teil finden Sie weitere Statements.

06.04.2020