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„Erste Hilfe im Betrieb“: Was gilt in Corona-Zeiten?

Für Betriebe ist genau geregelt, wie sie die Erste Hilfe für den Fall eines Notfalls sicherstellen müssen, zum Beispiel durch die Zahl der Ersthelfer je nach Mitarbeiteranzahl. Doch wie sieht das aktuell zu Corona-Zeiten aus, wenn fast alle Mitarbeiter im Homeoffice sind? Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat die FAQ dazu zusammengestellt. (Abb.: Peggy und Marco Lachmann-Anke/Pixabay)

Symbolbild Erste Hilfe (Foto: Peggy und Marco Lachmann-Anke/Pixabay)
Erste Hilfe im Betrieb in Corona-Zeiten: Die DGUV beantwortet die wichtigsten Fragen. (Foto: Peggy und Marco Lachmann-Anke/Pixabay)

Coronabedingt ist nur noch ein kleiner Teil der Beschäftigten im Unternehmen, die Mitarbeiter sind im Homeoffice. Müssen auch für die im Büro verbliebenen Mitarbeiter Ersthelfer zur Verfügung stehen?

Ja. Man kann aber auch auf Externe als Ersthelfer zurückgreifen, zum Beispiel entsprechend ausgebildetes Sicherheitspersonal. Auch aktuell sollte das Unternehmen anstreben, die in der DGUV Vorschrift 1 festgelegte Mindestanzahl zu erreichen (bei 2 bis 20 anwesenden Versicherten ein Ersthelfender, bei über 20 anwesenden Versicherten in Verwaltungs- und Handelsbetrieben 5 Prozent und in sonstigen Betrieben mindestens 10 Prozent der anwesenden Beschäftigten). Wenn das nicht geht, sollte man nach Gefährdungsbeurteilung der geforderten Anzahl Ersthelfer möglichst nahe kommen.

Muss ich mich für Mitarbeiter im Homeoffice um die Erste Hilfe kümmern?

Nein, denn Ersthelfer müssen erst ab zwei anwesenden Versicherten zur Verfügung stehen. Außerdem stellt Homeoffice keine gefährliche Alleinarbeit dar. Es muss aber sichergestellt sein, dass der Mitarbeiter einen Notruf absetzen könnte.

Was, wenn unsere Ersthelfer die Fortbildungsfrist überschreiten?

Nach der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ muss der Unternehmer dafür sorgen, dass die Ersthelfenden „in der Regel“ in Zeitabständen von zwei Jahren fortgebildet werden. Die aktuelle Situation lässt da einen gewissen Handlungsspielraum.

Was machen wir, wenn Beschäftigte derzeit zu Erste-Hilfe-Kursen angemeldet sind?

Sofern die ausführende Stelle den Kurs nicht bereits abgesagt hat, sollten Sie sich wegen einer Verschiebung mit der Organisation in Verbindung setzen.

Dürfen uns als Unternehmen Kosten für abgesagte Erste-Hilfe-Kurse berechnet werden?

Das hängt von den AGB der Ausbildungsstelle ab. Grundsätzlich sind derartige Stornoregelungen zulässig. Ob sie auch dann angewendet werden können, wenn eine Kursdurchführung behördlich untersagt wurde, muss zivilrechtlich geklärt werden.

Können wir Erste-Hilfe-Kurse online absolvieren?

Nein. Ziel ist die „ganzheitliche Handlungskompetenz des Ersthelfenden in Notfallsituationen“ und der Fokus liegt auf praktischen Übungen.

Was müssen Ersthelfer aktuell beachten?

Abgesehen vom ohnehin notwendigen Tragen von Einmalhandschuhen sollten Ersthelfer aktuell aufgrund des Corona-Virus Atemschutzmaske und Schutzbrille tragen und, wenn möglich, Abstand halten. Außerdem sollen Husten- und Niesetikette eingehalten werden und die Hände gründlich gewaschen werden.

Muss bei Wiederbelebungsmaßnahmen zwingend beatmet werden?

Zu den Wiederbelebungsmaßnahmen in der Ersten Hilfe zählen die Herzdruckmassage, die Anwendung eines AED (Automatisierter Externer Defibrillator, falls vorhanden) und die Beatmung. Im Rahmen einer aktuellen Gefährdungsbeurteilung könnten Betriebe das Thema „Beatmung“ so lösen, dass sie Beatmungsmasken vorrätig halten. Die Ersthelfer müssen dann in der Anwendung geschult werden. Ob im Rahmen der Reanimation auf die Beatmung verzichtet werden kann, bis eine geeignete Beatmungshilfe zur Verfügung steht, liegt im Ermessen der handelnden Person.

www.dguv.de

18.04.2020