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Fachkräftemangel: Baugewerbe lehnt immer mehr Aufträge ab

Nach wie vor wird viel gebaut – doch das Baugewerbe hat nicht die nötigen Kapazitäten. Wie viele Aufträge tatsächlich abgelehnt werden müssen und wie sich der Fachkräftemangel noch weiter verschärfen könnte, hat das Marktforschungsunternehmen B + L in der dritten Runde seines Kapazitätenpanels erhoben. (Grafik: B + L)

Baugewerbe hat 2018 noch mehr Aufträge abgelehnt. (Grafik: B + L)
Alle befragten Gewerke haben 2018 mehr Aufträge abgelehnt als im Jahr zuvor. (Grafik: B + L)

Im Februar und März haben über 71 Prozent der Verarbeiter angegeben, dass sie im Jahr 2018 Aufträge aufgrund fehlender Kapazitäten abgelehnt haben. Außer bei den Trockenbauern haben alle befragten Gewerke mehr Aufträge ablehnen müssen als im Jahr zuvor.

Wie im Jahr 2017 auch wurden letztes Jahr hauptsächlich Bestandsmaßnahmen und Sanierungsprojekte abgelehnt. Grund dafür war eine Verschiebung der Kapazitäten in den Neubau. Viele Verarbeiter geben in der Erhebung aber an, aktuell wieder mehr Sanierungen im Projektvorlauf zu haben, sodass Bestandsmaßnahmen nach Einschätzung von B + L mittelfristig wieder an Bedeutung gewinnen werden.

Mehr Kapazitäten – aber wie?

Die Betriebe bräuchten also mehr Mitarbeiter. Entsprechend beschreibt auch der Arbeitsmarktreport 2019 des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) einen Mangel an qualifizierten Bewerbern im Bauhandwerk. Die aktuelle Erhebung von B + L bestätigt das: Mehr als ein Drittel der befragten Betriebe hat vergangenes Jahr keine passenden Mitarbeiter gefunden. Im vierten Quartal 2018 gab es 134.000 offene Stellen im Baugewerbe, das sind über 37 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Ab 2025 gibt es noch mehr Engpässe

Der Mitarbeitermangel entsteht aber nicht nur durch viele Aufträge. Laut DIHK-Arbeitsmarktreport wird als Grund für fehlende Kapazitäten noch häufiger genannt, dass Mitarbeiter altersbedingt aus dem Betrieb ausscheiden. Ganz unabhängig von der Nachfrage wird das Bauhandwerk also dann verstärkt mit dem Problem konfrontiert sein, wenn viele Fachkräfte aus den geburtenstarken Jahrgängen gleichzeitig in Rente gehen. Findet sich keine Lösung für den Fachkräftemangel, wird es daher ab Mitte beziehungsweise Ende der 2020er-Jahre zu verstärkten Engpässen kommen, wie B + L erläutert. Zu den benötigten Produktivitätssteigerungen beitragen könnten Produkte mit einem hohen Vorfertigungsgrad, Standardisierungen sowie serielles Bauen.

Für das B+L Kapazitätenpanel werden pro Erhebungswelle zwischen 250 und 300 Verarbeiter befragt. Zu den Zielgruppen der Erhebung gehören Dachdecker, Zimmerer, Trockenbauer, Schreiner/Tischler, Estrichleger und SHK-Installateure.

www.bl2020.com

06.04.2019

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