zurück

Betriebsrente: Immer noch ein Sorgenkind?

Noch immer schließen in mittelständischen Unternehmen zu wenige Arbeitnehmer eine Betriebsrente ab. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat eine Studie in Auftrag gegeben, welche die Problematik beschreiben und Vorschläge für Lösungsansätze liefern soll. bAV-Experte Dr. Paulgerd Kolvenbach erläutert die wichtigsten Erkenntnisse der Studie. (Foto: Uschi Dreiucker/pixelio.de)

Selbständige Altersvorsorge, Rente Selbständige, Vorsorgemodelle
„Arbeitgeber sehen als Grund für die mangelnde Verbreitung einer Betriebsrente die fehlende Nachfrage seitens der Mitarbeiter“, sagt bA-Experte Paulgerd Kolvenbach. (Foto: Uschi Dreiucker/pixelio.de)

Die gesetzliche Rente kann heute keine Vollversorgung mehr gewährleisten. Immer mehr Menschen müssen damit rechnen, später von Altersarmut betroffen zu sein. Um die Lücke zwischen der gesetzlichen Rente und dem Bedarfseinkommen zu schließen, sollten Arbeitnehmer daher ergänzend vorsorgen . Ein wichtiger Baustein ist dabei die Betriebsrente, auch betriebliche Altersversorgung (bAV) genannt. Eigentlich bietet sie Arbeitgebern und Mitarbeitern eine klassische ‚Win-win‘-Situation: Der Arbeitnehmer sorgt für das Alter vor, das Unternehmen gewinnt ein attraktives Mittel zur Mitarbeitermotivation und -bindung. Warum setzt sich die bAV besonders in kleinen und mittleren Unternehmen (sogenannte KMUs) dennoch nicht in dem Maße durch, wie es sich die Politik erhofft? „Als häufigste Argumente nennen die befragten Unternehmen, dass die bAV zu teuer, zu komplex und mit Haftungsrisiken verbunden sei“, erläutert Paulgerd Kolvenbach, Geschäftsführer der Longial.

bAV weiterhin wenig in KMUs vorhanden

Die „Machbarkeitsstudie für eine wissenschaftliche Analyse von Hemmnissen für die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung in kleinen und mittleren Unternehmen“, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Auftrag gegeben hatte, sollte Wege zur Beantwortung der Frage herausarbeiten, warum insbesondere in KMUs die Betriebsrente noch immer nicht richtig Fuß gefasst hat. „Ob eine branchenspezifische Lösung, beispielsweise für Bau, mehr Erfolg hat als eine branchenunabhängige, kann die Studie leider wenig klar beantworten“, kommentiert Kolvenbach eines der Ergebnisse.

Hemmnisse zur Verbreitung der bAV identifiziert

Interessant ist dagegen die Auflistung der Hemmnisse, die einem höheren Verbreitungsgrad der Betriebsrente vor allem in KMUs im Weg stehen: Insgesamt 40 Stolpersteine identifiziert die Studie. Sie unterscheidet dabei zwischen den Perspektiven der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der Produktanbieter. Und kommt zu einem überraschenden Ergebnis: „Arbeitgeber sehen als Grund für die mangelnde Verbreitung einer Betriebsrente die fehlende Nachfrage seitens der Mitarbeiter. Diesen wiederum fehlt ausdrücklich ein entsprechendes Angebot ihres Unternehmens“, fasst Kolvenbach von der Longial zusammen und mahnt: „Wer hat hier mit wem nicht gesprochen?“ Könnte in dieser Konstellation nicht die viel diskutierte Opting-Out-Variante eine Lösung sein? Das würde bedeuten, dass jeder Arbeitnehmer eine Betriebsrente mit dem Arbeitsvertrag abschließt – außer, er entscheidet sich bewusst dagegen. Hierzu steht aber eine Entscheidung des Gesetzgebers noch aus. „Opting-Out“ würde allerdings nur einen Teilaspekt des Problems lösen: Das Angebot an die Arbeitnehmer. Die Arbeitgeber müssten immer noch freiwillig mitspielen.

Mangelnde Unterstützung?

Ein weiteres wichtiges Hindernis auf Seiten der Arbeitgeber arbeitet die Studie klar heraus: Sie nennen häufig fehlende Spezialisten beziehungsweise mangelnde Personalressourcen als Grund, weshalb sie die Betriebsrente im Unternehmen wenig fördern. Kaum bekannt ist demnach die Möglichkeit, den ganzen Prozess rund um die Betriebsrente – von der Einführung bis zur Auszahlung – quasi outzusourcen: „Ein kompetenter Pensionsberater berät und begleitet ein Unternehmen sowohl bei der Einrichtung als auch bei der Betreuung einer betrieblichen Altersversorgung – und übernimmt so Aufgaben des Risk Managements für das Unternehmen“, so Kolvenbach weiter. Zu den Leistungen eines Pensionsberaters gehört auch die Kommunikation mit der Belegschaft. Außerdem führt er bei Bedarf die administrativen Prozesse für das Unternehmen durch. Diese Unterstützung könne nicht nur in kleineren und mittleren Unternehmen die Hürden für eine betriebliche Versorgungslösung rasch aus dem Weg räumen, sondern auch den Weg freimachen für ein attraktives Mittel zur Mitarbeiterbindung und -motivation in Zeiten des wachsenden Fachkräftemangels.

www.longial.de

www.pixelio.de

22.08.2014

Newsletter
  • Kostenlos abonnieren: Was Profis wissen müssen

    *Pflichtangaben

    Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.