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Confindustria Ceramica: Ein Brief nach Rom

Der Präsident des Verbandes Confindustria Ceramica mahnt eine zügige Wiederaufnahme der Produktion an. Die Gesundheit der Mitarbeiter sei gewährleistet. Und die Mitbewerber produzieren auch schon wieder. (Foto: Uwe Leppert)

Giovanni Savorani
Giovanni Savorani fordert den Produktionsbeginn noch im April. (Foto: Uwe Leppert)

Giovanni Savorani, Präsident des Verbands der italienischen Fliesenhersteller Confindustria Ceramica, hat in einem Brief an den Minister für Wirtschaftliche Entwicklung Stefano Patunelli einen umgehenden Start der Fliesenproduktion gefordert. Die Gesundheit und die Sicherheit der Mitarbeiter in den Werken und an den Fertigungsstraßen seien gewährleistet. Dazu hatte der Verband gemeinsam mit den Gewerkschaften in den vergangenen Tagen ein Protokoll unterzeichnet. Diese Übereinkunft definiert, unter welchen Bedingungen die Produktion in den Fabriken wieder starten kann.

Die italienischen Industrien, so auch die Fliesenhersteller, mussten ihre Produktion zum 25. März einstellen. Grund dafür war eine Verordnung der Regierung in Rom, die ihre Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus in der letzten Märzwoche mit dem Dekret vom 22. März forcierte. An diesem Tag wurden in Italien 42.681 Infizierte (+ 12,73 Prozent) und 793 Todesfälle gezählt. Insgesamt 4.821 Menschen hatten bis dahin die Ansteckung nicht überlebt. Bereits eine Woche vorher hatten große Fliesenhersteller angekündigt, die Produktion auszusetzen. In Übereinkunft mit der Regionalregierung in Bologna blieb es den Fliesenunternehmen auch nach dem 25. März erlaubt, die Lager offen zu halten und die Auslieferungen weiterzuführen. Dieser Verfahrensmodus dauerte auch nach den Ostertagen an.

In der Zwischenzeit hat die Regierung Conte die Mobilitätsbeschränkungen für Privatpersonen und den Produktionsstopp der Industrien formal per Dekret bis zum 4. Mai 2020 verlängert, sodass erst nach diesem Datum ein Anlaufen der Produktion in Frage käme.

Mindestabstände können eingehalten werden

Präsident Giovanni Savorani betonte in dem Schreiben, dass Produktionsstraßen für Keramikfliesen hochgradig automatisiert seien, sodass die Mindestabstände zwischen den Personen derselben Schicht ohne Probleme eingehalten werden können, und im Regelfall sogar Abstände von zehn bis 15 Metern normal seien. Für Arbeitsbereiche, in denen die Abstände geringer ausfallen könnten, seien die Beschäftigten mit Gesichtsmasken, Brillen und Visieren ausgestattet.

In einem Telefongespräch mit F+P Fliesen und Platten sagte Savorani, dass sich das Verständnis der Epidemie in den vergangenen Tagen verändert habe: „Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass der Virus von heute auf Morgen vollständig verschwindet, vielmehr wird die Epidemie langsam ausklingen.“ Das bedeute, dass man lernen müsse, für einen längeren Zeitraum „mit dem Virus“ zu leben. Aus diesem Grund sei es sinnvoller, unter Beibehaltung aller Maßnahmen zum Schutz und zur Gesunderhaltung die Produktion noch vor dem 4. Mai wieder zu starten. „Der Stopp der Industrien belastet in einem hohen Maße die Sozialkassen und führt zu Steuerausfällen. Auch deshalb sollte, wer gesund ist, wieder arbeiten dürfen.“  

Savorani stellte weiterhin fest, dass die türkischen, polnischen und spanischen Werke in der Zwischenzeit die Produktion entweder nie unterbrochen haben beziehungsweise – wie letztere - wieder aufgenommen hätten. Dies ginge zulasten der Marktanteile der italienischen Hersteller. Das operative Anfahren der Produktion würde außerdem nach und nach erfolgen. „Einige unserer Export-Zielmärkte wurden von der Epidemie später erfasst als wir, sodass sich die Nachfrage dort noch nicht erholen konnte“, so Savorani. Als weiteres, strukturelles Problem kämen die mangelnde Mobilität und Reisemöglichkeiten der Vertriebsverantworlichen hinzu. Bürotätigkeiten, die die Unternehmen schon vor dem Stopp zu 60 Prozent und mehr ins Homeoffice ausgelagert hatten, könnten zunächst weiterhin außer Haus bleiben. Aus den genannten Gründen würde wahrscheinlich ein gutes Drittel sofort mit der Produktion beginnen.

In Italien waren am 14. April insgesamt 104.291 Menschen (+ 0,65 Prozent) mit dem Virus infiziert. Die Anzahl der Neuansteckungen geht seit Anfang April stetig zurück.

www.confindustriaceramica.it

16.04.2020