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Casalgrande Padana: Showroom mit Geschichte

Der italienische Fliesenhersteller Casalgrande Padana eröffnet eine Ausstellung („Creative Center“) zur Beratung von Architekten in einem römischen Villen-Vorort. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1961 und erlangte unter dem Namen „Casa Baldi“ Berühmtheit. (Foto: Corrado Ravazzini)

Casa Baldi wird zum „Creative Center“ (Foto: Corrado Ravazzini)
Das architektonische Schmuckstück „Casa Baldi“ mutiert von einer eigenwilligen Wohn-Villa zum „Creative Center“ der Casalgrande Padana. (Foto: Corrado Ravazzini)

Die „Casa Baldi“ ist das dritte „Creative Center“ des Unternehmens aus Casalgrande. Die erste Einrichtung dieser Art liegt direkt neben dem Hauptsitz des Herstellers. Das zweite wurde in Mailand am Foro Bonaparte eröffnet. Beide „Creative Center“ umfassen umfangreiche Ausstellungsflächen, fungieren jedoch in erster Linie als Schnittstelle zwischen Produktpräsentation und Projektplanung. Die Einweihung der „Casa Baldi“ als „Creative Center“ erfolgte am 24. Mai 2019 im Rahmen der feierlichen Bekanntgabe der Gewinner des 11. Grand Prix Architekturwettbewerbs, den die Casalgrande Padana  alle drei Jahre auslobt.

Die „Casa Baldi“ wurde im Jahr 1961 vom italienischen Architekten Paolo Portoghesi als Wohnhaus gebaut. Auftrag- und Namensgeber des Hauses war der Regisseur Gian Vittorio Baldi, der auch die ersten Pasolini-Filme produzierte. Der 1931 geborene Baumeister Portoghesi ist eine der prägendsten Gestalten der Architektur der späteren Nachkriegszeit. Er schuf bekannte Bauwerke, beteiligte sich jedoch auch als Professor, Theoretiker und Architektur-Historiker an den großen Debatten des Bauschaffens. In Deutschland wurde er unter anderem durch die Gestaltung des Exerzierplatzes in Pirmasens bekannt.

Portoghesi wendete sich in seinem Schaffen und seinen Schriften gegen die Geschichtsvergessenheit der modernen Architektur. Die „Casa Baldi“ war aus diesem Grund eine Art Protest des jungen Architekten gegen den nivellierenden Rationalismus der Moderne. Die kleine Villa entstand auf damals freiem Land nahe der Via Flaminia an einer Biegung des Tiber unterhalb einer antiken Ruine auf Tuffgestein, das zum Teil auch als Baumaterial diente. Die geschwungenen Formen des Hauses kommen fast völlig ohne rechten Winkel aus und scheinen sich in die umliegende Natur „hineinzuspüren“.  Der Stil der Villa zeigt, wo die Vorbilder von Portoghesi liegen: Hier ist in erster Linie der Architekt Francesco Borromini (1599 – 1667) zu nennen, der die Baukunst seiner Zeit mit organisch geschwungenen und plastisch wirkenden Fassaden beeinflusste.

Architekt Paolo PortoghesI: Aufbauen und austeilen

Mit Kritik am aktuellen Bauschaffen spart Portoghesi auch jetzt nicht: Das Haus stehe jetzt inmitten „zeitgenössischer und jeder architektonischen Qualität entbehrender Dinge“, so quittiert Portoghesi in einem Interview mit „Percorsi“ – dem House Organ der Casalgrande Padana – anlässlich der Eröffnung die Tatsache, dass die Vororte Roms die kleine Villa mittlerweile eingeholt haben und sie umgeben. Stilistisch konnte sich Paolo Portoghesi nicht durchsetzen. Die rationale, moderne Architektur habe die heutige Stadt leider zu etwas „Erfundenem“ gemacht, „bei dem die Geschichte, die Gewohnheiten und die Bedürfnisse der Bürger keine Berücksichtigung finden“, so Portoghesi weiter. Im Übrigen hätten es selbst „moderne Architekten immer vorgezogen, in den Altstädten und nicht in den von ihnen gebauten Häusern zu leben.“

Paolo Portoghesi leitete die Arbeiten für die Umnutzung des privaten Wohnhauses zu einer Ausstellung für Keramikfliesen. Die Einweihung am 24. Mai 2019 nahmen er und der Präsident der Casalgrande Padana, Franco Manfredini, gemeinsam vor. Bei der sich anschließenden Verleihung der Grand-Prix-Auszeichnungen im „Acquario Romano – Casa dell´Architettura“ im römischen Stadtzentrum erläuterte Portoghesi den zahlreichen Teilnehmern in einem vertiefenden Vortrag seine Gedanken zu „Casa Baldi“.

04.06.2019

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