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Mitarbeiter als interne Trainer qualifizieren

Viele Betriebe fragen sich, wie sie ihre Mitarbeiter fachlich und methodisch fit halten sollen, ohne sie alle paar Wochen auf Schulungen und Trainings zu schicken. Gerade im Mittelstand und in kleineren Betrieben kann die Abwesenheit von Abteilungen mit gewöhnlich vielen Mitarbeitern wie Verkauf, Kundenberatung, Verlegung, Lager oder Service alles lahm legen.

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Inhouse-Trainer sind aufgrund ihrer Betriebserfahrung schnell einsetzbar und auch für den anschließenden Transfer in die tägliche Anwendung schnell verfügbar. (Foto: S. Hofschlaeger/pixelio.de)

Keine systematische Weiterbildung ist auch keine Lösung, denn stellen Sie sich mal Ihre Verkäufer vor, wenn es diesen im Kundengespräch regelmäßig die Sprache verschlägt, nur weil sie nicht gelernt haben, die vielen Klippen im Verkaufsgespräch mit Bravour zu meistern. Oder Ihre Servicetechniker, wie sie hilflos Kunden gegenüber stehen, nur weil sie die letzten Schulungen aus Zeitgründen nicht mitmachen konnten und darum technisch nicht auf der Höhe sind.

Das kann und darf es nicht sein, denn der Wettbewerb schläft nicht und die Kundengespräche werden auch immer anspruchsvoller. Und genau darum müssen andere Lösungen her. Alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt profitieren schließlich davon, dass sie ihren Gesprächspartnern kompetent gegenübertreten können und sie bei der Lösungssuche qualifiziert unterstützen.

Die Kreativität setzt keine Grenzen, darum experimentieren viele Betriebe mit Konzepten, die passgenau auf ihren Bedarf und die jeweiligen Anforderungen zugeschnitten sind. Eine Möglichkeit besteht darin, eigene Mitarbeiter oder Führungskräfte in die Weiterqualifizierung der Kollegen mit einzubinden. Das klingt attraktiv, weil die externe Suche nach einem geeigneten Trainer zunächst wegfällt, Kosten gespart und Mitarbeiter ja vorhanden sind, die diese Aufgabe übernehmen könnten. Weniger ermutigend ist die Erkenntnis, dass sich nicht jeder Mitarbeiter zum internen Trainer eignet, beziehungsweise willens ist, sich in der ungewollten Rolle zu versuchen. Das schließt die eigenen Führungskräfte gleichermaßen mit ein, die in der Regel ja auch mit ihrer normalen Führungsaufgabe gut zu tun haben.

Nun sind so manche kreativen Ansätze nicht deswegen schlecht, nur weil sie sich nicht mal eben im Vorbeigehen realisieren lassen. Es lohnt sich, hier ein wenig genauer hin zu sehen, denn neben den vielen Fallstricken, die nicht immer offen zutage liegen, gibt es doch eine ganze Reihe handfester Vorteile, die dafür sprechen können.

Die Qualifikation muss schon da sein

Es ist eher unwahrscheinlich, dass bereits Mitarbeiter im Betrieb vorhanden sind, die eine qualifizierte Trainerausbildung vorweisen können. Die ist nämlich gar nicht so leicht zu erlangen und schließt so umfassende Komponenten wie Didaktik und Methodik ein, ganz zu schweigen von der Beherrschung guter Kommunikations-, Interaktions- und Präsentationsfähigkeiten. Das Wichtigste aber sind vielleicht die umfassenden praktischen Erfahrungen als Trainer und die Lernerfahrungen mit Gruppen aller Art. Und die sind eben nicht vorhanden, wenn jemand nicht aktiv in der Rolle eines Trainers arbeitet.

Möglichkeit 1: Eigene Mitarbeiter als zukünftige Inhouse-Trainer bei externen Lehrinstituten ausbilden lassen. Das ist keine kleine Investition und dauert berufsbegleitend circa ein Jahr. Nicht jedes Lehrinstitut eignet sich gleichermaßen. Zu bedenken ist, dass die Inhalte einer solchen Trainerausbildung eher auf Teilnehmer ausgerichtet sind, die im Anschluss an die Qualifizierung selbständig als Trainer arbeiten wollen. Während der Ausbildung und im Anschluss sind Hospitationen als Co-Trainer in der Praxis angesagt, um die nötigen Erfahrungen zu erlernen, sich auszuprobieren und vor allem von erprobten und erfahrenen Trainern zu lernen.

Möglichkeit 2: Die Ausbildung geeigneter Mitarbeiter zielgerichtet von externen Trainern im eigenen Betrieb durchführen zu lassen. Das hätte den Vorteil, dass nur die Inhalte trainiert werden, die als Inhouse-Trainer benötigt werden. Gemeint ist, dass alle Trainingsinhalte wegfallen können, die man als externer Trainer für die Tätigkeit braucht. Dazu zählen Kenntnisse zur Akquise, Auftrags- und  Erwartungsklärung – ebenso all die vielen Dinge, die ein externer Trainer wissen und beherrschen sollte. Diese betriebliche Trainer-Ausbildung ist viel mehr auf wenige Inhalte fokussiert und auch passgenauer auf die Bedürfnisse im Betrieb ausgerichtet, kostengünstiger zu haben und vor allem wesentlich schneller zu realisieren. Geschätzt braucht es etwa sieben bis zehn Manntage, um ein solches Programm „durchzuziehen“.

Der Nachteil, den manch einer sehen könnte: Die ausgebildeten Mitarbeiter sind eher „Schmalspurtrainer“ und können wirklich nur passgenau im eigenen Unternehmen wirken. Aber genau das ist auch die Anforderung, darum ist dieser Nachteil keiner.

Das Prinzip der Freiwilligkeit und andere Nebenbedingungen

Es gilt grundsätzlich das Prinzip der Freiwilligkeit. Nachdem geeignete Kandidaten identifiziert sind, sollten die Verantwortlichen dafür werben, und es auch unter dem Aspekt der individuellen Personalentwicklung betrachten. Manch Angestellter, ansonsten im Hauptberuf anderweitig Beschäftigter, kann so Abwechslung vom täglichen Allerlei oder seine tatsächliche Berufung für sich entdecken und ausprobieren. Trainer sollten in ihrer Persönlichkeit gefestigt, akzeptiert und vor allem authentisch sein. Sie haben keine Angst vor Menschen und probieren sich auch gern aus. Kommunikativ zählen sie zu den stärkeren Mitarbeitern im Betrieb.

Was bringt ein interner Mitarbeiter-Trainer

Inhouse-Trainer sind oft viel praxisorientierter. Da sie aus dem gleichen Betrieb kommen, wissen sie oft viel besser als ein externer Trainer, wo die wirklichen Probleme versteckt sind. Sie sind aufgrund ihrer Betriebserfahrung schnell einsetzbar und auch für den anschließenden Transfer in die tägliche Anwendung schnell verfügbar, wenn Fragen bei der Umsetzung auftreten. Die Mitarbeiter, die bei ihnen in der Schulung oder Training waren, können mal eben „auf dem kleinen Dienstweg“ nachhaken, wenn es weiterer Hilfestellung oder Unterstützung bedarf. Einen externen Trainer zu kontaktieren, um diesen um Klarstellung oder weitere Unterstützung zu fragen, kommt im Anschluss an Training oder Schulung eher selten vor. Für viele Teilnehmer ist die Hürde so hoch, dass sie diesen Schritt nicht in Erwägung ziehen.

Auf die Unternehmenskultur wirkt die Zusammenarbeit mit Inhouse-Trainern eher positiv ein. Wenn ein Betrieb zunehmend eigene Leute für die Wissensvermittlung einsetzt, dann ist dies ein aktives Bekenntnis zu den Fähigkeiten und Qualitäten der eigenen Mitarbeiter. Das ist wertschätzend und tut der Belegschaft gut. Und so mancher nutzt diese Nebenbeschäftigung so erfolgreich, dass sich im Laufe der Zeit weitere Verwendungsmöglichkeiten im Betrieb auftun. Es ist sozusagen eine Bühne, die auch in diesem Sinne gut genutzt werden kann.

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FLIESEN & PLATTEN-Autor Marc Sobolewski

Verkaufscoach

hat seinen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre an der Universität Köln gemacht. Seit 2002 bietet er erfolgreich Marketing- und Vertriebsberatung an, einschließlich Workshops und Trainings. Davor war er viele Jahre im Mittelstand und in Konzernen tätig, zuletzt in der Geschäftsleitung eines mittelständischen Herstellers, verantwortlich für Marketing und Vertrieb. In seine Beratung, Workshops und Trainings fließen fundierte Erfahrungen aus der Konsumgüter- und Fliesenbranche ein. Seit 2008 beschäftigt er sich zudem damit, Veränderungsprojekte in Unternehmen durch begleitende Change Management-Maßnahmen zum erfolgreichen Abschluss zu führen. Marc Sobolewski ist zertifizierter Verkaufs- und Verhaltenstrainer nach den Richtlinien des dvct. Seit 2005 bringt er als Autor praktisches Fliesen-Verkaufswissen auf den Punkt. Mittlerweile sind über 100 Artikel von ihm erschienen.

Kontakt: Marc Sobolewski
Telefon: 069/5979 7558
E-Mail:  m.sobolewski@m-2-s.de
Web: www.m-2-s.de

12.06.2017